#1 Die vollkommene Zahl des Mikrokosmos, Eine Kulturbetrachtung zur Zahl 5 von W.L. 10.03.2017 11:08

Eine Kulturbetrachtung zur Zahl 5

„Gleich der Zahl Fünf ist auch der Fünfstern Symbol des Menschen, der fünf Finger, fünf Zehen und fünf Sinne hat und - wie aus den Darstellungen von Leonardo da Vinci und Baldassare Peruzzi bekannt - gleich einem Fünfstern in der Welt steht. Die vier Gliedmaßen entsprechen den vier Elementen, während der Kopf die quinta essentia symbolisiert, jenes geheimnisvolle, unsichtbare fünfte Element, das nur dem Menschen zugänglich ist. Nach antiker Lehre besteht alles, was erschaffen ist, aus den vier Elementen Feuer, Erde, Luft und Wasser. Das Unsichtbare, darüber hinausgehende Element, symbolisiert das Wesentliche, die Bedeutung, den Sinn, der in der Schöpfung verborgen ist, und den nur der Mensch zu erkennen vermag. Aristoteles nannte es Äther und die Alchemisten prägten dafür den Begriff Quintes-senz.“
Zitat: Hajo Banzhav
siehe auch: http://www.tarot.de/content/artikel_d.php?id=33

Hildegard von Bingen sieht den Menschen ganz wesentlich durch die Fünf geprägt: Sie teilt ihn senkrecht von Kopf bis Fuß in fünf gleiche Teile, ebenso waagerecht, von den Fingerspitzen des einen ausgestreckten Armes bis zu denen des andern "diese Doppelheit weist auf die heilige Zehn hin" Liber Divinorum Operum.


(Farbstiftzeichnung des Autors 30 x 40cm, alle Rechte vorbehalten)

Illustration zu Hildegard von Bingens zweiten Visionswerk Liber Divinorum Operum.
Inmitten der vier Tiere, die im Süden(Löwe), Norden(Bär), Westen(Wolf) und Osten(Leopard) stehen, erscheint ein Mensch, von den Ringsphären der vier Elemente umgeben. Außen der Feuerring, dann das „schwarze Feuer“, die Luft und das Wasser, sowie eine helle Sphäre der Quintessenz. Die Tiere geben ihren Atem an den Menschen. Beiderseits eines jeden Tieres wirken wiederum Tiere. Links der Krebs(Feucht), rechts der Hirsch(Trocken), untern die Schlange(Kalt), oben das Lamm(Warm)
Darstellung des Autors, nach Texten aus der zweite Vision der Hildegard von Bingen aus dem Buch vom Wirken Gottes (lat. liber divinorum operum).



Das Mandala der friedlichen Gottheiten (Tibetanisches Totenbuch).
Analog zu Christus als Geburt Gottes ist der fünfte Buddha im tibetischen System der Dhyanibuddhas, Maitreya, der kommende. Er inkarniert sich immer wieder auf Erden.


wikipedia/Bardo Thodol

Links, Rosenkreuzerdarstellung, Inmitten der vier Elemente entsteht der Lapis Philosophorum, der nach dem Rosarium Philosophorum, einem bedeutenden alchemistischen Text aus dem 16. Jahrhundert, der Fünfte sei. Er entstehe aus der Quinta Essentia, dem fünften Element.
Rechts, Jakob Böhme: Die Seele als Auge inmitten der vier Attribute Satans, die mit den vier Elementen attributiert sind. Titelkupfer einer frühen Böhmeausgabe.

Bei Jakob Böhme ist die fünfte Gestalt die Liebe. In seiner Schrift Mysterium Pansophicum äußert er sich im fünften Text im Sinne einer Ambivalenz:
Fünfter Text
1. So denn also von Ewigkeit zwei Wesen sind gewesen, so können wir nicht sagen, daß eines neben dem andern stehe und sich fasse, daß eines das andere ergreife; und können auch nicht sagen, daß eines außer[außerhalb] dem andern stehe und eine Trennung sei; nein, sondern also erkennen wirs, daß das Geist-Leben in sich hineingewandt stehet und das Natur-Leben aus sich und vor sich gewandt stehe.
2. Da wirs denn zusammen einem runden Kugelrade vergleichen, das auf alle Seiten gehet, wie das Rad in Ezechiel andeutet.
3. Und ist das Geist-Leben eine ganze Fülle des Natur-Lebens, und wird doch nicht ergriffen von dem Natur-Leben. Und das sind zwei Principia in einem einigen Urstande, da jedes sein Mysterium hat und seine Wirkung. Denn das Natur-Leben wirket bis zum Feuer und das Geist-Leben bis zum Lichte der Gloria und Herrlichkeit; da wir dann im Feuer verstehen den Grimm der Verzehrung der Wesenheit der Natur und im Lichte die Gebärung des Wassers, welches dem Feuer die Gewalt nimmt, wie vorne in den »Vierzig Fragen von der Seelen« gemeldet wird.
4. Und ist uns also erkenntlich eine ewige Wesenheit der Natur gleich dem Wasser und Feuer, welche also gleichwie ineinandergemenget stehen, da es dann eine lichtblaue Farbe gibt, gleich dem Blitze des Feuers; da es dann eine Gestalt hat, als ein Rubin mit Kristallen in ein Wesen gemenget, da es als gelb, weiß, rot, blau in dunkel Wasser gemenget, da es als blau in grün ist, da jedes doch seinen Glanz hat und scheinet und das Wasser also nur ihrem Feuer wehret, daß kein Verzehren allda ist, sondern also ein ewig Wesen in zweien Mysterien ineinander, und doch der Unterschied zweier Prinzipien als zweierlei Leben.


Nach Pythagoras ist die Fünf die Zahl der Hochzeit, denn sie ist die Summe der ersten geraden und der ersten ungeraden Zahl 2+3. Gerade zahlen galten als weiblich, ungerade hingegen als männlich. In Schillers Picolomini heißt es:

"Fünf ist des Menschen Seele.
Wie der Mensch aus Gutem und Bösem ist gemacht"


Bei Eliphas Levi ist das Pentagramm Emblem der Zahl Fünf und als solche bringe es die Herrschaft der Seele über die vier Elemente zum Ausdruck.

In der Offenbarung des Johannes erschienen die Seelen mit Eröffnung des fünften Siegels:
Kap.6.9. Und da es das fünfte Siegel auftat, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die erwürget waren um des Wortes GOttes willen und um des Zeugnisses willen, das sie hatten.

Bei Goethe: Das Pentagramm gilt sowohl als Schutzzeichen, wie auch als das teuflische Zeichen des Bocks. Als Schutzzeichen sollte es Dr. Faust vor ungebetenen Eindringlingen schützen, doch es war „schlecht gezogen“ und so konnte Mephisto dennoch in faustens Studierstube eindringen.

Mephistopheles.
Gesteh' ich's nur! Dass ich hinausspaziere
Verbietet mir ein kleines Hinderniss,
Der Drudenfuß auf eurer Schwelle ---

Faust.
Das Pentagramma macht dir Pein?
Ei sage mir, du Sohn der Hölle,
Wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?
Wie ward ein solcher Geist betrogen?

Mephistopheles.
Beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen;
Der eine Winkel, der nach außen zu,
Ist, wie du siehst, ein wenig offen.


Faust Teil 1 J. W .v. Goethe

Zusammenfassung:
Das Pentagramm vereint in sich gegensätzliche Symbolbedeutungen. Mit der Spitze nach oben gilt es als Christuszeichen, ebenso als Schutzzeichen. Es ist das bekannteste und bedeutendste Schutzemblem des Mittelalters und der Renaissance. Mit der Spitze nach unten gilt es als Bockszeichen der Satanisten.



Die Zahl Fünf gilt als Zahl der menschlichen Seele, als Zahl der Quintessenz und als Lebensquell. Die Zahl Fünf gilt als Metapher für die Quintessenz der Alchemie, aus welcher der Stein der Weisen hergestellt wird. Die Fünf gilt auch als Symbol der Seele und des Lebens. Fünf ist aber ebenso die Zahl der Liebe, wie z.B. als fünfte Qualität bei Jakob Böhme. Bei Böhme spiegelt sich ebenso die Ambivalenz der Zahl Fünf wieder, als Trennung in eine nach innen und nach außen gewandte Kraft.

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen
Datenschutz