#1 Professor Wolfgang Merkel: Muslime und Integration, Bassam Tibi zum Problem des Islam von W.L. 16.09.2016 21:24

Ein Gespräch mit
Professor Wolfgang Merkel, Direktor der Abteilung "Demokratie und Demokratisierung" am Wissenschaftszentrum Berlin
und dem Tagesspiegel
Viele der Flüchtlinge kommen aus mehrheitlich muslimischen Ländern. Ist das eine besondere Herausforderung?

Einwanderer aus muslimischen Ländern und Gesellschaften sind in unsere Mehrheitsgesellschaft schlechter zu integrieren als Gruppen, die nicht so stark religiös sind. Zugespitzt kann man sagen: Die Religion ist das Trennende.

Das müssen Sie uns ausführlicher erläutern…

Der Islam ist eine monotheistische Religion, die spätestens nach der Revolution im Iran 1979 mehrere Fundamentalisierungsschübe erfahren hat. Fundamentalisierte monotheistische Religionen tendieren zur Intoleranz. Sie führen nicht zu gesellschaftlicher Integration, sondern Segregation. Nehmen Sie die Zahl der Heiraten außerhalb der eigenen religiösen und ethnischen Gemeinschaft. Bis heute gibt es zwischen muslimischen Einwanderern und Angehörigen von Mehrheitsgesellschaften in Europa nur eine verschwindend geringe Zahl von interreligiösen Heiraten.

Gibt es denn europäische Gesellschaften, in denen sich Muslime der Mehrheitsgesellschaft gegenüber stärker geöffnet haben als in Deutschland?

Da muss ich Sie enttäuschen. Es gibt keine Gesellschaft in Europa, in der die Integration muslimisch gläubiger Bürger oder Zuwanderer wirklich gelungen wäre. Noch schwieriger wird es, wenn man sich Einwanderer aus arabischen Ländern ansieht. Bei ihnen ist die Bereitschaft zur Integration in die Mehrheitsgesellschaft noch weniger ausgeprägt als bei den übrigen Muslimen.

So argumentieren auch Rechtspopulisten.

Ich bin Demokratieforscher und kein Fremdenfeind. Man darf nicht "Sein" und "Sollen" vermischen. Was ich hier formuliere, sind die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen. Auch andere Indikatoren stützen diesen Befund – etwa der dramatisch schlechtere Bildungserfolg dieser Gruppe in der zweiten und dritten Generation. Oder die im Vergleich zu anderen Religionen ausgeprägte Neigung zu religiösem Fundamentalismus. Ich halte gar nichts davon, den Faktor Religion zu tabuisieren. Auch Religion muss Kritik aushalten.

Kann die Integration von so vielen Menschen aus muslimischen Gesellschaften in Deutschland überhaupt gelingen?

Prinzipiell unmöglich ist es nicht. Dazu müssen wir aber vieles anders machen und unbequeme Entscheidungen treffen. Erschwerend kommt hinzu: Je mehr Einwanderer in einer kurzen Zeit in ein Land kommen, umso schwieriger ist es, sie zu integrieren. Das klingt trivial. Aber wenn wir am Ende dieses Jahres zwei Millionen Flüchtlinge in Deutschland haben, wird ihre Integration extrem schwer.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/demok...t/12969090.html

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Bassam Tibi über die Bedrohung Europas durch den Islam
Im 21. Jahrhundert kommt eine neue Bedrohung dazu: der Islamismus, der in der Welt des Islam gedeiht und mit islamischen Flüchtlingen nach Europa kommt.
...
Ich räume ein, dass es zahlreiche Menschen unter den Flüchtlingen gibt, die aus Not nach Europa kommen und denen man humanitär helfen muss. Ich bin aber nicht blind gegenüber der ­Tatsache, dass sich unter ihnen auch arabische Antisemiten, Islamisten und ethnische Nationalisten befinden. Der Irrsinn einer Willkommenskultur verbietet es aber, über diese Gefahren offen zu sprechen.

Bassam Tibi in Europa braucht eine starke Identität

Bassam Tibi ist "deutscher Politikwissenschaftler syrischer Herkunft. Von 1973 bis 2009 war er Professor für Internationale Beziehungen an der Georg-August-Universität Göttingen, hatte darüber hinaus zahlreiche Lehr- und Forschungsaufenthalte an ausländischen Hochschulen und wurde über Buchveröffentlichungen und Medienauftritte vor allem in Deutschland auch einem breiten Publikum als Experte für die Arabische Welt und den Politischen Islam bekannt

"Zehn Prozent der Muslime in Deutschland sind beruflich und gesellschaftlich eingegliedert. Neunzig Prozent leben in Parallelgesellschaften. Die meisten möchten auch gar nicht dazugehören. In Berlin gibt es libanesische, türkische und kurdische Parallelgesellschaften. In Cottbus gibt es schon eine syrische Parallelgesellschaft. Das liegt nicht nur an den Einwanderern, sondern auch an den Deutschen."
Bassam Tibi: «Der deutsche Staat kapituliert vor dem Islam», NZZ vom 5.4.2018


„Ich wollte wenigstens ein Mädchen retten“

Eva Quistorp engagierte sich als Helferin in einem Flüchtlingsheim. „Meine Hilfe war nicht naiv“, erzählt sie, „ich wollte ganz konkret und gezielt Frauen und Mädchen und liberalen Muslimen helfen, auch verfolgten Christen.“ Sie traf aber überwiegend auf junge Männer, die von ihren Familien als „Vorhut“ geschickt worden seien. „Diejenigen, die unsere Hilfe am meisten benötigen würden, sind ja meist gar nicht in der Lage zu fliehen“.

Sie nahm sich eines kleinen afghanischen Mädchens an, das alleine mit seinem Vater nach Deutschland gekommen war. Die Mutter war bei einem Autounfall getötet worden. Es gelang ihr, Vertrauen aufzubauen, sie nahm das Mädchen mit ins Weihnachtskonzert, sogar eine Synagoge besuchten sie zusammen. Eva Quistorp vermochte das Kind für die deutsche Sprache, europäische Musik, Bücher und Kunst zu begeistern. Nach einem Jahr genügte der Wortschatz der kleinen Afghanin schon, um ihr deutsche Märchen vorzulesen: „Rotkäppchen, Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Auch deutsche Volkslieder sangen die beiden schon zusammen. Eva Quistorp war zuversichtlich, diesem kleinen Mädchen einen guten Start in Deutschland zu ermöglichen, „ich wollte wenigstens dieses eine Mädchen retten“.

Das alles war einmal. Die „wunderbaren Erlebnisse“ kann die Helferin nur noch anhand von Fotos rekapitulieren. Der Vater hat inzwischen jeglichen Kontakt mit seinem Kind verboten, er fürchtete den unislamischen Einfluss von Frau Quistorp auf seine Tochter. Frau Quistorp sprach mit der Achse des Guten über Ihre Erfahrungen und die Schlüsse, die sie daraus zieht.

Insbesondere für Frauen und Mädchen ist es gefährlich, dass beinahe alle Verantwortungsträger davor zurückschrecken, die Islam-Ideologie, mit der die meisten kommen, als Problem zu erkennen und anzugehen. Stattdessen kooperieren sie mit solchen Islam-Verbänden, die die Zuwanderer darin bestärken, an engstirnigen Regeln und der Überzeugung von der Überlegenheit der Muslime festzuhalten und sich nicht den westlichen Werten und Freiheiten zu öffnen. Gegen diesen Irrweg muss sie sich zu Wort melden.

Zehn Thesen für ein weltoffenes Deutschland, von Richard Schröder, Eva Quistorp und Gunter Weißgerber

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Die Studie der Bertelsmannstiftung zur Integration der Muslime in Deutschland: Sind Muslime wirklich gut in den Arbeitsmarkt integriert?, Die Welt vom 25.08.2017

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