#1 Das Weihnachtsmysterium von W.L. 16.12.2016 14:26

Begibt man sich abseits des Rummels um Weihnachten in den Tagen vor der Wintersonnwende in die Natur, so ist dort eine intensive Stille hörbar.

Die Sonne wandert im Jahresrhythmus auf ihren Tiefpunkt zu. Der kürzeste Tag bricht am 21./22. Dezember an, dann hat die Sonne ihren Tiefstand erreicht, es ist der Tag der Wintersonnwende.



An diesem Tag feierten die Kelten das Julfest (wikipedia/Julfest), in den nördlichen Regionen die Mittwinternacht.

Die große Bedeutung dieses Festes liegt auf der Hand. Die alten Kulturen hofften und wussten, dass die Tage ab dem Mittwinter wieder länger werden, dass die dunkle Zeit des Jahres zu Ende gehen wird. Die steinzeitlichen Kulturen hatten keine Kalender. Sie mussten ihre Jahresfeste an den Bewegungen von Sonne und Mond ablesen und errichteten zu diesem Zweck Rundanlagen, aus deren Mitte sie Auf- und Untergänge anpeilen konnten.

Im englischen Stonehenge konnten Archäologen im Jahr 2013 eine Schmelzwasserrinne freilegen. Man vermutet, dass die Erbauer diese Rinne als Peilrinne nutzten, um das Stonehengemonument zu errichten. Das bedeutet, dass Stonehenge primär auf den Zeitpunkt der Wintersonnenwende hin orientiert wurde und dass die restlichen Peilrichtungen dann hinzukamen.
Quelle: wikipedia/Stonehenge
Sowie: theguardian, Stonehenge was built on solstice axis, dig confirms

Das 3.150 v. Chr. erbaute Ganggrab Newgrange in Irland besitzt eine innere Kammer, in die jedes Jahr nur an wenigen Tagen um die Wintersonnenwende herum bei Sonnenaufgang ein Sonnenstrahl fällt. Für rund 15 Minuten stehen dann Sonne, die Öffnung über dem Grabeingang, der 22 Meter lange Gang und die Grabkammer an seinem Ende genau in einer Linie. Ein Lichtfleck fällt direkt in die Grabkammer.
Quelle: Himmelskompass und Jahreskreis
Die Sonne als steinzeitlicher Richtungs- und Zeitgeber, Scinexx, 01.02.2008


Der Bochumer Kreisgraben erlaubt die Festlegung der Daten von Wintersonnenwende. Zusätzlich konnten Frühlings- und Herbstbeginn sowie der Sonnenstand des Maiabendfests (30. April) festgelegt werden. Die aus der Rössener Kultur (ca. 4600 v. Chr.) stammende Anlage hatte einen Durchmesser von knapp 50 m.
Quelle: Sagenhaftes Ruhrgebiet, 6500 Jahre Maifest am Harpener Bockholt

Auch das Sonnenobservatorium von Goseck in Sachsen-Anhalt, eine knapp 7.000 Jahre alte steinzeitliche Henge-Struktur verweist auf die Wintersonnenwende. Es ist eines der ältesten Belege für die große Bedeutung der Wintersonnenwende, 4000 Jahre vor der christlichen Zeitenwende.
Quelle: Scinexx, 01.02.2008, 2.000 Jahre vor Stonehenge…
Das Sonnenobservatorium von Goseck


Das Christliche Weihnachten dürfte sich an diesem Fest, das nicht nur in allen Regionen Europas schon vor dem Erscheinen christlicher Missionare gefeiert wurde, orientiert haben. Die Geburt Christi lag historisch gesehen keinesfalls an diesem Tag. Es war die Macht der bestehenden Traditionen, welche die ersten Christen, Philosophen und Wissende alter Zeiten veranlasst haben mag, den Tag der Geburt Christi in die Nähe der Wintersonnenwende zu verlegen. Historische Nachweise hierzu gibt es durchaus: (wikipedia/Julfest).

Allegorisch liegt es jedenfalls nahe, die Wiedergeburt der Sonne mit der Geburt Christi gleichzusetzen. Dies nicht nur, dem kulturellen Druck der älteren Traditionen gehorchend, sondern wohl auch der Idee folgend der Christusfigur etwas Universelles zu verleihen:

Furius Dionysius Filocalus beschrieb diesen 25. Dezember als das Datum der Geburt Jesu Christi im Chronograph von 354. Die Entwicklung der Feste zu Ehren des jeweiligen Gottes hatten offensichtlich die gleichen neuplatonisch-solarmythologischen Wurzeln und standen in einem engen Austausch. Beide Seiten assoziierten sich mit der „neu entstehenden Sonne“ zur Wintersonnenwende.
wikipedia/Wintersonnenwende]wikipedia/Wintersonnenwende

Ein ähnliches solarmythologisches Relikt findet man in den Texten Jakob Böhmes.

Jakob Böhme:
Aurora oder Morgenröte im Aufgang
Das 10. Kapitel

9. Merke, wie dies geschieht: Wenn die herbe Qualität sich mit der bittern reibet, daß die Hitze in dem süßen Quellwasser aufgehet, so zündet die Hitze das süße Quellwasser wie ein Blitz an, und derselbe Blitz ist das Licht. Der fähret in der Hitze in die bittere Qualität, da wird der Blitz entschieden nach aller Kraft.



Eine Darstellung der Rosenkreuzer aus der Sammlung "Die geheimen Figuren der Rosenkreuzer". Der Böhmetext erklärt diese und umgekehrt.
Unten "Hitze", oben das "süße Wasser", rechts und links "Bitter" und "Herbe", erzeugen den "Schrack", eine Art von Schock oder Blitz, der das Licht entzündet und die Rose mit Christus in ihr, mit den feinen Qualitäten "Liebe", "Hall" und "Natur" hervorbringt
Die "Wiederherstellung und Neumachung" kommt, wie Böhme es an verschiedenen Textpassagen erläutert, aus den nachfolgend erwähnten drei verborgenen Qualitäten, "Liebe", "Hall" und "Natur", die "quinta essentia" der Alchemie.

Die herbe Qualität ist bei Böhme eine Kraft, welche der Natur innewohnt. Sie ist dem astrologischen Qualität Saturn ähnlich. Sie konzentriert und verdichtet überall dort, wo sie wirkt. Ihr entgegen wirkt die bittere Qualität. Eine zerteilende und zerstörende Energie, in etwa der astrologischen Kraft des Mars entsprechend. Wirken beide aufeinander ein, so entsteht „Hitze“, die vierte Qualität. In modernen Begrifflichkeiten würde man die Qualität Herbe mit Druck, die Qualität Bitter mit Reibungswiderstand übersetzen können. Wir wissen heute, dass durch Druck und Reibung Wärme entsteht. Um den Böhmeschen „Blitz“, den beide Qualitäten erzeugen, Dauer zu verleihen, braucht es die süße Qualität. Wir verstehen heute darunter die Brennbarkeit eines Stoffes, etwa das Öl in den Pflanzen, im Holz brennbare Cellulose.



Nicht nur in der irdischen Chemie führen Druck und Reibung brennbarer Stoffe zur Flamme. Auch Sternenstaub wird durch Gravitation (herbe Qualität bei Böhme) verdichtet. Der Widerstand, den Stoffe jeder Verdichtung entgegensetzen (bittere Qualität bei Böhme), führt zu immer höheren Temperaturen und bringt Materie schließlich zum „Zünden“ und zum Aufleuchten. Dabei ist ausreichend Brennstoff (süße Qualität), die Voraussetzung:

Die abgeschnürten kompakten Gebilde in den Nebeln, die sogenannten Globulen, können dann quasi im freien Fall in kurzer Zeit (für 1 Sonnenmasse dauert das etwa 107 Jahre) weiter kollabieren und sich dabei aufheizen, bis bei hinreichend hohem Druck und einer Zentraltemperatur von mehreren Millionen Kelvin die Bedingungen für das Zünden der Fusion von Wasserstoff zu Helium geschaffen sind. Globulen müssen daher eine Mindestmasse von ca 7% einer Sonnenmasse besitzen.
leifiphysik.de/astronomie/fixsterne/sterngeburt



Es scheint sich, wie bei Böhme in visionärer Schau vorgetragen, um ein allgemeines Naturprinzip zu handeln. Der Philosoph aus Görlitz spricht jedoch nicht nur von vier Naturprinzipien, Herbe, Bitter, Süß und Hitze, sondern von sieben Qualitäten göttlichen Seins. Die letzten drei nannte er Liebe, Hall und Natur. Es sind die geistigen Aspekte, welche verborgen in den ersten dreien liegen. Sie werden durch eine Art von Schock, Böhme spricht vom „Schrack“ zum Leuchten und Erscheinen gebracht. Als sinnfälliges Gleichnis beschreibt der Schuster aus Görlitz wie sich die Flamme einer Kerze entzündet.

Der Theosoph, Pantheist und Philosoph Jakob Böhme sieht in seiner mystischen Schau alle sieben Kräfte in der Natur und gleicherweise im Menschen wirkend.
Das Wort Theosophie (von griech. θεοσοφία für „Göttliche Weisheit“) ist eine Sammelbezeichnung für mystisch-religiöse und spekulativ-naturphilosophische Denkansätze, die die Welt pantheistisch als Entwicklung Gottes auffassen, alles Wissen direkt auf Gott beziehen und in dieser Verbindung Gott oder das Göttliche auf einem Weg intuitiver Schauung unmittelbar zu erfahren trachten. Theosophische Züge finden sich unter anderem in den mystischen Lehren von Jakob Böhme, Friedrich Christoph Oetinger, Paracelsus, Emanuel Swedenborg und Louis Claude de Saint-Martin, der jüdischen Kabbala und der russischen Religionsphilosophie.
wikipedia/Theosophie

Die astronomische Ursachen der vier Jahrespunkte liegt in der Schräglage der Erdachse gegenüber der Ekliptik. Die Ekliptik ist Ebene welche die Erde in ihrem Lauf um die Sonne aufspannt. In der Ekliptik liegt der Tierkreis. Sein Nullpunkt (0° Widder), ist mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche identisch. Um diese Zeit feiern wir Ostern.



Weiterführende Hinweise:
Jesus Christus, Mythos oder Historie
Christentum, Gnosis, Rosenkreuz

#2 RE: Das Weihnachtsmysterium von W.L. 21.12.2016 09:40

Heute Morgen, 21. Dezember, ging die längste Nacht des Jahres zu Ende. Die Sonne hat ihren Tiefstand erreicht, die größte Finsternis ist hereingebrochen, der Umkehrpunkt erreicht. Licht hat sich entzündet.

5. Nun merke: Wenn der Blitz im Centro aufgehet, so stehet die göttliche Geburt in voller Wirkung. In Gott ist es immer und ewig also, aber in uns armen Fleischeskindern nicht. In diesem Leben währet die triumphierende göttliche Geburt in uns Menschen nur solange, als der Blitz wäret. Darum ist unsere Erkenntnis stückweise, in Gott aber stehet der Blitz unveränderlich immer und ewig also.
Aurora, Kap. 11,5

Analog dazu ordnen sich die Moleküle einer Schmelze unter großen Druck, Kristallisationswärme wird abgegeben, die Schmelze wird zum Kristall.

Im Kristall überwindet die Materie ihre Ur-Eigenschaft, die Undurchsichtigkeit. Materie wird durchsichtig (E. Haich)

Da Vincis Christus hält eine Kristallkugel in seiner linken Hand. Die rechte ist segnend erhoben.
Wollte da Vinci die gleiche Idee vermitteln? Christus wird in dieser Lesart seiner Personalität enthoben und wird zum "Licht der Welt", welches im Kristall Materie durchdringt. Eine Anlehnung an den Johannesprolog: "Das Licht scheint in der Finsternis, ..."

Die spirituellen Wurzeln der drei alchimistischen Substanzen Sal, Sulfur und "Merkurius" werden sichtbar. Jakob Böhme bezeichnet sie mit den Begriffen Herbe, Bitter und süßes Wasser. Die vierte Qualität Hitze, eröffnet die spirituellen Aspekte Liebe, Hall und Natur.

12. Nun merke: Die holdselige Liebe, welche ist der fünfte Quellgeist in der göttlichen Kraft, ist der verborgene Quell, den das korporalische Wesen nicht begreifen oder umfassen kann als nur, wenn er in dem Corpus aufgehet, so triumphieret das Corpus darinnen und gebäret sich freundlich und lieblich. Denn er gehöret nicht zur Bildung eines Corpus, sondern gehet in dem Corpus auf wie eine Blume aus der Erden.
Aurora, Kap.9,12
Magnetismus, Anziehung

Der sechste Quellgeist in der göttlichen Kraft ist der Schall oder Ton, daß alles darinnen schaltet und tönet, daraus die Sprache und Unterscheid aller Dinge erfolget.
Aurora, Kap.10,1
Schwingung und Formung

Der siebente Geist Gottes in der göttlichen Kraft ist der Corpus, der aus den andern sechs Geistern geboren wird, darinnen alle himmlischen Figuren bestehen und darinnen sich alles bildet und formet, und darinnen alle Schönheit und Freude aufgehet. Das ist der rechte Geist der Natur, ja die Natur selber, darinnen die Begreiflichkeit stehet und darinnen alle Kreaturen formieret sind im Himmel und auf Erden.
Aurora, Kap. 11,5
Wandel, Wechselwirkung

Die Sternentstehung endet mit dem "Zünden" des "Heliumbrennens", dabei verschmelzen die Kerne des Wasserstoffs zu Helium. Es entsteht Licht und Wärme. Das war Voraussetzung für die Entstehung unseres Planetensystems, Voraussetzung für 4,5 Milliarden Jahre der Evolution auf unserer Erde. Ergebnis war die Hervorbringung von Leben und Bewusstsein.

Evolution ist ein bisher unverstandener Prozess, welcher dem zweiten Hauptsatz der Wärmelehre widerspricht. Der Kosmos sollte, gemäß dem Gesetz der Entropie (zweiten Hauptsatz der Wärmelehre) den Wärmetod sterben. Die Mystik Böhmes widerspricht dieser Physik, in dem sie die Hervorbringung der spirituellen Wurzeln der drei Bildekräfte dieser Welt als einer Ganzheit von sieben Kräften beschreibt. Diese Siebenheit steht im Gleichgewicht zwischen Stoff und Geist. Stoff und Geist bedingen einander, wechselwirken miteinander und bilden eine allem zugrunde liegende Einheit, die der Mensch aufgrund seiner "Blindheit" nicht erkennen kann.

Das Weihnachtsmysterium bildet das Zentrum, den Punkt größter Verdichtung, größter Finsternis, den Umschlagpunkt, an dem sich die geistigen Wurzeln der Welt öffnen und sichtbar werden, wie es ein altes Weihnachtslied besingt:

Es ist ein Ros(Reis) entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.


Der Christus der Rosenkreuzer ist eine universelle Allegorie, die Geburt Christi eine Legende, die es dem Volk in lebhaften Bildern nahebringt. Die Wissenden erkennen die verborgene und universelle Wahrheit und folgen dem Stern ihrer Erkenntnis, um der Wahrheit ihren Reichtum in Form von Weihrauch, Myrrhe und Gold zu opfern. Sie haben ihre Territorien, ihre Terra verlassen um ihrem Stern zu folgen, sich auf die Suche zu machen, um ihm zu dienen und zu opfern. Der Herr des Landes nicht.

Diese neue Erkenntnis, das "göttliche Kind", das neue Bewusstsein wurde seit eh und je verfolgt. Der Mensch versucht es immer, wenn es zum ersten mal in ihm erwacht, zu bekämpfen und zu tilgen. Ebenso werden neue Ideen (geistige Geburten), von konservativen Menschen stets bekämpft. Innen und Außen spiegeln sich, das Kollektiv ist Abbild des Einzelnen.
Mythologisches Motiv des Kindermords:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kindermord..._der_Mythologie

Die Bilder der Bibel sind reine Allegorie, wurden von Wissenden erschaffen, von Unwissenden missbraucht und heute belächelt ...
Diese Bilder befinden sich nicht nur in der Bibel, sondern in allen Mysterien, die von Wissenden erschaffen wurden:



(Der Entwurf dieser Oper stammte weder von Schikaneder noch von Mozart. Der Eine schuf den Text, der Andere die Musik ... )

#3 RE: Das Weihnachtsmysterium von W.L. 21.12.2016 10:54

Noch heute ist jedoch ein spiritueller Instinkt im Menschen verblieben, der ihn dazu treibt, das Weihnachtsfest, wenn auch oft in missbräuchlicher Weise, zu feiern.

#4 RE: Das Weihnachtsmysterium von Akelei 21.12.2016 12:54

avatar

Eine mystische Nacht... durch und durch... obwohl zeitlich leider ein wenig verschoben. - Die Nacht vom 20. -auf 21. Dez. wäre mir lieber...

Das Weihnachtsfest erlebte ich in der Regel (sehr wenige Ausnahmen) immer schön und friedvoll.
Es ist mir ein Anliegen, dass dies so war und ist... und irgendwie hat es sich immer so gefügt... trotz mancher Schwierigkeiten im Leben.

Für mich ist das Räuchern ein sehr wesentlicher Bestandteil... mit gutem Rauchwerk spaziere ich durchs ganze Haus.. - alleine... auf die Stimmung in jedem Raum achtend...
und Lichter............ viele.... überall verteilt...... - Licht in die Dunkelheit bringen.
...
Meine Eltern haben mich gelehrt zu feiern........ - ich feiere gerne Feste, eingebunden in Traditionen und Riten....
Ich freue mich auf das kommende Fest!

Ach ja... W.L.. - sehr interessant wieder mal zu lesen...

#5 RE: Das Weihnachtsmysterium von W.L. 23.12.2016 09:22

Räuchern ist, so denke ich, eine Art der Weihe.

Im Sinne Jakob Böhmes, die Sichtbarmachung der spirituellen Aspekte der drei Grundkräfte, die nach Böhme die sichtbare Welt strukturieren und bilden.

"Sal-Nitri" oder die Herberge
Das Haus ist eine Metapher für den statischen Aspekt, den die drei Grundkräfte im Endzustand herausbilden. Das Quadrat oder der Kubus ist Emblem des alchimistischen "Sal-Nitri" (Bohme). Ein Punkt der Erstarrung und Kristallisation.

Die Jungfräuliche Empfängnis
Dieser wird von der NATUR, die nach Böhme, immerwährender Wandel ist als fester Punkt benutzt, an dem sie den Hebel ansetzt, um die drei geistigen Aspekte der drei Grundkräfte hervorzubringen. Das ist Geburt. Diese vollzieht sich in jeglicher Entwicklung, wenn man Jakob Böhme hier folgen will. Im NT wurde das sehr schön allegorisiert, denn die Hl. Jungfrau hat ja vom Hl. Geist empfangen und natürlich ist diese Geburt nicht Ergebnis menschlicher Zeugung. Die Auseinandersetzung mit dem Thema jungfräuliche Empfängnis ist nichts weiter als ein großes Missverständnis, das die Unwissenheit der katholischen Kirche offenbart. In jeder Knospe vollzieht sich dieser Prozess, daher ja auch dieses schöne Lied "Es ist ein Ros entsprungen", wobei die Originalstelle bei Jesaia das "Reis", also einen Spross meint.

Diese alten Traditionen atmen noch das spirituelle Wissen, das in unseren Regionen vermutlich von den Druiden gekommen sein könnte. Es gab aber auch in der etablierten Kirche einige Wissende und meiner Meinung nach, haben sie das Christentum dem alten Traditionen angepasst und zur Deckung gebracht. Ein wichtiger Akt war die Verlegung der Geburt Christi in die Nähe der Wintersonnwende. Man spricht von einem Synkretismus. Die totale Ablehnung christlicher Traditionen halte ich für falsch, weil beides, die alten und die christlichen Traditionen zu einem sehr schönen Gebilde des Brauchtums geworden sind. Wir sollten es bewahren.

#6 RE: Das Weihnachtsmysterium von W.L. 19.12.2018 18:35

Fake News in der Antike!?
Der Kindermord hatte nie stattgefunden!
Die Zitate:

Die Magier aus dem Osten
1 Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem, die sprachen:
2 Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen.
3 Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt und ganz Jerusalem mit ihm;
4 und er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle.
5 Sie aber sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht durch den Propheten geschrieben:
6 "Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten Judas, denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel hüten wird."
7 Dann berief Herodes die Weisen heimlich und erforschte genau von ihnen die Zeit der Erscheinung des Sternes;
8 und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht genau nach dem Kind! Wenn ihr es aber gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihm huldigen.
9 Sie aber zogen hin, als sie den König gehört hatten. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über der Stelle stand, wo das Kind war.
10 Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude.
11 Und als sie in das Haus gekommen waren, sahen sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten ihm, und sie öffneten ihre Schätze und opferten ihm Gaben: Gold und Weihrauch und Myrrhe.
12 Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg hin in ihr Land.
Flucht nach Ägypten - Kindermord zu Bethlehem
13 Als sie aber hingezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Josef im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten, und bleibe dort, bis ich es dir sage! Denn Herodes wird das Kind suchen, um es umzubringen.
14 Er aber stand auf, nahm das Kind und seine Mutter des Nachts zu sich und zog hin nach Ägypten.
15 Und er war dort bis zum Tod des Herodes; damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen."
16 Da ergrimmte Herodes sehr, als er sah, dass er von den Weisen hintergangen worden war; und er sandte hin und ließ alle Jungen töten, die in Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren, von zwei Jahren und darunter, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erforscht hatte.
17 Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht:
18 "Eine Stimme ist in Rama gehört worden, Weinen und viel Wehklagen: Rahel beweint ihre Kinder, und sie wollte sich nicht trösten lassen, weil sie nicht mehr sind."

Elberfelder Studienbibel Matthäus, 2,1-18

Kein vernünftig denkender Mensch würde glauben wollen, dass ein Stern eine Stelle markieren könnte, dass er einen Weg weisen könnte. Das alles scheint keine Geschichte zu sein, eher ein Traum. Warum hat man diese Geschichte jahrhundertelang für bare Münze ausgegeben? Der Gläubige Mensch, wird auch heute nicht auf den Wahrheitsgehalt verzichten wollen. Es gibt selbst heute noch Dokumentationen, die uns weißmachen möchten, es habe den Stern gegeben, also könnte auch die Geschichte wahr sein. Man spricht von einer "großen Konjunktion" zwischen Jupiter und Saturn, etc.
Siehe: Ludwig Feuerbach (Religionsformen als Marker einer Entwicklung des Bewusstseins)

C.G. Jung war davon überzeugt, das diese Legenden einen tieferen Sinn haben, dass sie angefüllt sich mit Archetypen. Das sind Urbilder der Menschheit, die sich über die Jahrhunderte und über die Kulturen hinweg tradiert haben, weil sie im kollektiven Unbewussten schlummern und da und dort in Träumen seiner Patienten wiederkehrten.

Wir haben es also nicht mit Fake zutun, es sich keine Erfindungen, sondern Geschichten, die es überall und immer schon gegeben hatte:
- So soll ein König von Bhojas namens Kamsa versucht haben, den Aufwuchs Krishnas zu verhindern, indem er etliche Kinder hinschlachten ließ.
- Auch dem mythischen König Arthur (Artus) war von Merlin geweissagt, einst würde ihn ein an einem 1. Mai geborenes Kind ablösen. Darum ließ er alle zur fraglichen Zeit geborenen Kinder edler Herkunft, die als Prinzen in Frage kamen, einsammeln und auf ein Schiff verfrachten, das auf hoher See versenkt wurde.
- Laios, der König von Theben, will seinen Sohn Ödipus umbringen lassen, um einem Orakelspruch zu entgehen. Wie in solchen Geschichten üblich, nützte weder Arthur noch Laios ein solches Aufbegehren gegen das Schicksal; denn sowohl Mordred im Falle Arthurs als auch Ödipus entkamen glücklich und wurden aufgezogen.

Wikipedia/Kindermord_in_Bethlehem

Und so ist Bethlehem, hebräisch Beit(Haus)-Lechem(Brot), das Brothaus. Im Arabischen wird es noch deutlicher "bayt lahm" ist das Fleisch-Haus.
Matth. 2.6: "Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten Judas, denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel hüten wird."

Das "Land Juda" wird so zum Menschen, in dem sich diese Geschichten ereignen. Sie sind Indikatoren, Marker bestimmter innerer Bewusstseinsvollzüge.

Was vollzieht sich also mit dem Kindermord? Sind es nicht alle edlen Regungen die, sofern sie uns neu sind, getötet werden. Ihnen wird misstraut, bis sie herangewachsen sind.

Anständigkeit und Ehrlichkeit sind keine Dummheiten, sondern Anzeichen eines reifen Charakters. Sie sind aber auch die Grundbedingungen des achtstufigen Yoga-Systems, wie auch Grundlagen des Buddhismus, des Hinduismus und natürlich auch eines innerlich gelebten Christentums.

Der Kindermord vollzieht sich aber ebenso in unserer Gesellschaft. Jede neue Idee, welche die alte Wahrheit vom Sockel stürzt, wird bekämpft. Max Planck sagte dazu:
"Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist."
Wissenschaftliche Selbstbiographie, Johann Ambrosius Barth Verlag, Leipzig, 1948, S. 22

Der Kindermord ist also ein Archetypus. Das AT und das NT sind Sammlungen archetypischer Legenden.

Weiterführende Hinweise:
Jesus Christus, Mythos oder Historie
Christentum, Gnosis, Rosenkreuz

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