#1 Die Urknalltheorie von W.L. 02.12.2016 15:16

Vor der Entdeckung ferner Galaxien durch Edwin Hubble 1925, kannte man nur die Sonne und mehr oder weniger ferne Sterne und Sternhaufen. Als Albert Einstein 1915 seine spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie (ART) publizierte, galt dieses Bild vom Kosmos. Einstein nahm daher an, der Kosmos sei statisch.

Experimentelle Bestätigung der vorherberechneten Lichtablenkung (1919)
Während der Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 bestätigten Beobachtungen Arthur Eddingtons, dass die Ablenkung des Lichts eines Sterns durch das Schwerefeld der Sonne näher an dem von der allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagten Wert lag als an dem der newtonschen Korpuskeltheorie. Joseph John Thomson, Präsident der Royal Society, kommentierte den Befund wie folgt:
„Dieses Resultat ist eine der größten Errungenschaften des menschlichen Denkens.“
Günter Scharf: Einstein, Albert. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Die experimentelle Bestätigung der damals kurios anmutenden Vorhersage Einsteins machte weltweit Schlagzeilen.


Im Jahr 1931 besuchte Albert Einstein anlässlich einer Amerikareise das Observatorium auf dem Mount Wilson. Dort hatte Edwin Hubble seine Entdeckung gemacht, und Einstein ließ sich davon überzeugen, dass das wirkliche Weltall sich anders verhält als sein zeitlich unveränderlicher Kosmos. Die Schwerkraft und die von ihm zusätzlich eingeführte abstoßende Kraft halten sich nicht das Gleichgewicht. Vielmehr expandiert das Weltall, getrieben von einem ihm anfangs erteilten Schwung, dem die Schwerkraft zwar entgegenwirkt, den sie aber bis heute nicht bremsen konnte. Der Grund, weswegen Einstein die zusätzlich abstoßende Kraft eingeführt hatte – nämlich einen zeitlich unveränderlichen Kosmos zu erhalten – war mit einem Mal verschwunden. Nun wollte er nichts mehr von dieser Kraft wissen. Noch im Jahr 1946 schrieb er: „Wäre die Hubblesche Expansion schon zur Zeit der Entstehung der Allgemeinen Relativitätstheorie bekannt gewesen, das kosmologische Glied wäre niemals eingeführt worden.“


Romantisierendes Portrait der beiden Forscher. Albert Einstein blickt durch das Teleskop Edwin Hubbles, Hubble im Hintergrund.



Hier wird greifbar, wie die Relativitätstheorie mit der Urknalltheorie verknüpft ist und wie sich beide Theorien ergänzen.

Bis heute wird an der ART geforscht. Das bedeutet, die Gleichungen Einsteins sind sehr ergiebig und deren Konsequenzen bis heute nicht vollständig erforscht: "Mitte der sechziger Jahre zeigten der Mathematiker Roger Penrose von der University of Oxford und der Physiker Stephen Hawking von der University of Cambridge, dass die Urknall-Singularität [Die Phase von 10 hoch -33 bis 10 hoch -4 Sekunden, 1.-3. Epoche des Urknalls, siehe unten] im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie unter sehr plausiblen Voraussetzungen unvermeidlich ist. Die früheren Einwände waren damit widerlegt. Die Zeit hat keine vom Universum unabhängige Bedeutung. Somit erübrigte sich auch die Suche nach dem Davor. Aber die uralte Frage nach dem Anfang der Welt bleibt: Wie kam es zum Urknall?"
Quelle: www.wissenschaft.de

Die ART ist eine der am Besten vermessenen Theorien. Einwände, welche die ART grundsätzlich infrage stellen, sind anhand der zahlreichen Messungen kaum mehr sinnvoll. Die Zahl der vorgenommenen Messungen ist immens. Ein Beispiel: Die Entwicklung von Atomuhren hat es möglich gemacht, den Einfluss der Gravitation auf die Zeit auch direkt zu messen. Im Prinzip ist diese Messung eine Variation der Nachweise der gravitativen Rotverschiebung. 1971 wurde durch J. Hafele und R. Keating (Hafele-Keating-Experiment) mit Caesiumuhren in Flugzeugen der durch die Gravitation verursachte Gangunterschied von Uhren in verschiedenen Höhen gemäß der allgemeinen Relativitätstheorie mit etwa 10 % Genauigkeit eindeutig nachgewiesen. Durch ein ähnliches Experiment von C. Alley (Maryland-Experiment) konnte die Genauigkeit 1976 auf 1 % gesteigert werden. R. Vessot und M. Levine publizierten 1979 Ergebnisse eines ähnlichen Experiments mit Hilfe von Raketen und gaben eine Genauigkeit von 0,02 % an. Beim heutigen satellitengestützten GPS-Navigationssystem müssen Korrekturen sowohl gemäß der speziellen als auch der allgemeinen Relativitätstheorie berücksichtigt werden, wobei Effekte durch die allgemeine Relativitätstheorie überwiegen. Umgekehrt kann dies auch als Bestätigung dieser Theorien angesehen werden
Quelle: wikipedia/Rotverschiebung

Der durch die ART vorausgesagte Effekt der Gravitationswellen war die spektakulärste Bestätigung der jüngsten Zeit.
http://www.zeit.de/wissen/2016-06/gravit...n-nachweis-cnrs

Ich habe die theoretisch berechnete Wellenkurve über die Messungen gelegt, um die Übereinstimmung von Theorie und Messung zu zeigen.
Bildquelle: https://en.wikipedia.org/wiki/First_obse...physical_origin

Weiter zur Urknalltheorie und der Expansion des Kosmos und ihr Zusammenhang mit der spektralen Rotverschiebung entfernter Objekte.

Die Rotverschiebung

Aufgrund der räumlichen Verteilung anderer Galaxien sowie ihrer im Spektrum u .a. von Milton Humason nachgewiesenen Rotverschiebung postulierte der belgische Priester Georges Lemaître im Juni 1927 die Expansion des Weltalls im Einklang mit Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Hubble veröffentlichte zwei Jahre später mit zusätzlichen Daten denselben linearen Zusammenhang zwischen der Rotverschiebung und der Verteilung extragalaktischer Nebel, zog jedoch nicht die physikalische Schlussfolgerung einer Expansion des Weltalls und vermutete ein bisher unentdecktes Naturprinzip hinter der Rotverschiebung. Dennoch wird in der öffentlichen Wahrnehmung diese Entdeckung Lemaîtres häufig Hubble zugeschrieben.
Quelle: wikipedia/Edwin_Hubble/Leben_und_Werk

Wenn die Rotverschiebung ein Effekt der Lichtermüdung wäre (wie von Gegnern der Urknalltheorie behauptet), dann dürfte Folgendes nicht sein: Die Astronomen suchen heute intensiv nach Sternen, die Begleiter haben. Das können kleinere Sterne oder Planeten sein. Dabei stützt man sich auf zwei Phänomene. Zum einen werden Sterne etwas dunkler, wenn der umlaufende Körper sie vorübergehend verdeckt. Andererseits werden diese Sterne durch die umlaufende Masse etwas aus ihrer Ruhelage bewegt. Diese Bewegung kann man als pulsierende Rotverschiebung messen. Beide Effekte lassen sich in Übereinstimmung bringen. Zum einen die Verdunkelung wegen eines Durchgangs des Begleiters, andererseits der Wechsel der Rotverschiebung. Das sollte beweisen, dass eine Rotverschiebung, Bewegung kennzeichnet.
Quelle: Scienceblogs/Rotverschiebung

Die Streuung im Hubble-Diagramm
, war zu Hubbles Zeit noch sehr groß. Man könnte auf die Idee kommen, die Eregebnisse seien wenig eindeutig.


Quelle: https://astro.uni-bonn.de/~deboer/hubble/hubble.html

Doch heute hat sich das Bild gravierend geändert. Einerseits sind die Messungen sehr viel genauer, andererseits kann man weiter entfernte Objekte vermessen. Ich denke, das Ergebnis ist überzeugend und lässt wenig Spielraum für andere Deutungen, als die, einer linearen Zunahme der Rotverschiebung mit der Entfernung. Gemessen wurden die Helligkeiten von Sternexplosionen(Supernova) und die Rotverschiebungen:

Quelle: http://images.slideplayer.org/2/789543/slides/slide_28.jpg

Scheinbare Größe ist die Helligkeit, die man tatsächlich sieht. Die absolute Größe ist die Helligkeit, die aufgrund von vergleichbaren Sternexplosionen bekannt sind. Die Differenz ist ein Maß für die Entfernung. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Supernova#..._von_Supernovae
Die Größe des Hubble-Diagramms ist Geschwindigkeit (z. B. in Meter pro Sekunde, m/s) über Entfernung (z. B. Meter m), also Zeit ( m/(m/s) = s). Ein konstanter Wert als Alter des Universums, wenn es eine Gerade ist. Voraussetzung ist, dass die Rotverschiebung als Momentangeschwindigkeit interpretiert wird. Auch das wurde im Rahmen der Überprüfung der ART schon mehrfach vermessen, siehe oben (Hafele-Keating-Experiment, Maryland-Experiment, GPS Korrekturen). Will man eine alternative Deutung der Rotverschiebung postulieren, dann muss man auch die Ergebnisse dieser Messungen alternativ und schlüssig deuten.

Mir erscheint das Unterfangen, diese Fakten alternativ deuten zu wollen, als wollte man in einer kanadischen Holzfällerhütte folgende Fakten alternativ deuten wollen: Etwas kommt oft in kanadischen Wäldern vor, scharrt gerade an der Türe und brüllt wie ein Bär. Soll man nun das Gewehr von der Wand nehmen oder könnte es etwas anderes sein? Die Anhänger der Steady-State-Theorie (statisches Universum), sind in etwa in dieser Lage.

Die Restwärme nach dem Urknall

Ein weiterer wichtiger Baustein der Urknalltheore wurde durch puren Zufall aufgefunden. Falls es in ferner Vergangenheit einen Urknall (Big Bang) gegeben hätte, so müsste diese Anfangsphase extrem heiß gewesen sein. Aufgrund des Weltalters müsste dann eine Restwärme im ganzen Kosmos verteilt vorhanden sein. Eine Strahlung aus dem intergalaktischen Raum mit 2,8 K wurde bereits 1933 von Erich Regener vorhergesagt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hintergrun...lung#Geschichte

Als Arno Penzias und Robert Woodrow Wilson, 1964 beim Test einer neuen empfindlichen Antenne, die für Experimente mit künstlichen Erdsatelliten, ein überall vorhandenes Rauschen im Radiowellenbereich fanden, dachten sie zuerst an einen Fehler ihrer Geräte. Als Penzias und Wilson ihre Ergebnisse veröffentlichten, interpretierten Robert Henry Dicke u. a. die Entdeckung bereits als kosmische Schwarzkörperstrahlung
https://de.wikipedia.org/wiki/Hintergrun...lung#Geschichte

Man fand also durch einen Zufall jene Strahlung, die als Restwärme eines Urknalls da sein musste, wenn die Theorie stimmen sollte. Zunächst konnte man feststellen, dass diese Strahlung aufgrund der sogenannten Restwärme des Urknalls eben die Größe hatte, die man für das Alter des Kosmos vorherberechnet hatte. Dass diese Strahlung, aufgrund der Urknalltheorie nur eine Schwarzkörperstrahlung sein konnte, das konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend genau nachweisen. Diesen Nachweis erbrachte man (1989-1983) mit der COBE (Cosmic Background Explorer) Mission. Ein Satellit sollte die Strahlung genauer vermessen. Man fand die erwartete Frequenzverteilung eines schwarzen Strahlers (Planckspektrum)
Siehe Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Hintergrun...a/File:Cmbr.svg
Zur Geschichte der COBE Mission: https://de.wikipedia.org/wiki/Hintergrun...lung#Geschichte

Die Urknalltheorie ist jedoch bisher unvollständig und weist Lücken auf. Eric J. Lerner veröffentlichte 1991 ein Buch mit dem Titel:
Lerner's 1991 book, The Big Bang Never Happened
https://en.wikipedia.org/wiki/Eric_Lerner

Lerners Einwände wurden von Fachkollegen als fehlerhaft zurückgewiesen und sie wurden durch die COBE (Cosmic Background Explorer) Mission (sieh oben), erheblich erschüttert, denn eine Frequenzverteilung, die sich als Planckspektrum zeigt, dürfte es in einem statischen Kosmos nicht geben.

Im Laufe des 20. Jh. setzte sich die Urknalltheorie weitgehend durch. Sie wurde bisher sowohl theoretisch, als auch durch Messungen immer wieder bestätigt.

Es gibt weiterhin Kritik an der Urknalltheorie, wie ein Artikel der Zeit vom 1. Juli 2004 zeigt. Das Resümee hierzu:

Destruktive Kritik, wie jetzt von den 33 Urknall-Gegnern vorgetragen, bleibt in diesem Spiel ohne Wirkung. Die Anti-Big-Bang-Bewegung müsste stattdessen bessere Erklärungserfolge vorweisen. Das ist ihr in den vergangenen 50 Jahren nicht gelungen. Dass es an Geld mangelt, ist zwar ärgerlich, aber keine Entschuldigung. Denn die Daten von Forschungssatelliten und Erdteleskopen sind öffentlich zugänglich. Mit ihnen dürfen auch die Urknall-Gegner rechnen. Nicht jede Gruppe, die einen Schrotschuss in den Theorienwald feuert, könne man gleichberechtigt mit Geld und Ressourcen unterstützen, meint Martin Carrier. „Sonst muss man den Laden dichtmachen.“
Quelle: http://www.zeit.de/2004/28/Urknall

Das große Missverständnis: Der Kosmos ist statisch und dennoch fliegt alles auseinander

Die Vorstellung, dass der gesamte Kosmos, wie nach einer Explosion auseinanderfliegt muss etwas korrigiert werden. Anders gesagt, das Bild stimmt nicht. Eine Explosion fände innerhalb von Raum und Zeit statt. Was im Kosmos jedoch expandiert ist der Raum selbst. Im Universum bewegen sich die Himmelskörper aber nicht nur von selbst. Sie bewegen sich auch scheinbar, aufgrund der Expansion des Universum. Ich habe deswegen “scheinbar” geschrieben, weil es sich bei der Expansion des Universums nicht um eine Bewegung der Galaxien durch den Raum handelt. Das, was Edwin Hubble in den 1920er Jahren entdeckt hat, war etwas ganz anderes. Er fand heraus, dass sich der Raum selbst ausdehnt. Die Galaxien entfernen sich alle voneinander, weil sich der Raum zwischen den Galaxien beständig ausdehnt (Die Galaxien selbst, und mit ihnen die Sterne und Planetensysteme und alles was sich auf ihnen befindet dehnen sich nicht aus. Auf diesen kleineren Skalen wirkt die Gravitationskraft der Expansion entgegen und hält die Objekte zusammen. Darum wird unser Sonnensystem zum Beispiel nicht größer, auch wenn sich das Universum ausdehnt).
http://scienceblogs.de/astrodicticum-sim...der-kosmologie/

In der Tat genügt es nicht, die Urknalltheorie abzulehnen, man muss die aufgefundenen Phänomene und Messungen zu einer schlüssigen neuen Theorie zusammenfügen. Kritiker sollten sich nicht aus weltanschaulichen oder philosophischen, sondern aus sachlichen Gründen zurückgewiesen sehen. Die Urknalltheorie wird nicht zufällig eine Theorie genannt. Sie ist unvollständig, wirft viele Fragen auf und ist gleichzeitig sehr gut belegt. Widersacher müssen eine neue und ebenso schlüssige Theorie aufzeigen, wenn sie ernst genommen werden wollen.

Schwarzkörperstrahlung gut erklärt

Dieser Beitrag sollte auch von Menschen verstanden werden, die nicht Astrophysik studiert haben. Die Übersetzung kosmologischer Forschung in verständliche Sprache hat Harrald Lesch ins Fernsehen gebracht. Zunächst lange Zeit als Sendung, die erst spät in der Nacht ausgestrahlt wurde:
http://www.br.de/mediathek/video/sendung...-2001_x100.html

Alternative Erklärung zur Urknalltheorie, die Steady-State-Theorie (https://de.wikipedia.org/wiki/Steady-State-Theorie):
Die meisten Kosmologen sehen die Steady-State-Theorie wegen der Entdeckung der Hintergrundstrahlung im Jahre 1965, welche von der Urknalltheorie vorhergesagt worden war, als widerlegt an. Stephen Hawking sagte, dass die Entdeckung des Mikrowellenhintergrundes und die Vermutung, dass dieser mit dem Urknall in Verbindung zu bringen sei, der letzte Nagel zum Sarg der Steady-State-Theorie gewesen sei. In der Steady-State-Theorie ist der Mikrowellenhintergrund das Ergebnis des Lichtes alter Sterne, das durch Staubwolken gestreut wurde. Dennoch hat diese Theorie die meisten Kosmologen nicht überzeugt, da der Mikrowellenhintergrund sehr gleichmäßig ist, was punktförmige Quellen unwahrscheinlich werden lässt.
...
1993 versuchten Hoyle, Geoffrey Burbidge und Jayant V. Narlikar die Theorie neu zu beleben. Sie stellten die These auf, dass die Erzeugung neuer Materie in Einzelschritten oder Sprüngen erfolgt, welche als „Mini-Bangs“ oder „Mini-Entstehungsereignisse“ bezeichnet werden. Die Mini-Bangs könnten sogenannte Weiße Löcher sein, die durch Wurmlöcher von „Black Holes“ gespeist werden, die in einer anderen Raumzeit entstanden sind. In einem solchen Kosmologiemodell ist eine erste Ursache nicht ausgeschlossen, aber kein Muss. Das Universum entsteht über alle Zeiten hinweg immer wieder neu, was auch ein Erklärungsansatz für die Tatsache ist, dass in physikalischen Gleichungen die Zeit keinen Richtungsverlauf hat.[4] Jedoch wird auch die neue Variante vom Großteil der wissenschaftlichen Gemeinschaft abgelehnt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Steady-State-Theorie

Wird Licht müde

Harald Fritzsch veröffentlichte 1983 ein Buch mit dem Titel:
Vom Urknall zum Zerfall: Die Welt zwischen Anfang und Ende
Es gibt dieses Buch in unveränderter Form nun in der siebten Auflage. Darin erläutert der Autor, wie die Elementarteilchenphysik die einzelnen Stufen des Urknalls erklärt.
https://www.amazon.de/Vom-Urknall-zum-Ze...n/dp/3492205186
Dabei stützt sich der Autor auf eine gängige Darstellung, die sich durchaus in ein harmonikales Weltbild fügt.

Dieses Diagramm zeigt die Entwicklung des Kosmos in sieben Stufen, wie sie in allen mir bekannten Publikationen dargestellt wird. Die achte Stufe ist der Beginn unseres Kosmos, wie wir ihn heute kennen.
Wir haben in gewisser Weise eine Mischung aus einer siebenstufigen Tonleiter und einer beschränkten Obertonreihe vor uns. Die Analogie geht aber noch weiter. Diese kosmische Entfaltung weist an bestimmten Stufen für die Harmonik ganz typische Themen aus, die bisher nur in rudimentärer Form, eingeklammert ausformuliert sind.



Die zweite Epoche ist gekennzeichnet von Kräften, die in der Folge die Aufspaltung in Mikro- und Makrokosmos führten.(Dualität entsteht)
In der dritten Epoche entstanden die dreifach symmetrischen Quarks. (Analog zum Quintintervall)
Die vierte Epoche markiert die Differenzierung von Masse und Strahlung. Im übertragenen Sinn entsteht Erde (Masse) als Gegensatz zu Energie.
In der fünften Epoche herrscht das Thema Polarität. (Terzintervall, Dur-Moll)
Die sechste Epoche erzeugt die Atome. (Analog zum Senarius. Ein Begriff Hans Kaysers, der das Ende der konsonanten Intervallreihe 1:2:3:4:5:6 ausweist)
In der siebten Epoche wird der Kosmos durchsichtig.
Die achte Epoche entlässt die erzeugte Energie und die Atome in eine kosmische Entwicklung, in der die Strukturen unseres heutigen Kosmos entstanden. Sie dauert noch heute an. (Die dritte Oktave entfaltet sich)

Es gibt in vielen alten Kulturen Hinweise in den Schöpfungsmythen, die auf einen Anfang der Schöpfung hinweisen. Eine der Bekanntesten ist der Schöpfungsbericht des alten Testaments, der darüberhinaus in sieben Epochen stattfindet. Die achte Epoche bezeichnet den Beginn aller weitern biblichen Erzählungen. D.h. die Seher alter Zeit müssen intuitiv geahnt haben, dass die Schöpfung einen Anfang haben muss, oft tauchen siebenfältige Strukturen auf.

Einer der erstaunlichsten Belege für diese Art der Hellsicht ist der Text in den Büchern des Dzyan, die von Helena Petrowa Blavatsky aus dem Tibetischen übertragen und kommentiert wurden. Dort ist von einem "leuchtenden Ei" und eine Art von Urknall die Rede:

DIE DREI FALLEN IN DIE VIER. DIE STRAHLENDE
WESENHEIT WIRD SIEBEN NACH INNEN; SIEBEN NACH
AUSSEN. DAS LEUCHTENDE EI, DAS IN SICH SELBST
DREI IST, GERINNT UND VERBREITET SICH IN
MILCHWEISSEN FLOCKEN DURCH DIE TIEFEN DER MUTTER;
DER WURZEL; WELCHE IN DIE TIEFEN DES OZEANS DES
LEBENS HINWEINWÄCHST.

Helena P, Blavatsky; Geheimlehre; Bd.1, S.95.


Was war vor dem Urknall

Eine semantische Schwierigkeit liegt darin, dass das Wort mehrdeutig ist: Urknall bezeichnet sowohl

• die heiße Frühphase des Universums, in der die Materie entstanden ist, als auch

• den absoluten Beginn von Raum, Zeit und Energie als auch

• die Urknall-Singularität selbst.

Traditionell sind alle diese Bedeutungen gleichzeitig gemeint. Sie fallen jedoch keineswegs notwendig zusammen und müssen daher streng auseinander gehalten werden, wie philosophische Überlegungen und die wissenschaftlichen Fortschritte in der Kosmologie zeigen.
...
• „Die Phase von 10-33 bis 10-4 Sekunden nach der ominösen Urknall-Singularität markiert die Entstehung der Materie und sollte als Urblitz von der Entstehung der Raumzeit begrifflich und konzeptionell unterschieden werden", betont Wolfgang Priester. Denn, argumentiert der Kosmologe von der Universität Bonn, bereits die Allgemeine Relativitätstheorie beschreibt Weltmodelle, in denen das Universum nicht mit einer Singularität beginnt, sondern Raum und Zeit unabhängig von der Materie und Energie existieren. Solche „leeren" Universen können ewig sein, das heißt keinen Anfang haben.
...
Potpourri der Weltmodelle

• Manche Modelle nehmen eine Ursubstanz an, woraus der Urknall explodierte. Die Idee wurde schon von einem der Gründer des Urknallmodells, dem belgischen Astronomen und späteren katholischen Priester Abbé Georges Edouard Lemaître, favorisiert, der von einem zerfallenden Uratom ausging. Nathan Rosen und Mark Israelit von der Universität Haifa, Israel, schlugen ein „Kosmisches Ei" [Siehe Zitat oben, aus der Geheimlehre] vor – eine winzige Blase aus einem geschlossenen dreidimensionalen Raum ohne Singularität von 10-33 Zentimeter Größe, gefüllt von Prämaterie mit einer Dichte von über 1093 Gramm pro Kubikzentimeter.
• Wenn das Universum sich – entgegen den aktuellen Beobachtungen – nicht ewig ausdehnt, sondern in einem Endknall selbst verschlingt, könnte daraus vielleicht ein neues Universum wie Phönix aus der Asche hervorgehen, hat schon Lemaître spekuliert. Nach diesem Phönix-Modell wäre unser Universum nur eine Episode in dieser Kette der ewigen Wiederkehr. Ein solches ozillierendes Universum haben vor einigen Jahren Ruth Durrer (Université de Genève) und Joachim Laukenmann (Universität Zürich) als Alternative zur Inflationstheorie wiederbelebt. Wie die Natur beim großen Kollaps die Singularität vermeidet und wieder aufersteht, blieb allerdings rätselhaft.

http://www.wissenschaft.de/archiv/-/jour...iali%C3%A4t%3F/

Dieses hochmoderne theoretische Szenario ist das der Thesophie. Auch dort "schäft" der Kosmos während eines "Paralaya", erwacht zu neuem Leben. Wörtlich heißt es in den Büchern des Dzyan:

DIE EWIGE MUTTER, GEHÜLLT IN IHRE IMMER UNSICHTBAREN
GEWANDE, HATTE WIEDER EINMAL WÄHREND SIEBEN EWIGKEITEN
GESCHLUMMERT.

Es gibt heute zahlreiche weitere und aufgrund der modernen Modelltheorien mögliche Szenarien.
Siehe dort: http://www.wissenschaft.de/archiv/-/jour...iali%C3%A4t%3F/

#2 RE: Die Urknalltheorie von W.L. 16.02.2017 09:55

Beim Blick in die Annalen war ich nicht alleine. Harald Lesch und Harald Zaun verfassten 2008 eine Skizze zur Urknalltheorie mit dem Titel: DIE KÜRZESTE GESCHICHTE ALLEN LEBENS und folgender Passage in der Einleitung:

"Beim Studium der Annalen der wissenschaftlichen Theorien über den Urknall begegnen wir einem erstaunlichen Kuriosum, das der Erwähnung bedarf. In verschiedenen Menschheitsepochen wurde die Idee des Urknalls in vielen Kulturen im Kern angedeutet. Was unsere Urahnen in ihren Mythen zu Papyrus brachten und Astrophysiker heute mit dem wissenschaftlich fundierten Urknallmodell vorlegen, hat zumindest in einem Punkt scheinbar eine gemeinsame Wurzel. Historisch gesichert ist: In vielen überlieferten Darstellungen der Ägypter, der nordamerikanischen Indianer, der Sumerer oder der Chinesen stoßen wir auf Bilder, die die Erschaffung der Welt auf eine Lichtexplosion zurückführen. Ausgehend von dem Credo, dass nichts aus dem Nichts kommen kann, versuchten vor allem die Philosophen der Antike – kraft ihrer Geistespräsenz und Kreativität – den Urzustand der Welt und den Urstoff der Materie zu erklären. So weist der Weltentstehungsentwurf des ionischen Philosophen Anaximander (um 610–546 v. Chr.) gar urknallähnliche Züge auf. Seiner Ansicht nach entstand die Welt aus
einem zeugungsträchtigen Samenkorn des Heißen und Kalten – und zwar durch »Abtrennung«. Am Anfang war »das Grenzenlose« (Ápeiron), auf das später eine Art Explosion erfolgte, aus der sich dann alle Himmelskörper ausbilden sollten. Ist dies wirk-lich reiner Zufall, oder schimmert hier ein intuitives Wis-sen durch, mit dem uns die Evolution versehen hat?
Tragen wir womöglich sogar das Gedächtnis des Universums in uns" ...


Aus einer Leseprobe des Buchs DIE KÜRZESTE GESCHICHTE ALLEN LEBENS; Piper, München, 2008, 2. Aufl.

#3 RE: Die Urknalltheorie von Philolaos 21.02.2017 00:07

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Zitat von W.L. im Beitrag #2
Historisch gesichert ist: In vielen überlieferten Darstellungen der Ägypter, der nordamerikanischen Indianer, der Sumerer oder der Chinesen stoßen wir auf Bilder, die die Erschaffung der Welt auf eine Lichtexplosion zurückführen. Ausgehend von dem Credo, dass nichts aus dem Nichts kommen kann, versuchten vor allem die Philosophen der Antike – kraft ihrer Geistespräsenz und Kreativität – den Urzustand der Welt und den Urstoff der Materie zu erklären.


Auszug aus: "Die Kabbala: eine Einführung in die Welt der jüdischen Mystik und Magie" von Klaus Samuel Davidowicz (Professor am Institut für Judaistik an der Universität Wien), Böhlau Verlag Wien.
Eventuell vorhandene Fußnoten sind der Originallektüre zu entnehmen, Beginn bei S. 99


Zitat:

Die Lehren von der lurianischen Kabbala

Isaak Luria ging von der spannenden Fragestellung aus:
Wenn Gott vollkommen und überall ist, so kann es ja keinen leeren Raum, kein "Nichts" geben. Gott füllt den gesamten Raum aus. Wie kann es also eine Schöpfung aus dem Nichts gegeben haben?
Folglich musste der erste Teil der Schöpfung kein Aus-sich-heraus-treten, sondern ein Hinabsteigen in Gott selbst gewesen sein. Dieser zog sich auf sich selbst zurück, komprimierte einen Teil seiner Wesenheit und gab so einen mystischen Raum frei, in dem er dann die Schöpfung vollzog.

Luria nannte dies "Selbstverschränkung Gottes" (hebr. Zimzum). In diesem Urraum blieb aber noch eine Spur des göttlichen Lichts, Reschimu,
zurück, so wie in einer leeren Wein- oder Ölflasche immer noch eine Spur des Inhalts zurückbleibt. Der erste Lichtstrahl Gottes, der in dem von ihm
freigelassenen Urraum fiel, schuf den Urmenschen, Adam Kadmon, aus dessen Körperöffnungen die Sefirot in ihrer Gesamtheit heraus sprühten.

Sarug unterscheidet sich von Luria durch die Einführung einer Zwischenstufe zwischen dem Zimzum und der Bildung des Adam Kadmon. Sarug, der für die Gematria eine große Vorliebe hatte, bezeichnete diese Zwischenstufe als Malbusch. Sie sei eine göttliche Kraft, die aus den Buchstabenkombinationen gebildet wurde.
Diese würden eine Art Ur-Tora bilden.

Die Schechina wird zur "weiblichen Seite von Zeír anpin" (hebr. nuqba de-ze´ir anpin). Durch den Prozess innerhalb der Sefirot entstanden vier Welten, die die fünf Parzufim wiederum entfalten: die Welt der Emanation (hebr. Azilut), die Welt der Schöpfung (hebr. Beria), die Welt der Formung (hebr. Jezira) und die Welt der Handlungen (hebr. Asija).
Diese vier Welten werden mit den einzelnen Buchstaben des Tetragrammatons bezeichnet. Durch gematrische Berechnungen erhalten wir eine andere Struktur des Tetragrammatons. Diese gliedert sich in vier Gottesnamen, die aus 72, 63 ,45 und 52 Buchstaben bestehen (siehe oben). Sie werden nach ihrem Zahlenwert gekürzt.
So wirkt der Gottesname in all seinen Permutationen als kreative Kraft des Universums. "Adam Kadmon" wird teilweise auch als Welt verstanden. Er entspricht "Arich anpin" und damit "Keter".

Bei dem Bruch der Gefäße strömte das Licht nach oben zurück, aber einige Funken des göttlichen Lichts blieben an den Scherben der zerbrochenen Gefäße hängen und fluteten nach unten.

Aus den geborstenen Schalen entstand die dämonische, böse Gegenseite, die andere Seite, in deren Inneren aber noch die heiligen Funken leuchteten und auf Erlösung aus ihrem Exil hoffen. Die Einsammlung und Aufhebung der göttlichen Funken (hebr. Ha´alat nitzotzin) geschieht nicht allein durch Gott.

Die Restauration der göttlichen Welten (hebr. Tikkun) kann erst durch den Menschen vervoll- ständigt werden. Durch ein Leben im Geist der Tora, durch Gebet und Geboterfüllung kann der fromme Jude so zu einer Hilfe Gottes werden. Die halachischen Regeln erfahren somit eine hohe symbolische Bedeutung.

In diesem kosmischen Drama bedeutet die Einhaltung der Gebote Wiederherstellung der Harmonie in den göttlichen Welten. Jeder Verstoß gegen die Halacha führt somit zu einer Erstarkung der anderen Seite, und die Erlösung lässt weiter auf sich warten.

Aus Adams Augen schließlich schossen die Sefirot getrennt als Punkte hervor, wodurch die Olam ha-Tohu (Welt der Verwirrung) entstand. Eigens dafür geschaffene Gefäße sollten das Licht aufnehmen.

Die Schalen für die drei höchsten Sefirot (Keter, Chochma, Bina) konnten das Licht aufnehmen.

Doch die unteren Schalen, die anderen Sefirot (Gewura, Rachamin, Tiferet, Jessod, Nezach, Hod, Schechina) die das Licht auffangen sollten, konnten der gleichzeitig hervorbrechenden Gewalt des Lichtes nicht widerstehen und das Licht in den Gefäßen bewahren. So zerbrachen sie unter der Kraft des göttlichen Lichtes.


Dieser Vorgang wird als "Bruch der Gefäße" (hebr. Schebirat ha-kelim) bezeichnet. Es entstanden neue Strukturen.

In diesen Parzufim (Angesichtern) entfalteten verschiedene Sefirot-Gruppen ihre Aspekte. Dies erklärt Vital in seinem äußerst komplizierten
"Tor der Gesichter". Die oberen drei vom Bruch nicht beeinträchtigten Sefirot wirken als einzelne Parzufim:
Keter erscheint in dem dreiköpfigen "Langmütigen Geduldigen" (hebr. Arich anpin) bzw. als "Heiliger Alte" (hebr. attiqua kadischa) oder "Alter der Tage" (hebr. attiq jomim).
Manchmal wirken diese als zwei verschiedene Aspekte dieses Parzufs. Chochma und Bina werden zu Vater und Mutter (hebr. Abba we-Ima).

Diese zwei sind die Wurzel aller Vereinigungen. Die nächsten sechs Sefirot, deren Schalen zerbrochen waren (Tiferet und fünf weitere),
erscheinen als "Kurzmütiger, Ungeduldiger" (hebr. ze´ir anpin).

Buch-Zitat Ende


Wenn man jetzt die Fragmente von Philolaos über die 10-Zahl betrachtet und diese "heilige 10" der Pythagoreer mit den 10 Sefirot abgleicht, könnte man auf folgende Ausdeutung kommen, die den geistigen Bauplan darstellt, wie Gott sich geteilt hat, die erste Trinität konnte das Licht aufnehmen, die restlichen sieben Sefirot zerbrachen = Urknall oder auch Zahlenbrüche!:




Ein anderes Analogum sind die kubischen Kristallsysteme, wo eine Dreiheit drei Dimensionen des Tetraeders dargestellt wird und der Bruch des Selbigen, nämlich das erste Fraktal mit dem Oktaeder. http://tetraktys.de/mystik-4.html#kabbala-tetraktys

#4 RE: Die Urknalltheorie von W.L. 21.02.2017 15:55

Das sind dann wohl weitere Belege für die o. a. Aussage:
"Ist dies wirklich reiner Zufall, oder schimmert hier ein intuitives Wissen durch, mit dem uns die Evolution versehen hat?
Tragen wir womöglich sogar das Gedächtnis des Universums in uns" ...

Aus einer Leseprobe des Buchs DIE KÜRZESTE GESCHICHTE ALLEN LEBENS; Piper, München, 2008, 2. Aufl.

Die Frage "Zufall" oder "intuitives Wissen" zeigt, wie inkonsequent mit dieser Aussage umgegangen wird.
Wenn es sich um "Zufall" handelt, dann ist eine Erwähnung überflüssig. Also was nun?

Geht man der einzig sinnvollen Aussage "intuitives Wissen" nach, so ist die einzige gegebene Antwort: Intuition.

Was ist Intuition?

Zunächst die enzyklopädische Definition:
Intuition (von mittellateinisch intuitio = unmittelbare Anschauung, zu lateinisch intueri = genau hinsehen, anschauen)[1] ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen zu erlangen, ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition

Dabei muss man sehen, dass das Entdeckungen überwiegend auf Intuition beruhen und nicht intellektuelle Deduktionen sind. Eine Entdeckung ist in beinahe allen Fällen die Tat eines Einzelnen. Diese wird dann durch folgerichtige Theorie für Andere nachvollziehbar gemacht. Im Nachvollzug beweisen Andere, auf gleicher intellektueller Höhe stehende, identische intellektuelle Fähigkeit. Insofern ist klar, dass der intellektuelle Nachvollzug einer Entdeckung nicht ausreicht, um sie zu machen.

Was ist also der Unterschied zwischen einem Genie und einem hochstehenden Intellekt? Die Intuition! Ein Faktum, das zwar offen zutage liegt, aber heute nicht verstanden wird. Die landläufige Meinung ist, dass ein gut entwickelter Intellekt ausreiche, um Erfindungen und Entdeckungen zu machen. Daher versucht man etwa den IQ eines Albert Einstein zu messen, er lag bei 160.
Die 12-jährige Engländerin Lydia Sebastian hat bei einem offiziellen IQ-Test einen Quotienten von unglaublichen 162 erzielt – damit soll sie klüger sein als die Superbrains Albert Einstein und Stephen Hawking.
Alle diese Erscheinungen sind bekannt. Wäre der IQ alleine ausreichend, so müssten wir jährlich von neuen epochalen Entdeckungen hören. Ich denke, damit ist klar, dass Intellekt kein Garant für Intuition ist. Die Argumentation kann auch anhand vieler Fälle untermauert werden. Wenn etwa bekannt ist, dass der Benzolring nicht gefunden, sondern im Traum gesehen wurde. Im Traum zu großen Einsichten
Genialität wird offenbar, wenn wir erfahren, dass große Komponisten ihre Musik hören konnten, bevor sie sie aufschrieben.

Die Thematik ist weitgehend unerforscht, da sie in weiten Kreisen der etablierten Wissenschaften lieber beiseitegeschoben wird. Wie sollte man auch diese Dimension des Menschen in das heutige Bild vom Menschen einordnen. Wird der Mensch doch in weiten Kreisen der wissenschaftlichen Welt als ein Gehirn gesehen, das gedacht wird, anstatt selbst zu denken. Die Diskussion mündet dann in die Pädagogik von Aufbau und Funktion des Gehirns und beeinflusst unsere Gesellschaft massiv durch eine völlig unausgegorene wissenschafltiche Diskussion. Unsere Schulen sind Orte in denen gelehrt wird, dass psychische Probleme im Gehirn liegen, nicht im Menschen. Die richtige Pille kann helfen, jede Störung zu beheben. Wir müssen nur die richtige Pille finden. Dieser Ansatz geht davon aus, dass der Mensch eine komplexe Maschine ist. Beinahe die gesamte moderne Medizin und medizinische Forschung - die Suche nach Botenstoffen, Transmitterstoffen, Zellfunktionen, etc. -, bis hin zur Werbeindustrie, letztlich der Wachstumsgedanke der Nationalökonomien - das Auffinden geeigneter Produkte und die entsprechende Werbung, regt das Kaufverhalten an und führt zum glücklichen Konsumenten - beruht auf dieser Grundauffassung.

Der Konflikt zwischen den etablierten Wissenschaften und den Ökonomien, deren Ausfluss sie sind, und den Menschen, die sich darin nicht wiederfinden, führte zunehmend zur Spaltung der Gesellschaft in zwei Lager. Den "Esoterikern" - solche, die an Hellsehen, Wiedergeburt, Astrologie, Buddhismus, Yoga, etc. glauben - auf der einen und den Wissenschaftsanhängern auf der anderen Seite. Dass die "Esoteriker", ohne eine idelle, oft auch ideologische Untermauerung bleiben würden und mit der Zeit von selbst das Lager wechseln würden war illusorisch. Darüber wurde auch nie nachgedacht. Man überließ diese Spaltung sich selbst, bedauerte im Übrigen herablassend die andere Seite als naive, wissensferne Verweigerer von wahrer Wissenschaft.

Wir stehen heute verwundert vor einem Scherbenhaufen von Weltauffassungen, die sich sukzessive zusammenfinden und politisieren. Der Umfang dieser Bewegungen ist immens. Sie haben allesamt eines gemeinsam: das Unverständnis einer immer weniger erklärten, immer komplexer werdenden und daher immer unglaubhafter erscheinenden Wissenschaft.
Siehe dort: Verschwörungstheorien

#5 RE: Die Urknalltheorie von W.L. 26.02.2017 19:15

Die Urknalltheorie enthält keine Aussage über deren Bedeutung. Es ist also eine Theorie ohne Bedeutung, so wie etwa ein unbebautes Grundstück. Die Urknalltheorie zeigt exemplarisch, welches Problem die Gesellschaft mit Wissenschaft hat. Der folgende Artikel des Focusmagazins zeigt, wie unsystematisch und wirr Bedeutungsgebungen angegangen werden:
Gott vs. Wissenschaft Wer erschuf das Universum und warum?

Es werden zwei Begriffe in den Raum geworfen, die weder definiertbar noch sinnvoll erscheinen. Die Philosophie als einzige methodische Annäherung an eine Bedeutungsgebung wird komplett ausgeklammert. Ich meine, man könnte auch in so einem Artikel aufzeigen, wie man sich philosophisch und methodisch an eine Bedeutungsgebung annähert. Journalistisch durchaus kalkuliert, werden gesellschaftliche Lager unterstellt, wie Religion versus Wissenschaft. Es findet Verdummung zugunsten von Auflage statt, zumal auch die einzelnen Stellungnahmen im Artikel nicht viel aufschlussreicher erscheinen. Das Wirrwar um die Deutungen der Urknalltheorie ist unerschöpflich.

Das erste Statement des Artikels: Carlo Rubbia, der frühere Leiter des europäischen Kernforschungszentrums Cern bei Genf, zu Gott. „Als Forscher bin ich tief beeindruckt durch die Ordnung und Schönheit, die ich im Kosmos finde, sowie im Innern der materiellen Dinge. Und als Beobachter der Natur kann ich den Gedanken nicht zurückweisen, dass hier eine höhere Ordnung der Dinge existiert. Es ist eine Intelligenz auf höherer Ebene vorgegeben, jenseits der Existenz des Universums selbst“,
Was heißt: "höhere Ordnung der Dinge", was ist "Intelligenz" und warum "jenseits" und nicht in der Existenz. Dass einem Forscher, Intelligenz als das höchste Gut erscheint, weil es ihm das höchste ist, was er an sich selbst zu erkennen glaubt, ist klar. Aber wie groß ist der Wert einer solchen Annahme, wenn sie nichts erklärt.

Das nächste Konglommerat des Artikels: Für den Kosmologen Gerhard Börner vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching sind Wissenschaft und Religion keine Gegensätze. Beide zeigten nur verschiedene Perspektiven derselben Wirklichkeit auf. Dabei solle das religiöse Bekenntnis zur Schöpfung wissenschaftliche Erkenntnisse einbeziehen. „Innerhalb ihrer Gültigkeitsgrenzen bestimmt die Naturwissenschaft, was wahr und was falsch ist “, betont er. Es sei „doch sehr bemerkenswert, dass die moderne Urknalltheorie sehr gut zur biblischen Aussage passt, Gott habe die Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Nichts geschaffen“, so Börner weiter. Dies müsse er außerhalb von Raum und Zeit getan haben. Ähnlich argumentiert auch der katholische Tübinger Theologe Hans Küng. Naturwissenschaft und Religion müssen komplementär zueinander sein, fordert er. „Das naturwissenschaftliche Instrumentarium versagt bei der Frage nach dem letzten Woher unserer Wirklichkeit“, sagt er. Deshalb sollten die Forscher Gott zumindest als Hypothese zulassen.
Wissenschaft und Religion seien keine Gegensätze, aber was ist Religion? Meint man die Muslime, die Hindus, die Buddhisten, Schamanisten, etc.? Schlimm, wenn dann mit diesen Worthülsen auch noch Schlüsse gezogen werden wie etwa: "Beide zeigten nur verschiedene Perspektiven derselben Wirklichkeit auf.". Wessen Wirklichkeit denn? Küng und Börner sind sich einig vom biblischen Gott und dem alten Testament zu sprechen. Wie weit Küng mitgehen würde, wenn wir auch die Theosophen, die Buddhisten, griechische Philosophen mit in die Rechnung einbeziehen würden, bleibt mehr als offen. Schöpfung "außerhalb von Raum und Zeit" kommt der römisch katholischen Kirche sehr entgegen, denn sie trennt Gott von der Welt und ihren Erlöser durch zweitausend Jahre von den Gläubigen. Wenn man von "außerhalb von Raum und Zeit" spricht, so erweckt das den Eindruck, es gebe etwas getrennt von diesen. Was soll das sein? Zeitlose Existenz durchdringt die Zeit in jedem existierenden Moment als Gegenwart. Raumlosigkeit durchdringt den Raum durch das Hier in jedem dimensionslosen Punkt. Pantheismus ist daher die Schlussfolgerung.

Es folgt im Artikel: Der Astrophysiker Günther Hasinger, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, bringt ein anderes Gottesbild ins Spiel. „Es könnte ein alles durchdringendes Energiefeld geben, das auch da wäre, wenn sonst nichts existierte“, so Hasinger. Als Beispiel nennt er die mysteriöse dunkle Energie, die das Universum beschleunigt expandieren lässt. Damit knüpft er an den die Ideen von Pantheisten wie dem niederländischen Philosophen Baruch Spinoza an, die glauben „das Göttliche“ manifestiere sich in allen Erscheinungen der Welt, somit sei das Universum gleichbedeutend mit Gott.
Er benennt den Pantheismus und Spinoza, jedoch in einer reduktionistischen Variante als "Energiefeld". Dieses Energiefeld müsste jedoch Strukturen hervorbringen, die in ihm weder vorhanden, noch irgendwie ableitbar wären.

Die Probleme die die Urknalltheorie aufwirft, sind immens. Der Kosmos muss mit einer unvorstellbaren Präzision ins Werk gesetzt worden sein: Feinabstimmung der Naturkonstanten
Tatsächlich gibt es diverse Erklärungsansätze:
- Ableitung aus fundamentaleren Theorien und Prinzipien: Dies ist das übliche, bewährte und aussichtsreichste wissenschaftliche Vorgehen.
- Ensemble-Erklärung: Es existieren andere Universen mit anderen Bedingungen, die entweder gleich häufig sind oder eine spezifische Wahrscheinlichkeitsverteilung haben, welche eventuell mit einer fundamentaleren Theorie erklärbar ist.
- Teleologische Interpretation: Es gibt zielgerichtete Kräfte, die die Feinabstimmungen aufgrund einer der Natur innewohnenden Zweckmäßigkeit angestrebt oder gar bewusst geplant haben.
...
Die mutmaßliche Feinabstimmung der Naturkonstanten nahm der Kosmologe Brandon Carter, der heute am Pariser Observatorium forscht, 1974 zum Anlass, auf einer Konferenz in Krakau das „Anthropische Prinzip“ (AP) zu formulieren – und zwar in zwei Versionen:
- Schwaches AP: „Unsere Stellung im Universum ist notwendig privilegiert, insofern sie vereinbar sein muss mit unserer Existenz als Beobachter.“
- Starkes AP: „Unser Universum muss so beschaffen sein, dass es irgendwann die Entstehung von Beobachtern zulässt.“

IST UNS DAS ALL AUF DEN LEIB GESCHNEIDERT?

"John Leslie betrachtet das anthropische Prinzip als eine Tautologie".
Eine Tautologie ist z.B.: „Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst.“. Das sagt nichts über Intelligenz aus und ist immer wahr. Bezieht man diese Aussage auf ein Drittes, denn intelligent, sind ja immer nur Lebewesen. Das würde in diesem Beispiel bedeuten, dass man Intelligenz nicht anders deuten darf als die Tests vorschreiben. Eine Änderung der Tests alleine könnte Intelligenz neu definieren. Ein Zirkelschluss, denn ich darf dann Intelligenz nicht mehr anders sehen als das was getestet wurde. Ich könnte nicht mehr sagen, dass etwas intelligent sei, ohne einen Test gemacht zu haben. Wenn ich den Test ändern würde, dann würde ich mir anmaßen Intelligenter zu sein als der Test es möglich macht. Das darf ich dann nicht tun. So käme es niemals zu einem solchen Test, denn der erste Mensch der einen solchen Test aufstellt müsste sich anmaßen intelligent zu sein, ohne einen Test gemacht zu haben. Es kann also so einen Test nicht geben. Die Behauptung führt außerdem zu einem Widerspruch, wenn sie wahr ist. Wenn sie falsch ist, "Intelligenz ist nicht das, was der Intelligenztest misst.“ ist es kein Intelligenztest, oder keine Intelligenz, was getestet wird.

In dem vorliegenden Fall wäre Zufall das was wir beobachten. Alternative kausale Erklärungen gibt es nicht. Zufall ist also das was Zufall ist? Diese Aussage ist unsinnig. Es bleibt nichts weiter als zu akzeptieren, dass die Naturkonstanten so abgestimmt sind, wie sie es sind. Die Expansionsrate ist mit einer Genauigkeit von 1 / 10000000000 0000000000 0000000000 0000000000 0000000000 0000000 (1 mit 57 Nullen) abgestimmt. Wäre sie größer oder kleiner, dann wäre Leben im Kosmos nicht möglich gewesen. Nicht nur einzelne Naturkonstanten sind fein abgestimmt, sondern alle, sodass die Wahrscheinlichkeit eines einmaligen Zufalls extrem gering ist. Ich darf mir aber nun nicht anmaßen zu sagen dies sei in irrer Zufall dass aus diesen Möglichkeiten eine ausgewählt worden wäre, solange ich keinen Auswahlmechanismus kenne.

Wir nehmen an es gebe eine Maschine "Universe making Machine" (P. C. Hägele, 2003, Folie 12), in einer unendlichen Zeitdauer würfelt bis das richtige Ergebnis kämme. Wer hat dann diese Maschine gebaut, wer regelt wohin sie ihre Erzeugnisse werfen soll und was erzeugt sie? Wenn auch diese Maschine zufällig entstanden wäre, wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit mit der sie zufällig entstanden sein könnte und was treibt sie an?

Ebenso absurd ist die Aussage mancher Kosmologen, die behaupten, der Kosmos wabere ständig und bringe permanent zufällig zufällige Kosmen hervor, von denen einer der unsere sei. Ein solcher Kosmos ist nichts weiter als eine solche Maschine. Solange die Kosmologen einen solchen Kosmos nicht nachweisen können, maßen sie sich an eine solche Maschine bauen zu können. Wenn sie eine solche Bauen könnten, wäre der Kosmos kein Zufall mehr, weil eine solche Maschine Sinn und Zweck hätte.

Die Feinabstimmung der Naturkonstanten ist, wie sie ist und wir haben derzeit nach menschlichem Ermessen keine Erklärung dafür. Eine Interpretation, welche den Kosmos als "so seiend" ansieht benötigt keine Aussagen über Zufall oder Absicht. Ich denke dass eine solche Interpretation unter die Rubrik "teleologisch" (zielgerichtet) fallen würde. Das ist jedoch falsch, denn in der folgenden Interpretation sind die Dinge, wie sie sind. Dennoch nenne ich sie der Ordnung halber quasi teleologisch. Sie besitzt den einzigen Vorzug, dass sie sich auf Mystiker, Philosophen und den Buddhismus bezieht. Letztlich füchte ich, dass wir die Fragen falsch stellen. -> Warum der Geist unerkennbar ist

Eine quasi teleologische Interpretation: Warum z. B. nicht Intuition oder "vorauswissen" als Basis der Schöpfung. Hildegard von Bingen sprach vom "Vorauswissen" (liber divinorum operum), als Gott die Welt erschuf, was bedeutet, dass Zeit keine Qualität ist, die der Schöpfung zugrunde liegt.

Zeit und Raum sind lediglich Notwendigkeiten für ihr Erscheinen. Analog sind für den Menschen Zeit und Raum die Bedingungen für Erfahrung (Kant). Weder Zeit noch Raum sind Begriffe, weil Begriffe entweder begrenzt (konkrete Begriffe, wie Haus, Meer) oder mannigfaltig (Liebe, Gerechtigkeit) sind. Raum und Zeit liegen jeglicher Erfahrung zugrunde, werden aber selbst nicht erfahren und sind somit transzendent (Kant). Daher sind es keine Begriffe, sondern Anschauungen (was wir anschauen, wahrnehmen, jedoch nicht begrifflich fassen können). Sie sind auch unbegrenzt, was wiederum jeder konkreten Begrifflichkeit widerspricht. Noch einfacher ist es, sich klar zu machen, dass wir uns subjektiv (wir haben keine Alternative dazu) immer im Hier und Jetzt befinden und dass es daraus kein Entkommen gibt (Advaita). Der Mensch wurzelt daher bereits jenseits und allseits von Raum und Zeit. Was ihn gefangen hält, sind Identifikationen (Anhaften, Buddhismus).

Es ist dann auch die Frage, ob der Kosmos nicht lediglich das Offenbarwerden einer Existenz ist, dessen Wesen und Struktur bereits gegeben ist. Das würde erklären, weshalb Menschen (unabhängig von Religion oder Kultur) eine Intuition davon haben können, wie der Kosmos entstanden ist, wenn sie sich etwa dieses Plans bewusst werden. Außerdem wäre dann keine Intelligenz im Sinne einer Kreativleistung erforderlich. Dennoch könnte der Sinn einer solchen vorstrukturierten, sich offenbarenden Welt die Freiheit in ihr sein, nämlich als eine Möglichkeit des zu sich Kommens der Geschöpfe zum Sein der Ganzheit durch Evolution. Diese These wäre konform mit der Seinsphilosophie der Buddhisten. Für sie ist das, was wir Gott nennen Nirwana, eine Art von unbedingtem Bewusstsein. Wenn dieses das Wesen des Kosmos sein sollte, muss in ihm die Struktur eines sich offenbarenden Kosmos liegen und wäre in jedem Moment und in jedem Punkt gegenwärtig, (Pantheismus).

G.W.F. Hegel; aus der Phänomenologie des Geistes; A Natürliche Religion, a Lichtwesen
"Das reine Licht wirft seine Einfachheit als eine Unendlichkeit von Formen auseinander und gibt sich dem Für-sich-sein [der Einzelexistenz] zum Opfer dar"
G.W.F. Hegel, Lichtwesen

Die Theosophie spricht vom "Opfer des Logos"
"Durch den Akt der Selbstaufopferung ward der LOGOS für die Emanation des Universums offenbar, durch Aufopferung wird das Universum erhalten, ..."
Annie Besant; Uralte Weisheit (Übers. aus d. Engl.); Leipzig, 1905, S. 254

Licht und Logos finden im Johannesprolog zusammen.

Im Sinne Kants ist der Kosmos ein "Ding an sich", von dem ich niemals mehr aussagen kann, als meine Sinne (inclusive aller Messapparate) mir liefern. Um dieses "Ding an sich" dreht sich die Quantenphysik seit Planks Entdeckung des Wirkungsquantums im Jahr 1900.

Fichte und vor Allem Hegel sehen in diesem unerkennbaren "Ding an sich" den Geist, der als das ewige Subjekt im Menschen als Ur-Ich auftaucht. Ebenso lehrt es Advaita Vedanta. Da dieses Ich immerwährendes Subjekt ist, kann es niemals als Objekt sichtbar werden. Es kleidet sich mit den Attributen der Natur, die wir sinnlich wahrnehmen, bzw. psychisch als Innenwelt unseres Charakters.

#6 RE: Die Urknalltheorie von W.L. 01.03.2017 11:59

John Horgan, Redakteur bei Scientific American, verkündet das Ende der Wissenschaft
"Selbst das Problem des menschlichen Bewußtseins findet Horgan zwar spannend, aber weder lösbar noch tatsächlich fundamental. Schließlich sei das Phänomen des Geistes nur auf einen Ausschnitt der Raumzeit, auf einen winzigen Planeten in einem unbedeutenden Sonnensystem beschränkt."

Diese Anschauung beruht auf dem Maß des menschlichen Körpers. Wäre die durchschnittliche Körpergröße das 1000-Fache, so würden wir mit einem Metermaß messen, das einen Kilometer beträgt und wir hätten den Eindruck, der Kosmos wäre um den Faktor tausend kleiner. Die Frage ist, für wie bedeutend halten wir unsere Körpergröße, wenn wir von der Größe des Kosmos sprechen? Wer also vom "Staubkorn Erde" spricht bekundet damit, dass er die Größe seines Körpers in cm für einen bedeutenden Maßstab hält.

Die gewaltigen Proportionen (die Größenverhältnisse untereinander) und die riesigen Zeitdimensionen im Kosmos sind Voraussetzungen für die Entstehung von Leben. Das ist ein Faktum. Wer also für nebensächlich hält, was notwendig ist, dem fehlt die Voraussetzung, um von diesen Dingen zu sprechen.

Es ist aber nicht nur eine Frage der Maße und Proportionen von Raum und Zeit, sondern auch eine Frage der Art der Betrachtung. Man könnte mit gleichem Recht eine Karte des Kosmos aufgrund der Molekülkomplexität aufstellen, dann wäre die Erde im Vergleich zum Rest des Universums überdimensional groß. Der Rest spielte nur eine Nebenrolle. Daher sind derlei Betrachtungen einwenig naiv und der folgende Einwand ist gerechtfertigt: "Paul Davies etwa, Professor für Naturphilosophie an der Universität von Adelaide in Australien, kann soviel Ignoranz gar nicht glauben. "Das Bewußtsein ist immer noch ein großes Rätsel. Wir wissen nicht, wie es entsteht, was es für ein System bedeutet, bewußt zu sein, oder warum es Qualia, subjektive Empfindungen, gibt ([a]vorausgesetzt, man glaubt daran, daß sie existieren). Auch wenn Bewußtsein vielleicht kein fundamentaler Aspekt des Universums ist, bleibt es doch immer noch ein Rätsel, das gelöst werden muß."

[zu a] Subjektive Empfindungen existieren nicht, sind bloße Fluktuationen von Neuronen, somit wäre die Evolution purer Zufall?
Bewusstsein als ein zufälliges Produkt einer zufälligen Zusammenballung von Stoff zu betrachten ist so lange spekulativ, so lange wir nicht nachweisen können, wie Bewusstsein aus Materie entsteht. Die Kette von "Zufällen" ist in der Phase der 4,5 Milliarden Jahre andauernden Evolution auf dieser Erde erdrückend:
Ein Vortrag von Siegfried Scherer seit 1991 Professor für Mikrobielle Ökologie an der Technischen Universität München.

Wahrscheinlichkeiten
Wir wollen eine Aminosäurenkette von 100 Aminosäuren erhalten, damit wir das per Definition kleinstmögliche Protein haben.
...
Selbst wenn sich jede Sekunde so viele Moleküle zusammenketten, wie es Wassermoleküle in den Weltmeeren gibt (das sind rund 4,65 · 10 hoch 46 - [465 mit 44 Nullen dran]), müssten über 3 Billion Erdzeitalter vergehen (angesetzt mit 4,5 Mrd Jahren), bis sich auch nur eine solche Sequenz einmal bilden würde, die dann natürlich keine sinnvolle Funktion, sondern eine zufällige (chaotische) Abfolge von Aminosäuren aufweist.


Diese Zahlen zeigen, es gibt keinerlei Anlass an Zufall zu glauben. Begründeter wäre Frage nach dem Geisteszustand eines Menschen, der behauptet, Evolution sei Zufall. Dennoch geschieht es in beinahe jeder populärwissenschaftlichen Schrift und in Dokumentationen und so muss man nach dem Geisteszustand der medialen Vermittler von Wissenschaft fragen.

Aus meiner Sicht stehen wir nach dem Zusammenbruch der Glaubenswelt zwischen zwei Welten. Zwischen der Phase der "Vater Religion" (Einstein) und der Phase einer "kosmischen Religiosität" (Einstein). Diese Zwischenphase ist einerseits bestimmt von Atheismus, andererseits vom Rückfall oder Festahalten an der "Vater Religion". Die Diskussionen sind bestimmt von diesen beiden Optionen, da eine dritte Option noch nicht ins allgemeine Bewusstsein vorgedrungen ist. Dennoch gibt es sie im Buddhismus, bei den Mystikern des mittleren Ostens, Europas und Asiens. Der Buddhismus hat sich in Europa nicht etabliert, weil kulturfremd. Der Mystik haftet noch der Staub einer überkommenen Kulturstufe an.
Ludwig Feuerbach (Religionsformen als Marker einer Entwicklung des Bewusstseins)

Die Wissenschaft am Ende:
Der Münchner Physikprofessor Philipp von Jolly, bei dem Planck sich 1874 nach den Aussichten erkundigte, kommentierte Plancks Interesse an der Physik mit der Bemerkung, dass „in dieser Wissenschaft schon fast alles erforscht sei, und es gelte, nur noch einige unbedeutende Lücken zu schließen“ – Eine Ansicht, die zu dieser Zeit von vielen Physikern vertreten wurde. Sollten sich die Stimmen häufen, die von einem Ende der Wissenschaft sprechen, wäre das ein Hinweis auf eine bevorstehende wissenschaftliche Revolution. Wissenschaft wird nie ein Ende haben und so resümiert der Autor des Artikels: "Morton irrt. Es gibt genug zu tun. John Horgan ist eine intelligente Provokation gelungen, rhetorisch brillant und kenntnisreich. Eine Provokation, die Taten und neues Nachdenken verlangt. Der Originaltitel jedoch geht zu weit. "The Ends of Science" sollte das Werk zunächst heißen. "Der Titel war für ein breites Publikum zu subtil", verteidigt sich Horgan, als sei die Annahme von Grenzen in der Wissenschaft nicht schon provozierend genug."
Vielleicht war der Titel ja auch die Idee des Verlags. Provokation steigert die Auflage und Papier ist geduldig.

#7 RE: Die Urknalltheorie von W.L. 02.03.2017 15:21

Kritik an einer Teleologischen Deutung der Urknalltheorie
Nach Meinung von E. Sober, sowie M. Ikeda und B. Jefferys ist die Annahme eines ansonsten unspezifizierten Schöpfers keine Erklärung für die Feinabstimmung, da dieser Schöpfer, der machtvoll genug ist, Universen zu erschaffen, auch in einem nicht feinabgestimmten Universum Leben erschaffen könnte. Selbst wenn in einem Universum keine der als feinabgestimmt geltenden Konstanten die richtige Größe hätte, so wäre es für ihn sicher auch möglich, in diesem ansonsten lebensfeindlichen Universum an einem lokalen Ort für Bedingungen zu sorgen, welche Leben ermöglichen würde. Wenn z. B. die Wechselwirkungkonstanten der Kräfte nicht die korrekten Größen hätten, so dass Kohlenstoff-12 nicht auf natürlichem Wege entstehen könnte, so könnte ein allmächtiger Schöpfer durch übernatürlichen Eingriff trotzdem das zum Leben nötige Kohlenstoff-12 entstehen lassen. Wäre das Universum durch einen Schöpfer geschaffen worden, so gäbe es dieser Ansicht nach keinen Grund, ein feinabgestimmtes Universum zu erwarten, und demnach bietet die teleologische Hypothese keine Erklärung für eine Feinabstimmung des Universums.

Diese Kritik zielt auf eine allmächtige Gottheit. Dieses "Modell" ist überkommen, die Kritik ebenfalls. Das Eingreifen eines allmächtigen Wesens ist nicht erforderlich. Der Rücksturz ins Mittelalter unterbleibt vorerst. Im Übrigen ist Allmacht für sich schon ein Widerspruch. "Wäre Gott allmächtig, dann sollte er einen Stein erschaffen können, den er selbst nicht aufheben kann".
Die "Quasi teleologische Deutung" betrifft das nicht. Sie überschneidet sich eher mit einer Theorie ohne feinabgestimmte Konstanten da diese Konstanten während des in Erscheinungstretens eines vieldimensionalen Einheitsbewusstseins von selbst auftreten. Sie bilden quasi nur ab, was schon da ist. Außerdem würde ein Eingreifen von außen den Plan der kosmischen Evolution stören. Dieser Plan enthält die Freiheit der sich entfaltenden Individuen. Diese Lösung ist, nach meinem Dafürhalten, die beste aller möglichen Welten. Sie vermag außerdem einiges zu erklären und bleibt für alle wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse offen.

Bis auf Weiteres werden wir uns mit der Erklärung der Urknalltheorie noch in Geduld üben müssen. Was derzeit tobt, sind Ablösungskämpfe von Resten mittelalterlicher Vorstellungen. Die eine Fraktion flüchtet sich in eine agnostische Zufallstheorie, die Andere hält am Mittelalter fest. Solange es um Weltanschauungen geht, bleibt die Diskussion beiderseits irrational.

Prof. Dr. B. K ANITSCHEIDER (*1939) seit 1974 Lehrstuhl für Philosophie der Naturwissenschaften am Zentrum für Grundlagen der Wissenschaften an der Universität Giessen. KANITSCHEIDER sagt ganz offen, dass er die Vielweltentheorie „vom wissenschaftlichen Standpunkt aus“ vorzieht, „denn sie bleibt im Rahmen einer naturalistischen Ontologie; es werden viele physikalische Welten gebraucht, aber keine transzendent-metaphysischen.“ Ein „transzendenter Koordinator“ scheint damit überflüssig zu sein.
Zitat aus Das kosmologische anthropische Prinzip, Die merkwürdige Feinabstimmung der Naturkonstanten, Prof. Dr. Peter C. H Hagele; Angewandte Physik, Universit Ulm, S.34

Dieser Ansicht sind viele Forscher. Sie bekunden jedoch offen, dass sie einen "transzendenten Koordinator" ablehnen. Eine religiöse Vorstellung der Stufe "Vaterreligion"(Einstein). Die der Forschung zugrunde liegende Philosophie des Naturalismus ist eine reduktionistische Philosophie, der zufolge es keine Erscheinungen gibt, die nicht materielle Ursachen als Grundlagen haben könne.

Daraus bildete sich die reduktionistische Auffassung heraus, alles sei zum Beginn des Urknalls schon da gewesen, habe sich aus diesem Anfang heraus gebildet. Das schließt z.B. alle Gedanken, die je gedacht wurden und je gedacht werden können ebenfalls mit ein. Ein totaler Determinismus, der alleine aufgrund der Emergenz nicht haltbar ist. Emergenz bedeutet Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente. Es würde auch eine totale Kausalität erfordern. Alles, was existiert müsste eine Ursache haben. Was wir aber in der Quantenphysik beobachten, ist gerade das Gegenteil. Ein totaler Indeterminismus. Wir können nicht wissen, wo sich ein Elektron im Atom aufhält (Unschärferelation) und wir können auch nicht wissen, wann ein Atom zerfällt (Radioaktivität), nur die statistischen Aussagen, geben Auskunft darüber. Das ist aber nicht mehr wert, als etwa die Angabe der Wahrscheinlichkeit auf einen Lottogewinn. Dennoch bilden sich Gesetzmäßigkeiten heraus, die wir beschreiben können.



Ich meine, es gibt eine dritte Möglichkeit (Quasiteleologische These Die Urknalltheorie). Die Offenbarung eines präexistenten Bewusstseins. Diese Option braucht keinen Schöpfer, der etwas so oder so einstellt, denn das "Sosein" dieses Bewusstseins bringt den Kosmos hervor. Diese Hervorbringung offenbart lediglich präexistente Strukturen, ist andererseits aber als reines Bewusstsein frei und ermöglicht so eine neue Entwicklung. Der Mechanismus einer solchen Entwicklung ist aber ebenfalls dialektisch vorgeprägt (Hegel)

Die Welt ist in ihrem innersten Wesen vollkommen frei, weil unerkenbar, wie auch der Mensch frei ist. Diese These birgt eine Antithese, nämlich, dass der Mensch und auch die Natur Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind. Diese Gegensätze sind aufeinander bezogen und vernichten sich gegenseitig in einem Kampf. Auf diese Weise entsteht Neues, einerseits durch Kampf und Vernichtung, in welchem sich beide Gegensätze emporheben und neues bilden. Im Fall des Menschen und der lebendigen Natur entfaltet sich Bewusstsein und Leben, im Falle der unbelebten Natur der Kosmos.

Sie begreift die Verschiedenheit philosophischer Systeme nicht so sehr als die fortschreitende Entwicklung der Wahrheit, als sie in der Verschiedenheit nur den Widerspruch sieht. Die Knospe verschwindet in dem Hervorbrechen der Blüte, und man könnte sagen, daß Jene von dieser widerlegt wird; ebenso wird durch die Frucht die Blüte für ein falsches Dasein der Pflanze erklärt, und als ihre Wahrheit tritt jene an die Stelle von dieser. Diese Formen unterscheiden sich nicht nur, sondern verdrängen sich auch als unverträglich miteinander. Aber ihre flüssige Natur macht sie zugleich zu Momenten der organischen Einheit, worin sie sich nicht nur nicht widerstreiten, sondern eins so notwendig als das andere ist, und diese gleiche Notwendigkeit macht erst das Leben des Ganzen aus. Aber der Widerspruch gegen ein philosophisches System pflegt teils sich selbst nicht auf diese Weise zu begreifen, teils auch weiß das auffassende Bewußtsein gemeinhin nicht, ihn von seiner Einseitigkeit zu befreien oder frei zu erhalten und in der Gestalt des streitend und sich zuwider Scheinenden gegenseitig notwendige Momente zu erkennen.
Phänomenologie des Geistes, Vorrede, G.W.F. Hegel

Diese Option einer quasiteleologischen Entfaltung des Kosmos enthält einerseits eine vorgeprägte Dialektik (These, Antithese, Überwindung und Höherschreiten in der Synthese, (Hegel)), andererseits den Prozess selbst, der permanent Neues innerhalb einer naturgesetzlich bedingten Welt hervorbringt. Dieses Neue ist aus der Freiheit des unerkennbaren Seins möglich.

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