#1 Böhmes Gottesbegriff und seine sieben Qualitäten (Alchemie der modernen Physik) von W.L. 16.08.2016 11:46

Jakob Böhme, kurze Vita, seine Wirkungsstätte, seine Erleuchtung

Gott ist für Böhme "ein ewig Nichts", ein "Ungrund", das aber nicht als Vakuums ähnliche Leere zu verstehen ist, sondern als Potenz, aus welcher alles hervorgeht. Er entspricht dem modernen Begriff des Quantenvakuums -> Wissenschaft-Online.de/Astrowissen

Das Erste, was aus der Gottheit(Ungrund) hervortritt ist die herbe Qualität. Sie zieht zusammen, verdichtet und ist Ursache für jegliche Substanzhaftigkeit. Astrologisch der Planet Saturn. Deutlicher als in Böhmes erstem Werk Aurora, geht dies aus seinem letzten Werk "De Signatura Rerum" hervor, in welchem er bewusst mit astrologischen Planetennamen, dessen Metallen und Eigenschaften hantiert.

Böhme zu verstehen ist einfacher, wenn man Grundkenntnisse der Astrologie besitzt.
Das zeigt nicht nur die folgende Tafel
http://www.jacob-boehme.org/Clavis-Schaubild.jpg

Man muss sich jedoch mit der Astrologie etwas genauer befassen, um Böhmes Beschreibungen der sieben Qualitäten besser zu verstehen.

Die klassische Astrologie sieht in den Planetenkräften Konfigurationen von vier Grundkräften, den sog. Urqualitäten. Ich habe in meinem Artikel "An den Quellen der Astrologie" gezeigt, dass diese Urqualitäten, die seit griechischer Zeit überliefert wurden, sehr genau den Eigenschaften entsprechen, die Böhme als die ersten vier Qualitäten beschreibt. Die folgende Tabelle zeigt die Entsprechungen zwischen Böhmes "Qualitäten" und den astrologischen "Urqualitäten"
Böhmes "Qualitäten" - astrologische "Urqualitäten"
Herbe - Kalt
Süß - Feucht
Bitter - Trocken
Hitze - Warm

Siehe: Jacob Böhme/Bibliographie
Limbrunner, Willibald; An den Quellen der Astrologie; Jakob Böhme und die Offenbarung des Johannes; in: Magazin 2000plus 2000/12, S. 56-61 und 2001/1 S. 62-67.

In "De Signatura Rerum" schreibt Böhme, es seien sieben Qualitäten, von denen aber nur je drei "stehen bleiben", die mittlere "Hitze" wirke als Vermittler.

Die Qualitäten fünf bis sieben, bezeichnet Böhme in Aurora als "Liebe", "Hall", "Natur" in "De Signatura Rerum" benennt er sie als Planetenkräfte Venus, Jupiter, Mond und nennt sie helle Qualitäten, während er die ersten Saturn, Merkur, Mars, die dunklen Qualitäten nennt.

Böhme, ein Rosenkreuzer

Dass Böhme oder dessen Schüler Rosenkreuzer waren, habe ich bereits in anderen Artikeln erwähnt. Nochmals nachweisbar und klar wird dies, wenn man sich die folgende Rosenkreuzertafel ansieht.
http://digicoll.library.wisc.edu/cgi-bin...eFiguren&isize=
Diese Figur fasst im unteren Teil einen ganzen Abschnitt in "De Signatura Rerum" zusammen.
Schaubild aus Böhmes Clavis
Die vierte Qualität Sonne ist Vermittlerin zwischen der dunklen Seite der sieben Qualitäten (Saturn, Merkur, Mars) und der hellen Seite (Venus, Jupiter, Mond)

Beschreibt Böhme in Aurora noch die drei ersten Qualitäten (Urqualitäten der Astrologie), so werden daraus in "De Signatura Rerum" die alchimistischen Qualitäten „Sulphur“, „Merkurius“, „Sal“ und so lässt sich die o.a. Tabelle erweitern:

Böhmes Qualitäten - Astrol. Urqualitäten - Alchemie
Herbe - Kalt - „Sal“
Süß - Feucht - „Merkurius“
Bitter - Trocken - „Sulphur“
Hitze - "Warm"

Anzumerken ist, dass "Merkur" in der Astrologie und "„Merkurius“" in der Alchemie nicht dasselbe sind.
„Merkurius“ ist eine Ur- oder Quellenergie und Hauptkomponente der Planetenkraft Merkur.

Die drei Böhmeschen Qualitäten "Liebe", "Hall" und "Natur" sind die nicht offenbaren, verborgenen oder spirituellen Wesenszüge der Qualitäten
„Sulphur“ (Bitter), „Merkurius“ (Süß) und „Sal“ (Herbe).
Letztere wirken in die Natur hinein und bewirken alle Kräfte und Formen. Erstere sind deren spirituelle, unoffenbare, innere Wesenszüge.

Steht das letzte Werk Böhmes "De Signatura Rerum", in Übereinstimmung mit den Begrifflichkeiten des Paracelsus, so nur deshalb, weil Böhme in seinen "Qualitäten" die Identität der paracelsischen Begrifflichkeiten erkannte. Ganz ähnlich erkannte Böhme auch die Visionen der Offenbarung, in seine eigenen Visionen und erläutert dies in seinem ersten Werk, Aurora. Als Böhme seine Aurora schrieb waren ihm offenbar die paracelsischen Lehren noch unbekannt und so nannte er sie "Herbe", "Süß" und "Bitter". In "De Signatura Rerum" nannte er sie „Sal“, „Merkurius“ und „Sulphur“.

Siehe auch: http://www.jacob-boehme.org/html/qualitaetenlehre.php

Alchemie der modernen Physik

Da Böhme immer wieder schreibt, die Prinzipien seien ineinander und könnten nur miteinander und nie einzeln wirken, bieten sich moderne Begrifflichkeiten an. Etwa der Begriff der Energie für die alchemistische Qualität „Sulphur“, der Begriff der Strahlung und Wechselwirkung für „Merkurius“, der Begriff der Masse für „Sal“.

Masse ist in der modernen Physik kein isolierter Begriff mehr. Masse ist strukturiert durch Energie und Strahlung. Ebenso hat man sich den Begriff „Sal“ als "Umfasser" (De Signatura Rerum) von „Sulphur“ und „Merkurius“ vorzustellen und Letztere als Bildner und Strukturgeber von „Sal“. „Merkurius“ ist das "Rad" (De Signatura Rerum) und somit überall wechselwirkende Strahlung, im Sinne von gegenseitigem Austausch.

Die letzten Untersuchungen an Elektronen weisen sie als Konglomerat reiner physikalischer Eigenschaften aus:

„Normalerweise sind Ladung und Spin in jedem Elektron untrennbar miteinander verbunden“, sagt Ralph Claessen von der Universität Würzburg, der in 'Nature' einen Kommentar zu der Studie verfasst hat. „Wenn in einem Draht ein Strom fließt, bewegen sich alle Elektronen mit ihrem Spin und ihrer Ladung in die gleiche Richtung.“ Das ändert sich aber, wenn der Draht extrem dünn wird und sich die Teilchen nur noch vor- oder rückwärts bewegen können. „Dann treten quantenmechanische Effekte auf“, sagt der Physiker. „Sie führen dazu, dass Spin und Ladung voneinander getrennt werden und sich als Quasiteilchen unterschiedlich schnell durch den ,Nanodraht’ bewegen.“
Das geteilte Elektron, Der Tagesspiegel vom 19.04.2012

"Spin", entspricht dem Böhmeschen "Merkurius" und ist reines Prinzip von Bewegung.
"Ladung", entspricht dem Böhmeschen "Sulphur" als reines Prinzip von Energie.
Sie vereinen sich zu Böhmes „Sal" durch die Bildung von Teilchen und Masse.

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