#1 Bewusstseinsentwicklung von W.L. 20.09.2016 11:48

Die Religion war in Europa einer Jahrhunderte andauernden Kritik ausgesetzt. Diese Kritik wurde sowohl philosophisch, als auch politisch und sozialkritisch, immer wieder formuliert und führte immer wieder zu Auseinandersetzungen und Kriegen. Das zu erläutern wäre ein immenses Unterfangen. In Stichworten: Luther, Dreißigjähriger Krieg, Religionskritik durch Philosophen (Ludwig Feuerbach, Friedrich Nietzsche), Säkularisation, Verdrängung der Religion durch die wissenschaftlich- technische Revolution.
Diese Entwicklung ist heute in Form der schulischen Ausbildung, manifest geworden. Die Religion spielt da eine Nebenrolle, der Fokus liegt auf einer wissenschaftlichen, technischen oder wirtschaftlichen Orientierung. Das ist prägend für unsere Gesellschaft. Viele haben sich von Religion völlig emanzipiert. Emanzipation, wörtlich: „Entlassung aus der väterlichen Gewalt“
Die Menschen werden zu eigenständigem Denken angehalten und viele haben das auch verinnerlicht.

Da ist ein Bewusstwerdungsprozess erkennbar, der sich über Jahrhunderte hinzieht. Ich mache das immer gern an archetypischen Bildern fest.
Die Karte aus der großen Arkana des Tarot: Der Papst, zeigt diesen Bewusstwerdungsprozess gewissermaßen als Traumbild



Die Tarotkarte Nr.5, Der Papst
Zwei Mönche stehen vor einem Priester und erweisen ihm ihre Ehrerbietung.
Dieser Archetypus ist Jahrtausende alt und man kann ihn auf mesopotamischen Rollsigeln wiederfinden:



Archäologen nennen das Einführungsszene. Oben, Rollsiegel der Ur III-Zeit (Urnammu). Einführungsszene zum thronenden Mondgott Nanna.
Siehe auch: Kapitel: 2.4. Ur III (ca. 2111-2003 v. Chr.) Die Akkad Zeit (ca. 2340-2159 v. Chr.)

Der Priester versinnbildlicht die väterlich, religiöse Autorität, die sich in verschiedenen Gesellschaften durch religiöse Oberhäupter manifestiert. Der Papst bei den Christen, der Dalai-Lama bei den Tibetern, der Imam bei den Muslimen. Im weitesten Sinn können das auch andere Idole sein, denen sich ein Gläubiger, oder Anhänger einer Sekte, Glaubensrichtung, etc., unterwirft. Es ist die Haltung der Gläubigen, welche diese Oberhäupter (väterliche Autoritäten), hervorbringen und fordern.

Wird diese Haltung aufgegeben, wurde der Archetypus verinnerlicht (internalisiert), so wird der Mensch selbst zum Priester seiner "Glaubenswelt". Der Mensch entscheidet selbst, was zu glauben, oder nicht zu glauben ist. Er wurde "Selbstbewusst", hinsichtlich Religion und Glauben und akzeptiert keine Autoritäten mehr, die sich als Idole zu erkennen geben. Dieser Wandel ist rational nicht erklärbar, er findet statt. Es ist ein Bewusstseinswandel.

Viele Menschen in Deutschland und Europa haben sich von Religion emanzipiert. Sie sind deswegen nicht unbedingt ohne Glauben. Aber dieser Glaube ist ein innerlicher Glaube geworden, der keine äußeren Kennzeichen mehr besitzt und der keine Idole ("Päpste") mehr akzeptieren kann. Dabei muss man einwenden, dass ein verabsolutierter Atheismus ebenso ein Glaube ist. D.h. in aller Regel beginnen Menschen in diesem Bewusstseinszustand nach höheren Wahrheiten zu suchen, die über die Figuren und Embleme der Verehrung hinausreichen und diese hinterfragen.

Ein gläubiger Mensch wird so einen Menschen bedauern, oder bekehren wollen. Die daraus resultierenden Missverständnisse sind prinzipiell nicht auszuräumen. D. h, ein Gläubiger wird jemanden, der sich von Religion emanzipiert hat, nicht verstehen KÖNNEN, weil es keinen intellektuell erklärbaren Weg gibt, wie sich Menschen mit unterschiedlichen Bewusstseinsständen austauschen könnten. Bewusstsein ist nicht mitteilbar. Es wird hier zu permanenten und evtl. zu eskalierenden Missverständnissen kommen, wenn man die Sache des Glaubens anspricht. Exemplarisch wird eine Auseinandersetzung in dieser Hinsicht, wenn der Archetypus verunglimpft wird, etwa in einer Mohammedkarikatur, Beleidigung des religiösen Oberhaupts. Ein gläubiger Mensch wird dadurch zutiefst verletzt. Völlig unverständlich für einen in Glaubenssachen emanzipierten Menschen. Diese Unterschiede lassen sich nicht ausräumen, sie müssen respektiert werden, oder sie führen zu Verwerfungen.

Hinzukommt, dass auf die Emanzipation der Religion in Europa, später als zwangsläufige Folge auch die sexuelle Emanzipation folgte. Das Eine bedingt das Andere. In den vergangenen Jahrhunderten war es durchaus üblich standesgemäß zu heiraten. D.h. Frauen und auch Männer wurden verheiratet, sie hatten keine eigene Partnerwahl zu treffen. Die Geschichte der sexuellen Emanzipation in Europa ist in zahllosen Dramen über die Jahrhunderte verewigt worden.

Ein gravierender Irrtum, der am Beispiel dieses Textes klar gemacht werden kann, liegt vor, wenn wissenschaftlich belegt wird, alle Menschen seien gleich, weil 99,x % ihrer Gene identisch seien. Das Bild des fertigen Menschen, der sich lediglich in seinen zivilisatorischen Lebensweisen unterscheidet, ist dasjenige der modernen Wissenschaft. Es ist leider grundfalsch. Allerdings spielen Hautfarbe und Rasse in diesem Sinne keine Rolle. Eine Rolle spielt aber der Bewusstseinszustand.

Multikulturelle Gesellschaft versus kosmopolitische Gesellschaft

Wenn heute von einer multikulturellen Gesellschaft die Rede ist, so führt das nicht zum Miteinander, sondern zum Nebeneinander der Kulturen, zu Parallelgesellschaften. Was eigentlich beabsichtigt ist, das ist die kosmopolitische Gesellschaft. In einer solchen haben sich Menschen religiös und auch sexuell emanzipiert. Sie verstehen andere Kulturen, ja sind in mehreren von ihnen beheimatet und haben Gemeinsamkeiten gefunden. Aus diesen Gemeinsamkeiten kann eine Universalreligion erwachsen. Das ist aber heute noch Utopie. Es ist die Utopie, aus der die Partei der Grünen entstanden ist und es ist das, wovon sie noch immer träumen. Es war die Zeit der Hippiebewegung. Das Wertvollste an dieser globalen Bewegung war, sie hat in Ansätzen versucht, verschiedene Kulturen unter einem Dach zu vereinen.

Bassam Tibi nennt die "kosmopolitische Gesellschaft", "inklusive Identität", und definiert sie so:
Eine inklusive Identität gedeiht in einer offenen demokratischen Gesellschaft und ermöglicht es Menschen aus anderen Kulturen und Religions­gemeinschaften, durch Integration Angehörige derselben «civil society» zu sein.

Die "exklusive Identität" hingegen beruht auf einer verengten Auffassung von Religion:
Anders verhält es sich mit der exklusiven Identität, die in der Regel ethnisch beziehungsweise religiös gestaltet ist und eine geschlossene Gesellschaft darstellt. In der Migrationsforschung nennt man solche exklusiven ethnisch-religiösen Gesellschaften «gated communities».
Quelle: Artikel der Basler Zeitung

Bassam Tibi ist ein deutscher Politikwissenschaftler syrischer Herkunft. Von 1973 bis 2009 war er Professor für Internationale Beziehungen an der Georg-August-Universität Göttingen, hatte darüber hinaus zahlreiche Lehr- und Forschungsaufenthalte an ausländischen Hochschulen und wurde über Buchveröffentlichungen und Medienauftritte vor allem in Deutschland auch einem breiten Publikum als Experte für die Arabische Welt und den Politischen Islam bekannt.

Konflikte zwischen diesen beiden Gesellschaftsformen, der kosmopolitischen und multikulturellen Gesellschaft sind deshalb unüberwindbar, weil sich eine Entwicklung von verengt religiösen zu kosmopolitischem Denken in aller Regel nur in langen Zeiträumen vollzieht. Eine künstliche Beschleunigung durch Konfrontation mit modernen Gesellschaften erzeugt Stress und Aggressionen.

Was treibt Bewusstseinsentwicklung an? Erfahrung! Sie kann nicht mit Drogen beschleunigt und nicht verordnet werden. Sie gedeiht nur in relativer Freiheit.

Tarot

In meinem Beitrag wurde nicht zufällig eine Karte der großen Arnaka des Tarot gewählt.
Eines der ältesten Kartendecks ist das Tarot de Marseille. Es stammt aus dem 18. Jh.
Das vollständige Kartendeck: http://www.albideuter.de/html/body_marse...onver-1760.html
"1939 wurde im Topkapi Museum von Istanbul ein Kartenspiel entdeckt, das aus dem 14. Jahrhundert stammt und heute als Vorläufer unserer Spielkarten gilt."
Es handelt sich um die kleine Arkana des Tarot und besteht aus 4 x 14 Karten. Diese kleine Arkana ist der Vorläufer unserer Spielkarten.
Siehe dort: http://www.tarot.de/content/lex_t.php?letter=G

Antoine Court de Gébelin (* 1719 in Genf; † 12. Mai 1784 in Paris), war Theologe, Pastor der Hugenotten, Mitglied der Freimaurerloge Les Amis Réunis
...
Zum ersten mal kam Court de Gébelin in einem Pariser Salon in Kontakt mit dem Tarot, als er dort einige Damen mit ihm spielen sah. Er war sofort von dem Spiel, hauptsächlich aber von den 22 Karten der großen Arkana fasziniert und begann sie intensiv zu studieren und selber Karten zu zeichnen, die später in Papus' Buch Der Tarot der Zigeuner abgebildet wurden.
Laut Court de Gébelins Ansicht stammt der Tarot aus Ägypten und soll in symbolischer Sprache das geheime Wissen der alten Ägypter überliefern. Den französischen Namen Tarot interpretierte er als „königlichen Weg“. Ebenfalls war Court de Gébelin der Meinung, dass die 22 Trumpfkarten dem hebräischen Alphabet entsprächen.
Seine Ansichten über den Tarot legte Cout de Gébelin im achten Band von le monde primitif dar.
Auch wenn seine Theorie des ägyptischen Ursprungs des Tarots heute widerlegt ist, so begründeten seine Studien doch das esoterische Interesse am Tarot, die kabbalistische Tarotinterpretation und die Erforschung der Symbolsprache des Tarots.

Siehe dort: https://de.wikipedia.org/wiki/Antoine_Co...belin_und_Tarot
Gebelein stellte nicht nur die heute als widerlegt geltende These auf, die Karten stammten aus Ägypten, er erkannte in ihnen auch eine universelle, tiefgründige Symbolik (Archetypen). "Cout de Gébelin überraschte die Welt mit der Nachricht, in simplen Spielkarten, sei ewige Weisheit verborgen, er erklärete Tarot zum allegorischen Bilderbuch, zum Spiegel des kosmischen Geschehens und des menschlichen Lebens" (Graf, Echhard; Die Magier des Tarot, Verl. Königsfurt, Königsförde/Krummwisch, 2000, S.20

Elisabet Haich beschrieb die 22 Karten der großen Arkana des Tarot, erstmals in der Geschichte des Tarot, mit erstaunlicher Sicherheit und Schlichtheit in ihrem Werk Tarot, Die zweiundzwanzig Bewusstseinsstufen des Menschen.
https://www.amazon.de/Tarot-Elisabeth-Haich/dp/3769905997

Weitere Froschungen auf diesem Feld betrieb Jean Gebser
Jean Gebser: Ursprung und Gegenwart, ein Überblick
In Gebsers Terminologie verharren multikulturelle Gesellschaften in magisch, mythischem Bewusstsein. Der kosmopolitischen Gesellschaft liegt das "mentale Bewusstsein" zugrunde, das in Europa mit der Renaissance einsetzte und mit der Moderne an ihr Ende gelangte. Von den Propheten der New-Age-Bewegung wird nun das integrale Bewusstsein ausgerufen, während unsere Gesellschaft noch ein Konglomerat aus multikulti mit kosmopolitischem Anspruch vorliegt. Diesem Anspruch können die in Parallelgesellschaften verharrenden auf keine Weise gerecht werden. Daher wird diese Unfähigkeit mit falscher Toleranz zugedeckt. Einige fassen diesen Anspruch als Bedrohung auf. Einige reagieren mit Aggression und Terror. Das ist die aktuelle Gemengelage, in welcher nun vom Integralen Bewusstsein die Rede sein soll. Zunächst wäre eine Klärung des aktuellen Status von Nöten.
Weitere Artikel:
Jean Gebser, Bewusstseinsstufen
Artikel bei Tattva Viveka über Jean Gebser

#2 RE: Bewusstseinsentwicklung von Akelei 20.09.2016 21:33

avatar

Zitat
Was treibt Bewusstseinsentwicklung an? Erfahrung! Sie kann nicht mit Drogen beschleunigt und nicht verordnet werden. Sie gedeiht nur in relativer Freiheit


.. da möchte ich anknüpfen: Bewusstseinsentwicklung durch Erfahrung...
Kann nicht mit Drogen beschleunigt werden... - aber es gibt nicht wenige, die meinen, durch den Konsum von Drogen die pers. Bewusstseinsentwicklung anzukurbeln
Hm.........
Es gibt bestimmt so etwas wie eine "Drogenerfahrung" und ich weiß, dass durch den Konsum von Drogen Felder zugänglich gemacht werden. Es wird gerne übersehen, dass diese Zugänglichkeit keine Einbahn ist, sondern von beiden Seiten verwendet werden kann.
ERFAHRUNG, keine Beschleunigung!
Genau so verhält es sich für mich mit der Magie. - Man kann mit Magie verschiedenste Erfahrungen machen, aber es wäre aus meiner Sicht töricht zu glauben, dass man durch Magie schneller an sein "Seelenziel" kommen könnte.
Umso länger wir in einer bestimmten Erfahrung verharren, desto deutlicher bremsen wir unseren persönlichen Seelenplan. Wie immer geht es darum, den richtigen Zeitpunkt zu wählen, eine Erfahrung abzuschließen - und dies geschieht in der Regel (könnte zahlreiche Beispiele aufzählen).

Wenn ein Seelenanteil eine bestimmte Erfahrung machen möchte, wird er sie in seinen Plan "einbauen".
In der Regel sind dies markante Begegnungen, Begebenheiten, Ausprägungen die einfach passieren, die "zufällig" passieren - passieren müssen.

Das Bewusstsein weitet sich mit jeder Erfahrung die wir machen - es gibt dabei keinerlei "Wettbewerb" ... wobei.. für mich genau genommen das Bild der Bibel stimmig ist: Wir sind voll bewusste Energien, die materialisiert als Menschen im übertragenen Sinn aus dem Paradies geworfen werden um durch (hoffentlich nicht zu harte) Prüfungen wieder dieses Bewusstsein erlangen. - Wir gehen diesen Weg freiwillig.
Um zu Bewusstsein zu gelangen muss nicht zwangsläufig jeder Mensch irgendwann mal zum Guru oder beispielsweise geistigen Lehrer werden ... wenn die Zeit und der Ort stimmen, kann natürlich auch ein Bauer oder eine Krankenschwester zu Einsichten über das Dasein gelangen.
Das hat z.B. mich einige Jahre irritiert, dass in der esoterischen Welt gewisse Erkenntnisse nur "vergeistigten Persönlichkeiten" zuerkannt wurden...
Bewusstsein ist in allen Bereichen der Menschheit wichtig und gefragt - ob bei arm oder reich.. klug oder dumm...

Besonders berührend fand ich, dass Seelen, die den Weg einer (fälschlicher Weise betitelt als) geistigen Behinderung gingen, berührendere Erkenntnisse über das Dasein hatten, als deren sog. ausgebildete Betreuer.... manchmal hatte ich den Eindruck, dass die eigentlichen Lehrer SIE waren...

Bewusstsein ist in allem Leben - es ist nicht abhängig von Leistung oder Verdienst... Bewusstsein ist nicht linear sondern dehnt sich aus.
Für leistungsorientierte Menschen eine schwierige Nuss zu knacken.... man kann sich Bewusstsein nicht "verdienen"...

#3 RE: Bewusstseinsentwicklung von W.L. 21.09.2016 10:06

Das Thema Drogen und Bewusstseinerweiterung war in den 70er Jahren hochaktuell. Langfristig zerrütten Drogen den Menschen ebenso wie Alkohol und andere Süchte, das besagen die Beobachtungen. Sucht und Abhängigkeit sind Begleiterscheinungen von Drogen. Dass Drogen die feineren Sinne wecken können wurde immer wieder berichtet und mag wahr sein. Daher die Annahme, man könne mit Drogen zur Erleuchtung gelangen.

Bewusstsein ist nicht linear sondern dehnt sich aus

Grade da gibt es die Unterschiede. Manche Menschen machen Drogenerfahrungen als Durchgangsphase, legen das wieder ab und gehen dann weiter. Andere bleiben ein Leben lang gefangen. Und meist sind es die, die dann alle möglichen irren Dinge über Drogen sagen. Aber sie sind damit stehen- oder besser zurückgebliegen. Das sind die Merkmale, von denen ich meine, es habe etwas mit Bewusstsein zutun. Warum bleiben manche Menschen an bestimmten Punkten stehen, sind gefangen und andere gehen weiter.

Es gibt eine interessante Verfilmung des Horvat Stücks Kasimir und Karoline. Im Film gibt es eine Stelle, die ich interessant finde. Bei einem Autodiebstahl kommt es zu einem Hangemenge mit dem Eigentümer des Fahrzeugs. Er wird von den beiden Freunden, die den Diebstahl begehen wollten erschlagen. Der eine türmt, der andere stellt sich der Situation, versucht erste Hilfe zu leisten und stellt sich schließlich der Polizei. Damit übernimmt er Verantwortung für sein Leben, ohne auf seinen eigenen Vorteil zu achten. Der andere dreht wieder die gleichen Runden um sein Ego, wie bisher auch schon.

Zwei Menschen geraten in die selbe Situation, der eine geht unbeschadte hindurch, geht aufrecht weiter, der andere bleibt stehen, dreht immer wieder die selben Runden. Das macht den Unterschied im Grad des Bewusstseins aus und die Fähigkeit weiter zu gehen.

Welche Menschen als Erleuchtet gelten, was Erleuchtung ist, dazu gibt es zahllose Behauptungen und Spekulationen. Die Frage ist was ich dem als sinnvoll entnehme und was mir grade weiterhilft oder anders gesagt, was mich daran interessiert. Das ist der Spiegel meines eigenen Zustands, meines Bewusstseins.

Idole sind lediglich eine Bespieglung, ein Wunschbild des eigene Wesens, das habe ich ja auch im o.a. Text gesagt. Die Berichte über besondere Menschen, die Erleuchtung erfahren haben, sind lediglich ein Einwürfe zu dem, was ich bisher im Internet gesehen habe. Ich denke es ist eine seltene und notwendige Ergänzung. Dass ein aufgeschlossener, bewusster Mensch, Wahrheit an jeder Straßenecke und von den unterschiedlichsten Menschen erfährt, ist auch eine Frage von Bewusstheit und Bewusstsein.

Bewusstsein ist in allem Leben
wenn ich es in allem Leben erkenne.

#4 RE: Bewusstseinsentwicklung von W.L. 21.09.2016 14:27

Es ergeben sich weitreichende Folgerungen, die mich besonders interessieren.

Zum einen erscheinen Bewusstsein und Leben als Dualismus (Bewusstsein-Leben). Alles was wir als lebendig ansehen, besitzt allem Anschein nach Bewusstsein. So scheint Bewusstsein dem Anschein nach, die Ursache von Leben zu sein. Da wir Bewusstsein per Definition nie objektiv untersuchen können - es ist per Definition immer Subjekt (Warum der Geist unerkennbar ist) - wird diese Aussage dennoch nie objektiv wahr sein können. Bewusstsein verschwindet, wenn wir es auf den Seziertisch legen. Goethe legt Mephisto im Faust die ironisch gemeinten, aber treffenden Worte in den Mund:

Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist herauszutreiben,
Dann hat er die Teile in seiner hand,
Fehlt, leider! nur das geistige Band.


Siehe auch (Karl Jaspers) -> Subjekt-Objekt-Spaltung

In diesem Dilemma befindet sich Wissenschaft seit ihrem Erscheinen im späten 18. Jh. Wissenschaft ist hier eine prinzipielle Schranke gesetzt. Somit kann Wissenschaft stets nur Werkzeug einer Weltbetrachtung sein, nie aber der Inhalt derselben.

"Oben LICHT, unten Leben. Das erstere ist immer unveränderlich, das letztere offenbart sich unter den Aspekten zahlloser Differentiationen."
H. P. Blavatsky; Geheimlehre, Bd. III

Dennoch scheint menschliches Bewusstsein, wenn man die Einleitung des Buchs Tarot aufmerksam ließt, ebenfalls den Gesetzen der Harmonie zu folgen, wie sie in der pythagoreischen Hamonik (Die Geschichte der pythagoreischen Harmonik, ein kurzer Überblick.) dargelegt und stark vereinfacht, analytisch, durch Verhältnisse von ganzen Zahlen angesehen werden. Jede der zweiundzwanzig Karten wird eine Ziffer und ein hebräischer Buchstabe zugeordnet.

Jakob Böhme bezeichnet den Menschen in seinem letzten Werk De Signatura Rerum als Musikinstrument.

Blavatsky schreibt in Bd. III, ihrer Geheimlehre auf S. 509
Das menschliche Nervensystem als ein ganzes kann also als eine Aeolsharfe, die menschliche Harfe betrachtet werden, die dem Anstoße der Lebenskraft antwortet, die nicht etwas erträumtes ist, sondern eine Kraftwirklichkeit, und die feinsten Schattierungen des individuellen Charakters in Farbenerscheinungen offenbart. Wenn diese Nervenschwingungen stark genug gemacht und in Schwingungsbeziehung mit einem astralen Element gebracht werden, ist das Ergebnis - Ton.

Anschaulich wird dies am System des Tarot an den zweiundzwanzig Karten der großen Arkana. Wenn man beachtet, dass eine Karte die Ziffer null (Der Narr) trägt, sind es einundzwanzig Numerationen.
Legt man die zweiundzwanzig Ziffern im Kreis, so ist der Durchmesser dieses Kreises, dessen Umfang zweiundzwanzig beträgt, recht genau sieben. Es handelt sich um die Näherung der Zahl Pi~22/7 (Von Archimedes verwendet und in der Antike bekannt), als Verhältnis von Umfang eines Kreise zu seinem Durchmesser.

Eine Näherung an die Quadratur des Kreises ist nun leicht mit ganzen Zahlen möglich. Ist der Radius eines Kreises 7 Einheiten, so ist dessen Durchmesser 2 x 22 Einheiten. Das Quadrat gleichen Umfanges besitzt 11 Einheiten als Seitenlänge.

Dies ist in der Tat der mystische Prozess, symbolisiert in der Quadratur des Kreises. Die Beziehung zwischen Quadrat und Kreis ist inkommensurabel. Das bedeutet, dass die Maßeinheiten des Kreises nicht in Einheiten des Quadrates dargestellt werden können. Der materielle Mensch ist vergleichbar mit einem Quadrat, der innere Mensch mit einem Kreis.
Franklin Merrell-Wolff, Pathways through to Space, Julian Press, New York, 1983, Kap. XLIX, Sleep and Death, S. 107 – 113
(Übers. des Autors aus dem Amerikanischen)

Siehe dort: Die Kreiszahl Pi

Mit dieser aritmetischen Operation wird Tarot zum System mit sieben Stufen zu je drei Karten. "Lebenslicht strömt herab durch die Stufenleiter der sieben Welten, deren Stufen mit jeder Sprosse dichter und dunkler werden.", (Blavatsky; Geheimlehre, Bd. III, S. 513). Tarot ist meiner Ansicht nach Schlüssel zu allen antiken und mittelalterlichen Mysterien. Siehe dort: Die Chymische Hochzeit, das dritte große Rosenkreuzermanifest

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen
Datenschutz