#1 Luzifer als Götterpaar von Philolaos 10.03.2017 02:14

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Über die Frage nach dem Wesen Luzifers, ob gut oder böse, ob männlich oder weiblich, wird man immer wieder stolpern. Und es gibt auch plausible Antworten dazu. Im klarstem Licht steht die Antwort in der Geometrie geschrieben, es geht dabei um die Teiler-Eigenschaften in Form von Polygonsternen, metaphysisch: wie Gott sich geteilt hat. Daraus erklären sich dann auch die entsprechenden hermetischen Symbole, die bei den Rosenkreuzern, Kabbalisten und Freimaurern von Bedeutung sind, jedoch in der Antike ihren Ursprung haben.
Man kann die Antwort aber auch in den religiösen Mythen der Ägypter, der Griechen und sogar in der Bibel finden. Götter sind immer auch Götterpaare (zB. Isis und Osiris).

Im Talmud ist schon mal von zwei Göttern (höchsten Prinzipien) die Rede, im weitestem Sinne vom ersten und vom zweiten Gott. Der erste Gott herrscht über die intelligible Welt (die rein geistige Welt), wogegen der zweite Gott auch Metatron genannt, über die sichtbare materielle Welt herrscht. Jetzt kann man darüber mutmaßen, ob Metatron und Luzifer (der schönste aller Engel) ein und das selbe Prinzip ist.
Luzifer wird auch als Herr der Welt beschrieben. In der Offenbarung Johannes stürzt der "Drache Luzifer, die alte Schlange" auf die Erde und verführt die Menschen. Die Versuchung Jesu in der Wüste handelt auch davon, dass der Versucher, also der „Teufel“ (Alias der gefallene Engel Luzifer) persönlich Jesus die Herrschaft über die gesamte Welt verspricht, so er niederfällt, und ihn anbetet.
Interessanterweise wird aber auch Jesus selbst als "Das Licht der Welt", also als der Lichtbringer schlechthin angebetet. Unterstrichen wird diese Metapher noch mit dem Stern von Bethlehem.
Ohne mich jetzt in Details zu verlieren, sehe ich hier diesen zweiten Gott bzw. Gott in der Welt, direkt als den Menschen, der in ein „Götterpaar“ geteilt ist:
A: DER MÄNNLICH AKTIVE WILLE
B: DEN PASSIVEN FALL IN DIE WEIBLICHE MATERIE

Also gleichbedeutend mit den zwei Seelen in Goethes Brust oder dem Götterpaar in Mozarts Zauberflöte.
Nun gibt es ja auch diese Zeichnungen vom aufrechten Pentagramm mit eingezeichnetem Menschen und dem gestürzten Pentagramm mit eingezeichnetem Ziegenkopf. Das aufrechte Pentagramm bedeutet: Geist herrscht über die Materie, wogegen das gestürzte Pentagramm mit dem Ziegenkopf andeutet, dass die Naturtriebe der Materie den Geist des Menschen beherrschen.
Dann wird fälschlicherweise ersteres Prinzip als das positive gute und das zweite als zutiefst negativ abgetan. Der richtige Weg besteht jedoch darin, beide Kräfte zu kombinieren in Balance zu halten und sinnvoll und harmonisch in sein Leben zu integrieren, so dass weder religiöser Fanatismus noch grenzenloser Konsumwahn den Menschen das Leben zur Hölle machen.

#2 RE: Luzifer als Götterpaar von Philolaos 10.03.2017 11:51

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Als Ergänzung:
Luzifer der Lichtbringer, als Mensch auch die Jesus-Metapher der das Licht in die Welt bringt, ist noch der Entscheider, Satan hingegen ist bereits komplett in der Materie gefangen, bzw. der in die Materie verstrickte und beherrschte, versklavte Teil des Menschen.

#3 RE: Luzifer als Götterpaar von W.L. 10.03.2017 11:52

Die Zahl Fünf ist kulturhistorisch zweifellos mit der Thematik Gut und Böse verbunden.
Die vollkommene Zahl des Mikrokosmos, Eine Kulturbetrachtung zur Zahl 5
Harmonikal interessant, denn ich denke die Gut-Böse Thematik, ist eine Themarik des Dualismus im Menschen. Exemplarisch in der Trennung, die beim 5. Oberton geschieht.
Hier trennen sich die Tongeschlechter in Dur und Moll.

Die Natur hat damit wenig Probleme, sie ist, wie sie ist und Leben und Tod sind in ihr Notwendigkeiten. Wenn diese natürliche Dualität und Notwendigkeit von Werden und Zerstören im Menschen zu Bewusstsein kommt, dann formuliert sie sich selbst so:



Diese Formulierung erlangt erst durch die Begrenzung auf das Individuum den Charakter des Bösen und ist eine natürliche Entwicklung des Bewusstwerdens. Daher repräsentiert Faust nicht etwas Besonderes, sondern den Menschen schlechthin. Aber nicht jeden Menschen, sondern den, der sich seiner selbst und seiner unabhängigen Natur bewusst wird. Ein solcher sprengt zunächst die Fesseln der Religion ("Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube"), die das Böse immer externalisiert - der Teufel als Versucher ist nichts Weiter, als die unbewusste Weigerung, moralische Schranken einzuhalten. Zu Zeiten wurde diese Projektion noch personalisiert. Mit der inneren Befreiung von religiösen Schranken nimmt der Mensch auch das Böse zurück in die eigene Natur, woher es stammt und erkennt sukzessive die Natur in sich selbst. Daher reflektiert Faust die Natur in einer romantisierenden Weise, fällt dann wieder zurück in sein Einzeldasein und erkennt es als Kerker.

Die transformierte und frei werdende Naturenergie allegorisiert als Mephisto, nutzt der von religiösen Skrupeln frei gewordene, um seine eigenen Erfahrungen zu machen und scheitert am Ende. Er schreitet mit dem Erfahrungsschatz des Scheiterns an moralischen Schranken, nun mit einer verinnerlichten Ethik, die keine Regeln mehr braucht und duldet, vorwärts. - Faust, 2. Teil.

Das ist der tiefere Sinn des Sündenfalls. Es ist der Fall in die Isolation des Einzeldaseins. Der Mensch ist auf sich selbst zurück geworfen. Die Ursache dieses Sündenfalls liegt in jenem Tier, "Und die Schlange war listiger[klüger] denn alle Tiere auf dem Felde" 1 Mos. 3.1. Ich würde spontan sagen, "klüger" und nicht "listiger". Der Intellekt setzt den Menschen in die Lage, sich selbst als Einzelwesen zu begreifen. Das Tier - wenn in der Natur - kann dies nicht. Es folgt dem Gruppeninstinkt. Erst durch die Zähmung erlangt ein Tier einen gewissen Grad der Individualisierung, somit auch einen gewissen Grad an Intelligenz (Schlauheit). Weil wir es ständig als Einzelwesen mit Namen ansprechen, entfremden wir es der Natur.
In der Legende vom Sündenfall geht es darum, "von den Früchten des Baumes der Erkenntnis zu essen". Von etwas zu essen, bedeutet, damit identisch zu werden. Es geht um die Identifikation mit dem Einzeldasein und diese Identifikation führt aus dem Garten Eden, aus dem naturhaften Dasein heraus.

Ein zurück in den naturhaften Zustand, birgt immer Perversion. Es gab solche regressive Bewegungen in der jüngeren Geschichte, z.B. in den Ideologien des Nationalsozialismus und des Kommunismus. Das waren Wege, die den Menschen in ein naturhaftes kollektives Dasein zwingen wollten, verbunden mit dem totalen Verlust der Individualität, zugunsten eines größeren Ganzen -> Ideologien
August, 27.8.2016, der Hakenkreuz-Kornkreis

Die progressive Formulierung kam mit Kant. Er hat mit seinem Kategorischen Imperativ eine Bresche gechlagen:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Immanuel Kant: AA IV, 421[3]

Das massenhafte Zuwiderhandeln schädigt die Gemeinschaft nachhaltig und bewirkt ihren Untergang. Das kann nicht in der Absicht des Einzelnen sein. Damit kehrt der Mensch zurück in eine Sicht auf das Ganze, wie sie der Natur im Rahmen eines großen evolutionären Prozesses ebenfalls zu eigen zu sein scheint.

Diese Thematik greift immer Embleme wie das Pentagramm, das Hakenkreuz auf und verweist damit auf ihre Geometrie. Das ist zunächst sehr rätselhaft. Es scheint im Archetypus der Zahl Fünf, etwas verborgen zu sein, was sich immer wieder in diesem Zusammenhängen äußert.

#4 RE: Luzifer als Götterpaar von Philolaos 12.03.2017 15:49

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Diese harmonikale Besonderheit des 5. Obertones, die Trennung in Dur und Moll ist in der Tat bemerkenswert. Dur, das freundliche aufhellende „gute“ Prinzip, Moll dagegen das dunkle traurige „böse“ Prinzip. In der Harmonik stehen wir einem unmittelbaren Erleben der Qualität der Menge 5 gegenüber, eigentlich 5 geteilt durch 2.
Geometrisch symbolisch das Pentagramm als Zeichen für den Menschen.
Mit der Spitze nach oben gezeichnet ist es das lichte Symbol des Menschengeistes, die Herrschaft über die vier Elemente. Gestürzt symbolisiert es die dunklen Triebe, die Verstrickung in die Materie. Um das symbolisch zu unterstreichen, ist noch ein Ziegenkopf in das gestürzte Pentagramm eingezeichnet.
Die zwei Herzen in der Brust Goethes.
Im alten Testament gibt es auch die passende Geschichte dazu:
Der Hohepriester nahm für den jährlichen Sühnetag zwei junge Ziegenböcke von der Gemeinde der Söhne Israels. Durch das Los wurde ein Bock „für Gott“ und der andere für „Asael“ bestimmt. Der erste Bock wurde als ein Sündopfer für Gott geopfert. Den Bock für Asael jedoch ließ man am Leben, denn er wurde für Asael in die Wildnis gesendet.
Die Sühne für diesen lebenden Bock stammte von dem Blute des Bockes für Gott, der gerade als Sündopfer geschlachtet worden war.

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