#1 "Alles hängt mit allem zusammen" von W.L. 08.11.2016 14:54

Man hört diesen Satz ab und an, was könnte er bedeuten?

"alles hängt mit allem zusammen" ist eine 2-dimensionale Matrix von [allem x allem]. Da es aber keine zählbare Ordnung in "allem" gibt, kann so eine Matrix nicht angesetzt werden, zumindest nicht in einer Ordnung. Zudem bedeutet "alles" auch das, was noch nicht existiert, was künftig erst entsteht. Daher ist das "alles" von heute nicht "alles" von Morgen. Der Begriff ist also gar nicht definierbar, ohne die Zeitkomponente, die stets Neues zu "allem" hinzufügt und das in jedem Moment und ohne Unterlass. Es ist auch die Frage, ob "alles" Teil von "allem" sein könnte, denn eine Menge, die alles enthält, muss sich auch selbst enthalten. Ist das aber der Fall, so kann alles nicht alles sein und dann soll also alles, was nie alles sein kann, noch mit allem zusammenhängen? Somit erscheint der Satz "alles hängt mit allem zusammen" als Monstrum. Er ist eine Keule, die jeden Gesprächspartner bewusstlos schlägt, will man versuchen ihn zu begreifen. Man hört diesen Satz ab und an und er wirkt auf jegliche Kommunikation ebenso tödlich, wie er im Grunde ist. Wenn einmal ausgesprochen, bleibt nur noch zu sagen: "... Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe"; Dieser archaische Text klingt in der Mundart wesentlich prägnanter und einprägamer. Z.B., im Schwäbischen: "so so, ja ja", im Bayrischen "ja mei". Er kündet vom Urzustand menschlicher Bewusstseinsregungen.



Otto Schenk (* 12. Juni 1930 in Wien) österreichischer Schauspieler, Kabarettist, Regisseur und Intendant, goss diesen archaischen Bewusstseinszustand in ewige österreichische Lettern:

"Ja no, wann i amoi so nochdenk,
....
wann is aso sinnier,
...
jano,
...
dann schlofi ei
"

#2 RE: "Alles hängt mit allem zusammen" von Philolaos 08.11.2016 17:36

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Stimmt, mich nervt dieser Satz auch, weil er alles und nichts sagt, und vor allem immer dann verwendet wird, wenn derjenige der diesen Satz benutzt, an einem Punkt angekommen ist, wo er eigentlich nichts gescheiteres mehr zu sagen weiß...
Mir drängt sich dann aber auch sofort die Frage auf, was mit "alles" gemeint ist. Geht es um die geistigen "Urprinzipien" und ihre Entsprechungen im ewigen Weben der Natur, oder geht es nur um den sich manifestierenden unendlichen Variantenreichtum dieser immer selben Prinzipien an sich?
Wenn ersteres der Fall ist, dann ist dieser Satz durchaus kein Nonsens – wohl aber so trivial, dass man eigentlich nicht darüber reden muss.

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