#1 "Hohe Gleichrangigkeit", ein Erlebnisbericht von Franklin Merrel-Wolff von W.L. 22.06.2016 15:33

http://www.franklinmerrell-wolff.com/

Diese Übersetzung aus dem englischen Original gibt es leider nicht mehr im Internet
Ich stelle die Teile, die ich mir kopiert hatte hier ein:

"Die Hohe Gleichrangigkeit

Wie soll ich jemals beschreiben, was sich letzte Nacht ereignete?...

...

Wahrlich, innerhalb des Unendlichen gibt es Mysterien innerhalb von Mysterien, Tiefen jenseits von Tiefen, Erhabenheiten jenseits von Erhabenheiten. Gerade so wie es in der Mathematik Unendlichkeiten höherer Ordnung gibt, die niedrige Unendlichkeiten unendlich transzendieren, so ist es auch in der transzendentalen Welt. ...

...

Die Erregung meines Verstandes bedeutete nicht mehr als der Tanz der Atome in einer Stahlstange, die sich schnell in einer regelmäßigen und beständigen Form anordnen, wenn sie einem starken magnetischen Feld ausgesetzt werden. Letzte Nacht wurde ich von einem solch allumfassenden Feld erfasst. Umgeben von dieser größeren Kraft, waren die Aktivitäten des äußeren Verstandes nur kümmerlich, unbedeutend und irrelevant. Sie waren äußerst bar jeder Macht zu stören. Tatsächlich mag es wohl sein, dass der Verstand all seine Kraft brauchte in aktiver und positiver Form, um zusehen zu können während der Stufen der Vertiefung des Transzendentalen Bewusstseins. Es ist möglich, dass ich sonst nur von einer vagen Soheit berichten könnte.

Mir wurde erst klar, dass ich in einen außerordentlichen Bewusstseinszustand eingehüllt war, als ich merkte, dass ich umgeben und durchdrungen war von einer Qualität für die es kein angemessenes Wort gibt, die aber am zutreffendsten symbolisiert wird durch die Bezeichnung "Befriedigung";. Ich meine damit nicht, dass der Zustand befriedigend war. Es war Befriedigung. ...

...

Wer in diese Befriedigung eingetaucht ist braucht absolut nichts, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Die Befriedigung, die ich wahrnahm ist eine reale und wesentliche Existenz vor aller weltlichen Erfahrung. ...

...

Nur in einer gewissen Weise fand ich ein Bedürfnis, das mich aus diesem Zustand bringen konnte und das war das Verlangen anderen diese 'Erleuchtung' mitzuteilen. ...

...

Während dieser ganzen Erfahrung und des folgenden tieferen Zustandes war das Ego- oder Subjekt-Objekt-Bewusstsein aktiv gegenwärtig. Es war gegenwärtig, jedoch, als ein Zeuge am Rande, während drumherum und durch und durch ein unermesslich weiteres Bewusstsein war. ...

Durch die fortgesetzte Anwesenheit des Ego-Bewusstseins und seiner Aktivität, die Form der Gedanken zu registrieren so viel wie von diesem Zustand erfahren werden konnte, ist es möglich geworden viel von Seinem Wert in mein gewöhnliches reflektierendes Bewusstsein zu tragen. ...

...

Wie lange der Zustand der vollständigen Befriedigung dauerte, weiß ich nicht, außer dass es ein lang hingezogener Intervall im Sinne meines objektiven Bewusstsein war. Aber mit der Zeit ereignete sich ein graduelles Abschwächen, Dahinschmelzen oder Eingehülltwerden bezüglich der Befriedigung durch einen anderen, beträchtlich vollkommeneren Zustand. Der einzige Ausdruck, der diesen höheren Zustand einigermaßen symbolisiert ist der Ausdruck "Hohe Gleichrangigkeit";. Einher mit dem ging ein Gefühl von einfach ungeheuerer Autorität. Es war eine Autorität von solch gewaltiger Majestät, dass sie die Macht aller Cesaren vergleichsweise auf das Niveau von Insekten reduzierte. Cesaren mögen Kulturen und ganze Völker zerstören aber sie sind absolut machtlos im Hinblick auf die Inneren Quellen des Bewusstseins, und im Bereich jenseits des Flusses Styx sind sie so machtlos wie die meisten Menschen. Aber die Autorität der Hohen Gleichrangigkeit hat die oberste Herrschaft über all dieses, wie sie auch die Macht ist, die den Cesaren erlaubt ihre kleinen Spiele für eine Weile zu spielen. ...

...

In diesem Zustand war ich nicht eingehüllt von Befriedigung aber es gab diesbezüglich auch nicht das Gefühl, etwas verloren zu haben. Ich hatte buchstäblich keinen Bedarf an Befriedigung. ...

...

Aber der wichtige Punkt ist, dass auf dem Niveau der Hohen Gleichrangigkeit überhaupt kein Bedürfnis nach Trost oder Glückseligkeit besteht, jedenfalls nicht im Sinne aktiver Freude oder Glücksgefühle. Wenn man eine Aussage über Glückseligkeit im Zusammenhang mit der Hohen Gleichrangigkeit machen wollte, wäre sie nur insofern korrekt als Elend und Schmerz dort nicht existieren. Aber im Vergleich mit diesem Zustand ist sogar freudvoller Genuss Elend. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass wir es hier mit einem Zustand zu tun haben, der den Rahmen des durchschnittlichen menschlichen Vorstellungsvermögens sprengt. ...

...

Es ist ein seltsames, fast 'verrücktes';, Bewusstsein, wenn man es aus der Perspektive des Alltagsbewusstseins betrachtet. Und doch, aus Seiner eigenen Perspektive betrachtet, ist Es ein Zustand, der wirklich vollendet oder adäquat ist. ...

...

Die Hohe Gleichrangigkeit ist zu verstehen im Sinne außerordentlicher Fülle, die sogar mehr ist als bloße Unendlichkeit. Um ein Bild aus der Mathematik zu entleihen, Es ist eine Unendlichkeit höherer Ordnung, die niedrigere Unendlichkeit umfasst. Was ist es, dass jemanden auf diese Ebene führt? Wie bereits gezeigt, ist es eindeutig nicht Verlangen. ...

...

Welcher Verlauf auch immer gewählt wird, Verlangen ist in einem gewissen Sinne aktiv, selbst wenn es die erhabene Spielart des Verlangens ist, die aus Mitgefühl geboren wird. ...

...

Nirvana ist höchste Befriedigung und das höchstmögliche Ziel des Verlangens, mit Ausnahme des reinen selbstlosen Verlangens, das durch Mitgefühl erweckt wird. ...

...

Mitgefühl ist das absolut letzte Wort für menschliche Güte; tatsächlich ist es sogar eine Art gottähnlicher Güte. Jenseits dessen gibt es nichts, was man sich als Mensch verlangenswert oder Wert der Entwicklung vorstellen kann. ...

...

Wer sich vom höchstmöglichen individuellen Verlangen abwenden kann, gelangt in den Strom eines Bewusstseins ganz und gar jenseits der Aktion oder Initiative von Verlangen. Der menschliche Wortschatz hat keinen Ausdruck zur Verfügung um zu beschreiben, was zur Transformation führt oder lenkt. Aber jenseits des großen Verzichts gibt es eine Kompensation, die den Menschen dorthin stellt, wo Er Gott ist, sogar über das erste Nirvana. Es stellt ihn auf eine Ebene, die genauso jenseits von Ruhe ist wie auch von Aktion; jenseits von Formlosigkeit und auch Form; und diese ist die Hohe Gleichrangigkeit. Wer auf der Ebene der Hohen Gleichrangigkeit verweilt, mag sich nach seinem Willen für Handeln oder Nichthandeln entscheiden aber er bleibt wesentlich über beidem, da beide dieser Ebene ihre Möglichkeit verdanken. Es ist eine Ganzheit über der der Befriedigung, von der aus Befriedigung als Instrument gebraucht werden kann und nicht nur letztes Ziel ist. So kann Nichthandeln mit Handeln verschmelzen und das Gleichgewicht unverändert bleiben. Aber die Hohe Gleichrangigkeit vereinigt viel mehr, denn darin verschmelzen sofort alle Qualitäten, alle Dualitäten. Es ist das Ende und der Anfang und alles dazwischen. Es ist körperlich wie auch jenseits des Körperlichen; Es ist Form genauso wie Formlosigkeit; Es überzieht und durchzieht alles, auch Zeit und Raum. Es ist das Verlangen und das erfüllte Verlangen, in diesem Moment und für alle Ewigkeit. Es transzendiert jeden Verzicht sogar den höchsten. So ist die ausgleichende Kompensation vollbracht. Hier sind Wissen und Sein sofort das gleiche. Hier ist buchstäblich äußerste Fülle jenseits jeder Vorstellungskraft.

Wie lange ich im Zustande der Hohen Gleichrangigkeit war, weiß ich nicht. Ich war lange wach in jener Nacht - weit über Mitternacht hinaus - und der Zustand vertiefte sich immer mehr. Während der ganzen Zeit blieb das relative Bewusstsein als Zeuge gegenwärtig. Die Persönlichkeit, einschließlich der körperlichen Form, schien auf einen Punkt wie Bedeutungslosigkeit zu schrumpfen. Das "Ich"; breitete sich unendlich aus wie der Raum, alle Form einhüllend und durchdringend - wie mein persönliches Bewusstsein beobachtete. Soweit meine Gedanken reichten gab es keine Grenzen. Es war absolut gleichrangig, ob mein Körper in den Zustand überging, den man gewöhnlich den Tod nennt oder weiterlebte. Beides war gleichermaßen unwichtig. Das Unglück, der Hader, die Tragödien und Probleme dieser Welt schrumpften zu einer Bedeutungslosigkeit, die amüsant war. Ich sah, dass menschliche Katastrophen, sogar die schrecklichsten, relativ unbedeutender waren als der "Sturm im Wasserglas";. Es schien kein ausreichend großes Bedürfnis zu geben, das Mitgefühl erforderte. Aber andererseits gab es auch absolut keinen Grund warum man sich nicht dafür entscheiden sollte unter und für Menschen aktiv zu sein. Vom Gesichtspunkt dieses Zustandes schien es äußerst unmöglich eine Entscheidung zu treffen, die ein Fehler wäre oder eine, die besser als eine andere wäre. Es gab keinen Grund weiterzuleben aber genauso gab es auch keinen guten Grund zu sterben. Der Zustand war vollständig über allem und zu ganzheitlich als dass irgendeine Wahl irgendeine Bedeutung gehabt hätte. Somit war ich im Subjekt-Objekt-Sinne frei zu entscheiden, wie es mir beliebte. Ich entschied mich fürs Weitermachen, aber vom Standpunkt der Hohen Gleichrangigkeit lag darin weder ein Verdienst noch eine Schuld. Denn Dort sind 'richtig'; und 'falsch';, genauso wie andere Dualitäten, in der Ganzheit aufgelöst. Ich bewegte mich in einer Art Raum, der mein eigener war und fand mich selbst umgeben von reiner Göttlichkeit sogar auf der körperlichen Ebene, wenn ich mich dorthin bewegte. Es gibt dort eine Art und Weise, in der Gott physische wie auch metaphysische Präsenz ist. Aber diese Präsenz ist überall und alles und zu selben Zeit auch die Negation davon. Noch einmal: weder ich noch Gott waren Dort, nur Sein. Ich löste mich auf und die Objekte des Bewusstsein lösten sich auf, sowohl im höchsten wie auch niedrigsten Sinne. Mich gab es nicht mehr und Gott gab es nicht mehr, nur die EWIGKEIT, die alle Götter und Egos hält."


Aus
Pathways Through to Space, S. 115 ff.,
https://www.amazon.com/Pathways-Through-...f/dp/0517527774

Anmerkung
Wulff entwarf ein Mandala
Franklin developed his mandala from his third realization, “Substantiality is inversely proportional to ponderability, using the mathematical interpretation S = 1/P to represent it conceptually—or, by multiplying both sides by P, it becomes PS = 1. Where S and P are variables, this has the form xy = 1, the equation for an equilateral hyperbola, where x and y are the axes of a graph using Cartesian coordinates.
Merrel Wulff's Erklärung seines Mandala
http://www.franklinmerrell-wolff.com/stimulate/mandala/

xy = 1 oder y=1/x, was das Selbe ist. Gleichung eines Kegelschnitts parallel zur Kegelachse und von fundamentaler Bedeutung für die Pythagoreische Harmonik.
Es ist die Reihe 1, 1/2, 1/3, 1/4, ... 1/n
Auf einem Monochord eingestellt ergibt das eine Obertonreihe, dreh und Angelpunkt der Pythagoreischen Harmonik.

Eine Erläuterung von Merrel-Wolff selbst
http://www.merrell-wolff.org/node/117

#2 RE: "Hohe Gleichrangigkeit", ein Erlebnisbericht von Franklin Merrel-Wolff von Philolaos 13.07.2016 10:37

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Sehr sehr interessant, danke für das Einstellen! Aber müsste es nicht korrekt übersetzt heissen "hohe Gleichgültigkeit"? Immerhin erwähnt ja Franklin Merrel-Wolff dieses Gefühl der Gleichgültigkeit mehrmals in seinem Bericht. Letztendlich kann man sich darüber streiten, ob nicht beide Begriffe in gewisser Weise das selbe bedeuten. Wobei ich "Gleichrangigkeit" aus einen bestimmten Grund viel interessanter finde.

#3 RE: "Hohe Gleichrangigkeit", ein Erlebnisbericht von Franklin Merrel-Wolff von W.L. 13.07.2016 11:13

ich schreibe jetzt mal, ohne im Detail zu zitieren.
"Gleichrangig", bezeichnet in diesem Fall einen Zustand gleichen Ranges.
Gott ist eine Idee, die der Mensch immer über sich stellt. Es ist i.d.R. ein Konzept höchster Abstraktion und Macht, zu der ein Mensch fähig ist. Und so wie die Menschen sind, so sind auch deren religiöse Konzepte, die Religionen und Konfessionen.

Dass der Mensch eine Höhe der Bewusstheit erlangen könne, in dem er dieses Konzept des Oben-Unten, Herr-Untertan, also duale Konzepte nicht mehr als wahr erkennt, sondern in dem es nur einen einzigen Zustand gibt, das gilt und galt in allen Religionen als Blasphemie. Es gab dafür nur eine Bezeichnung: Satan, Diabolos, Teufel, Antichrist, etc. Nur er wollte "Sein wie Gott". Ein "wie" gibt es aber nur in einem dualen Denkkonzept. "Dir wird von deiner Gottähnlichkeit noch bange werden" Zitat aus Goethes Faust. Es sind die Ideologien, die dieses antichristliche Konzept verfolgen. Aber eine Ideologie will dieses Paradies stets auf der Erde errichten. Das Gefährlichste, was man sich denken kann, sind Ideologien. Die NS-Ideologie, der Sozialismus, heute der IS, usw.

Merrel Wulff verwendet diese Benennung sicher nicht in diesem Kontext, aber diese Benennung verfängt sich darin.

Was Wulff allerdings meint, das ist ein Zustand, in dem man Mensch ist und als Mensch wahrnimmt, aber in welchem es keine Dualität mehr gibt. Diese Paradoxie beschrieb Wulff in seinem Buch vor dem Eintritt dieses Ereignisses. Er konnte es philosophisch nicht auflösen. Erst als das eintrat, was er beschreibt, hatte er erfahren, was logisch nicht möglich ist. Die Bezeichnung kennen wir aber aus unserer christlichen Tradition. Christus ist Gott und Mensch. Die Kirche machte daraus ein duales Konzept und entledigte sich des Problems, in dem sie Christus zum Gott erhob.

Im ursprünglichen Sinn - ohne das jetzt nachweisen zu wollen - war es ein Titel. Man begegnet ihm unter dem Namen "Der Gesalbte" auch im AT mehrfach.
Da ich vermute, dass Jesus seine Jugendjahre in Tibet verbrachte und das Urchristentum aus dem Buddhismus heraus entwickelt wurde, sehe ich das anders.
Die Rosenkreuzer sahen es auch anders und mussten sich daher verbergen.

Auf diesem Blatt ist links der Werdegang des Menschen symbolhaft dargestellt.
http://digicoll.library.wisc.edu/cgi-bin...eFiguren&isize=
Beides läuft parallel. Das dem Menschen unbewusste spirituelle Bewusstsein, gelb und das ihm Bewusste blau.
Ganz unten, am Ende dieser fünfgliedrigen Kette steht über dem blauen Dreieck: "Was ist der Mensch nach der Zeit", im Dreieck, "Gott auch gleich" und ein Bibelzitat.



Die Rosenkreuzer bezeichneten also den nondualen Zustand ganz ähnlich mit: "Gott auch gleich" und "Leib und Geist", "Neue Kreatur", also Mensch und links "Vater", "Hl. Geist" "Mensch.Sohn" Hier fließen die christlich religiösen Konzepte und der Mensch ineinander in das, was ich nondualen Zustand nenne.

Buddha ist keine Person, sondern ein Titel, Christus ist keine Person, sondern ein Titel. Diese bezeichneten Menschen, die in diesen nondualen Zustand eintraten, den Wulff als Mathematiker "Gleichrangigkeit" nannte.

Als Mathematiker erläuterte er dieses Erlebnis anhand einer Metapher. Der Metapher der Zahl PI. Das Verhältnis zwischen Umfang und Durchmesser beträgt stets PI=3,14159... Diese Zahl ist eine transzendente Zahl, weil es kein Maß gibt mit dem man beides, Durchmesser und Umfang, messen kann. Es bleibt immer ein beliebig kleiner Rest. Umfang und Durchmesser sind inkommensurabel. -> Cheops Pyramide

Was Du als "Gleichgültigkeit" bezeichnest, das ist ein Zustand der Überweltlichkeit, wo nichts mehr irgendeine Bedeutung hat, weil gegenüber dem nondualen Bewusstsein alles Andere verblasst.
Dieser Text von Jakob Böhme, von einem Schauspieler gesprochen, ist eine bessere Erklärung dazu, als ich es je könnte:



Merrels Buch ist leider nur in Englisch zu haben
https://www.amazon.com/Pathways-Through-...f/dp/0517527774

#4 RE: "Hohe Gleichrangigkeit", ein Erlebnisbericht von Franklin Merrel-Wolff von Philolaos 14.07.2016 00:36

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@W.L. Sehr schöne Zusammenfassung, mit der Du die Kernaussage dieses Bewusstseinszustandes ganz offensichtlich noch einmal auf den Punkt bringst.
Dazu möchte noch einen weiteren Denkansatz aus einer völlig anderen Richtung liefern:
Wenn man nun diese hohe Gleichrangigkeit beschreiben möchte, so kann man das verbal ausdrücken wie Franklin Merrel-Wolff oder auch wie Jakob Böhme oder Meister Eckhard und andere Mystiker. Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit der Beschreibung.
Du hast zu diesem Thema hier beispielsweise auf einen interessanten Link verwiesen, eine Seite aus den geheimen Figuren der Rosenkreuzer. Betrachten wir doch einfach mal nur diese geometrischen Figuren. Was könnten sie uns sagen ohne all das Geschreibsel? Es handelt sich dabei überwiegend um Kreise, die in vier und sechs Segmente eingeteilt sind.



Nun wenden wir uns den so genannten platonischen Parkettierungen zu, die bei genauerer Betrachtung das gleiche aussagen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Parkettier...Parkettierungen

Der Begriff "Platonische Parkettierenden" weist darauf hin, dass sich ganz offensichtlich schon die antiken Philosophen an dieser geometrischen Besonderheit abgearbeitet haben.

Nur Dreiecke, Vierecke und Sechsecke sind mit sich selbst lückenlos im unendlichen Raum parkettierbar.
Betrachtet man nun einen beliebigen Eckpunkt innerhalb dieser Parkettierungen und zeichnet einen Kreis herum, so haben wir wieder diese Figuren der Rosenkreuzer, Kreise mit 4er und 6er Einteilung.
Warum macht es Sinn, einen Kreis um den Eckpunkt bzw. Mittelpunkt zu zeichnen?
Weil eine lückenlose Parkettierung einen vollen Kreis von 360 Grad um jeden Eckpunkt erfordert.
Das ist ein wesentliches Merkmal dieser Struktur.
Ein weiteres wesentliches Merkmal ist der fraktale Charakter. Es handelt sich dabei aber nicht nur um eine Selbstähnlichkeit, wie man sie allgemein in fraktalen Strukturen auch in der Natur antrifft, sondern um eine "Selbstidentität" also um eine absolute "Gleichrangigkeit".

Nun kann man sich weiter kontemplativ in diese Gleichrangigkeit der platonischen Parkettierungen reindenken.
Nimmt man also irgend einen beliebigen Eckpunkt (Mittelpunkt, Individuum) oder ein beliebiges Dreieck bzw. Quadrat oder Sechseck, so lässt sich diese Figur bis in die Unendlichkeit ausweiten. Jedes einzelne "Individuum" trägt also das Potenzial in sich, alle anderen unendlich vielen Individuen in sich selbst zu vereinigen, "Gott alles in allem". Und so wie sich diese Struktur bis in die Unendlichkeit ausweiten lässt, so lässt sie sich auch bis in die Unendlichkeit verkleinern, ohne ihre hohe Gleichrangigkeit einzubüßen.

Wohlgemerkt:
Diese "göttlichen" Eigenschaften funktionieren nur mit Dreiecken, Quadraten und Sechsecken, wobei Sechsecke ja lediglich aus Dreiecken zusammengesetzt sind.

Nun gibt es diese Strukturen nicht nur in der zweidimensionalen Ebene, sondern auch im dreidimensionalen Raum. Da sind drei- ,vier- und sechseckige Parkettierungen vereint in einer "Matrix", die als kubisches Kristallsystem bekannt ist.
Das Studium dieser "Matrix" betrachte ich als unverzichtbar für jeden, der sich dem Mysterium der hohen Gleichrangigkeit auf diese Weise annähern möchte, warum das so ist, wird weiter unten klar werden.
Hier eine PDF mit entsprechenden Modellen als Anregung, die im Idealfall jeder für sich selbst bauen und erfahren sollte:
http://tetraktys.de/downloads/kubisch-fl...stallgitter.pdf

So wie um jeden Eckpunkt in der Ebene einer platonischen Parkettierung die komplette Flächendeckung eines 360-Grad-Kreises erreicht wird, so wird im 3D-Raum die Raumfüllung einer vollen Kugel um einen Eckpunkt (Mittelpunkt) erreicht. Das bedeutet, dass dicht an dicht liegende Kugeln ein Gitternetz aus Dreiecken und Quadraten (und aus Dreiecken zusammengesetzte Sechsecke) erzeugen. Die kleinsten Zellen dieser Struktur sind Tetraeder und Oktaeder, die als Sterntetraeder wieder einen Kubus ergeben.

Dicht an dicht liegende Kugeln bilden ein fraktales Gitternetz aus Dreiecken und Quadraten. Die Ecken dieses Gitters entsprechen den Kugelmittelpunkten.



Diese Zeichnung, die um 1620 entstand, zeigt eine rosenkreuzerische Allegorie, "Das Philosophische Ei". "Rebis" (abgeleitet aus dem lat. zwei Dinge) bezeichnet in der Alchemie ganz allgemein die Vereinigung zweier Prinzipien zu einem höheren Dasein, so z.B. Sulphur und Mercurius, insbesondere aber die Vereinigung des männlichen und weiblichen Prinzips zum Hermaphroditen bei der Bereitung des "Steins der Weisen".

In der Kugel bzw. "Sphäre" mit Flügeln befindet sich ein Dreieck und ein Quadrat eingezeichnet. Auch die heutigen Rosenkreuzer verwenden in ihrer Symbolik diese Figuren, so wie z.B. das Logo der Internationalen Schule des Goldenen Rosenkreuzes Lectorium Rosicrucianum zeigt.

Ein Hüttenspruch der Kölner
Bauhütte lautete:

"Was in Stain-Kunst zu sehen ist
dass kein irr noch Abweg ist.
Sonder schnur recht, ein Lineal
Durchzogen den Cirkel uberall
So findest du Drei, in viere stehn,
und also, durch ein, ins Centrum gehn,
Auch wieder auß dem Centro in drey
Durch die vier, im Cirkel ganz frey.
Des Steinwerks kunst und all die Ding,
Zu forschen macht das Lehrnen gering.
Ein punct, der in den Cirkel geht,
Der im Quadrat und drey angel steht,
Trefft ihr den Punkt, so habt ihr gar,
und kompt auß Noth Angst und Gefahr.
Hiermit habt ihr die ganze Kunst,
Versteht ihrs nit, so ists umbsonst
Alles was ihr gelernet habt,
das klagt euch bald, damit fahrt ab."

Hier werden offensichtlich geometrische Zusammenhänge zwischen Kreis, Dreieck und Quadrat beschrieben.

Die komplette Symbolik der Freimaurerei entstammt aus drei Hauptströmungen: Der Bauhüttentradition, den Rosenkreuzern und der Kabbala. Diese drei Strömungen wiederum wurden ganz offensichtlich vom Platonismus bzw. Pythagoreismus befruchtet.
Der Kubus ist in der Freimaurerei das zentrale Symbol des Gottmenschen, der sich in den salomonischen Tempelbau einfügt.

Das schreibt Oswald Wirth (Freimaurer im schottischen Ritus und Autor des Wirth-Tarot)
in seiner Trilogie
"Die Freimaurerei, ihren Anhängern verständlich gemacht"
über die Symbolik des kubischen Steins "Der Geselle" S.133:

"Der kubische Stein mit Spitze"

"....Der vollkommene Kubus ist kaum geeignet, den Anforderungen einer Baukunst zu genügen, die längliche Blöcke aufeinanderzuschichten pflegt. Der Kubische Stein nimmt demgegenüber Bezug auf eine Baukonstruktion, die sich im Wege der Kristallisation vollzieht.
Der Eingeweihte, der in sich selbst das in diesem Stein beschlossene Ideal verwirklicht, wird innerhalb der menschlichen Gesellschaft zum Agens der Verwandlung, denn allein durch seine rechtwinklige Ausbildung veranlasst er seine Umgebung dazu, sich ihm anzupassen. So erklärten die Alchimisten die Haupteigenschaft ihres berühmten Steins der Weisen, den sie sich in Gestalt eines Kubus vorstellten. In den maurischen Urkunden des 18. Jahrhunderts treffen wir dazu auf ein unerwartetes Symbol. Das ist der mit einer Spitze versehende und mit einem Beil angeschlagene Kubische Stein…."

Hier eine Abbildung dieser Seite in FB


Auch Elisabeth Haich hat in ihrem Buch "Einweihung" auf der Seite 278 das kubisch flächenzentrierte Raumgitter als göttliche Struktur beschrieben. Die darin enthaltenen Dreiecke und Quadrate setzen sich aus Tetaeder- und Oktaederzellen zusammen, die in der Summe wiederum Kuben ergeben. Jede Kugel ist von genau 12 Umkugeln umgeben, die ein Kubooktaeder bilden. Diese 12 Umkugeln entsprechen den 12 Kanten des Kubus.
Wenn sich also der Gottmensch in einem Kubus bzw. als Stein der Weisen verwirklicht, so liegt nahe, dass hier die Person Jesus mit ihren 12 Jüngern (=12 Umkugeln) als Analogon in Betracht gezogen werden kann.

Zitat Elisabeth Haich, "Einweihung", Seite 278:
"…Wenn wir durch den Raum, in jeder Ebene der drei Dimensionen, in gleichem Abstand Schnittflächen legen, dann entstehen unzählige Oktaeder. Aber diese Oktaeder füllen den Raum dennoch nicht aus, sondern es bleiben zwischen den Oktaedern überall — genau wie im Innern des Würfels — Tetraeder, die außerhalb der Dreidimensionsflächen stehen! Du kannst den Raum in unendlich große oder unendlich kleine Oktaeder aufteilen, die Tetraeder außerhalb der Dreidimensionsebenen sind immer da. Der dreidimensionale Raum ruht also in jedem seiner Punkte auf dem göttlichen Tetraeder, das die absolute Harmonie und das absolute Gleichgewicht bedeutet.
Genau so beruht die ganze offenbare Schöpfung in jedem ihrer Punkte auf der über aller Offenbarung stehenden, in sich ruhenden, nicht geoffenbarten Gottheit. Gott ist allgegenwärtig!…"

Hier ist diese Struktur noch einmal beschrieben: http://tetraktys.de/geometrie-6.html

Hier mein Versuch, den Sefer Jezira "Das Buch der Schöpfung" mit dieser Struktur verständlich zu machen: http://tetraktys.de/mystik-4.html

Hier ein Link zu einer Hermetik-Seite, die ebenfalls auf den Kubus im Sefer Jezira verweist.

#5 RE: "Hohe Gleichrangigkeit", ein Erlebnisbericht von Franklin Merrel-Wolff von W.L. 14.07.2016 16:59

Danke für die ausführliche Darstellung der rein geometrischen Zusammenhänge.
Darüber hinaus sind die inhaltlichen Zusammenhänge zu betrachten.

Wenn im Sepher Jezira von den 32 geheimnisvollen Wegen die Rede ist, so sind damit auch die Schöpferkräfte gemeint und das waren zur damaligen Zeit
Luft, Wasser und Feuer deren Repräsentanz im hebräischen Alphabet, Aleph, Mem und Schin sind. Sie wurden die drei Mütter genannt.
Sepher Jezirah, S.56ff in der Übersetzun von Lazarus Goldschmidt
http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/fr...pageview/760669

Die sieben doppelten Buchstaben repräsentierten die "sieben Sterne in der Welt, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond".
Damit sind die sieben astrologischen Grundkräfte gemeint.
Sepher Jezirah, S.61ff in der Übersetzun von Lazarus Goldschmidt
http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/fr...pageview/760674

Schließlich die zwölf einfachen Buchstaben als Repräsentanz der zwölf Tierkreiszeichen.

(3 Mütter +7 doppelte +12 einfache), mit den zehn Sephirot sind es 32 Wege

Bloße Geometrie mit den "32 geheimnisvollen Wegen" der Kabbala zu sehen ist sicher zu wenig.

Die Rosenkreuzerdarstellung zielt noch auf etwas anderes ab. Nämlich die Konkretisierung des Tabula-Spruches "dies so oben, ist gleich dem Unteren ..."
Das ist in der Kabbala überall konkretisiert, nicht zuletzt im kosmischen Menschen, "Adam Kadmon", der als Abbild des kabbalistischen Lebensbaumes gesehen wird.
http://anthrowiki.at/Adam_Kadmon
Alle diese Allegorien und Metaphern zielen auf den "himmlischen" Menschen, bei den Rosenkreuzern "die neue Kreatur", im AT der erste Adam.
Der Ebenbild Gottes war.
Er entschlief und aus dessen Rippe(Seite) wurde Eva geschaffen. Dann zog Nebel auf, er wurde aus dem Paradies gewiesen, Kain tötete Abel, usw.
Nur der erste Adam was Ebenbild Gottes.
Diese Geschichte ist nicht so naiv, wie es scheint. Sie schildert den Fall des Menschen in Unbewusstheit. Der Mensch der Sintflut war ebenso wenig Ebenbild Gottes, wie der heutige. Dennoch ist ein Mensch kein Tier und ein Tier kein Mensch. Es bleibt immer "das letzte Zehntel", wie es in der Schatzinsel heißt.

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