#1 Bewusstseinsentwicklung nach Jean Gebser von W.L. 12.06.2017 10:53

Jean Gebser (* 20. August 1905 in Posen als Hans Karl Rudolf Hermann Gebser; † 14. Mai 1973 in Wabern bei Bern) war ein deutsch-schweizerischer Philosoph, Schriftsteller und Übersetzer. Er gilt als einer der ersten kulturwissenschaftlich orientierten Bewusstsein­sforscher, die ein Strukturmodell der Bewusstseinsgeschichte des Menschen etabliert haben.

Jean Gebser Gesellschaft

Zusammenfassung und Überblick
Jean Gebser: Ursprung und Gegenwart (BEWUSSTSEINS-ENTWICKLUNG), von Birgit Sonnek, 2012
Bewusstseins-Entwicklung

Eine Beschreibung der vier Bewusstseins-Strukturen Gebsers von Prof. Dr. Barbara von Meibom Comm unio – Institut für Führungskunst aus Diesseits und jenseits der Wissenschaft, Abschiedsvorlesung Universität Duisburg – Essen am 31. Januar 2012:Wissenschaft und Bewusstseinsstrukturen: archaisch, magisch, mythisch, mental und integral
In der Originalschrift ab S.6: Diesseits und jenseits der Wissenschaft

... dass der Amerikaner Ken Wilber, ebenfalls ein Autodidakt, sich in seinem umfangreichen und auch im Deutschen vorliegenden Werk auf Gebsers Aussagen stützt. Auch Wilber gilt als spirituell Erfahrener und legte kürzlich ein Buch mit dem Titel „Integrale Spiritualität vor"
Gottwald; Integrales Bewusstsein, S. 6
Ken Wilber, Integrale Spiritualität

Universität Oldenburg, Wilber Gebser-Seminar, 22.07.07
Dennis Wittrock: Jean Gebser und Ken Wilber im Vergleich

Siehe auch: Ken Wilbur

Vorwort zu Ursprung und Gegenwart, von Jean Gebser

#2 RE: Bewusstseinsentwicklung nach Jean Gebser von W.L. 12.01.2018 12:02

Vier Bewusstseinstrukturen Gebsers, zusammengefasst durch Communio – Institut für Führungskunst Prof. Dr. Barbara v. Meibom in der Abschiedsvorlesung Universität Duisburg – Essen am 31. Januar 2012, ab S.6

"Das archaische Bewusstsein ist nulldimensional, traumlos, ununterschieden, ungetrennt, paradiesisch. Pränatalforscher sagen, dass der Fötus in diesem Zustand in den ersten Lebensmonaten weilt. Wann immer wir in einem paradiesischen vorbewussten Einheitszustand weilen, sind wir im archaischen Bewusstsein."
Abschiedsvorlesung Universität Duisburg – Essen am 31. Januar 2012, ab S.6

In Gebsers Gesamtausgabe ist die archaische Bewusstseinsstruktur nur sehr unzureichend belegt. Für mich sieht es so aus, als ob die Legende von der Traumzeit der australischen Ureinwohner das beschreibt, was Gebsers archaische Bewusstseinsstruktur meint: Die Traumzeit-Legenden handeln von der universellen, raum- und zeitlosen Welt, aus der die reale Gegenwart in einem unablässigen Schöpfungsprozess hervorgeht, um ihrerseits wiederum die Traumzeit mit neuen geschichtlichen Vorgängen zu „füllen“. ( Wikipedia Traumzeit) Der Ur-Australier befand sich passiv gegenüber dieser, ihn einschließenden Traumzeit, wie er sich auch passiv und eins wissend in seiner Landschaft bewegte. Sie war nicht nur Ausdruck, sondern integraler Teil dieser Traumzeit. Dieses unangezweifelte sich-eins-wissen mit etwas sei es die Familie, eine Gruppe oder eine die Landschaft ist noch immer lebendig in allen Menschen. Aus dieser Sphäre der Geborgenheit entstehen Schwarm- und Massenphänomene.

Ein weiterer Kandidat für die archaischen Bewusstseinsstruktur ist die Megalithkultur. Andrew Sherratt hält es für möglich, dass Großbauten wie die europäischen Megalithgräber im Prinzip auch von kleinen Gemeinschaften ohne hierarchische Gesellschaftsstruktur erbaut worden sein könnten.
Wikipediaquelle: Andrew Sherratt: Das Jungneolithikum und die Kupferzeit. In: Barry Cunliffe (Hrsg.)\: Illustrierte Vor- und Frühgeschichte Europas. Frankfurt 1996, S. 408

Hierarchische Strukturen haben nur zwei Komponenten. Den Herrscher und den Untertan. Das wäre eine magische Bewusstseinsstruktur, die nur eindimensional fungiert. Fehlen diese Strukturen, so handelt es sich um eine archaische Bewusstseinsstruktur, die nur aus dem instinktiven Clanbewusstsein heraus zusammengehalten wird. Klar wird auch, dass sowohl die archaische Bewusstseinsstruktur als vielfältige Identitäten, wie auch die magische Bewusstseinsstruktur als autoritäre Führungsstrukturen in vielfältiger Weise noch immer präsent sind. Alle eindimensionalen Erscheinungen, wie Kampf, Krieg aber auch der Wettkampf der nur einen Sieger und einen Unterlegenen kennt, sind magische Bewusstseinsstrukturen.

Im Gegensatz zu den Phänomenen des Urvertrauens in die Gruppe, den Clan, die Familie, welches unbewusstes Relikt des Archaischen ist, gibt es das bewusste Eingehen in diese Bewusstseinsstruktur. Es ist z. B. die Kultur des klösterlichen Schweigens, welches diese Bewusstseinsstruktur kultiviert und transzendiert hat. Die Kultur der Meditation, ist höchster Ausdruck des "archaischen" durch die der Mensch dazu kommt, sich mit sich selbst eins zu wissen, was bei Hegel bedeutet, mit der Weltseele ein zu sein (Phänomenologie des Geistes).

Der Gegensatz dazu ist das magische Gebet, die nächste Stufe der Bewusstseinsstruktur Gebsers. Hier steht der Mensch Gott gegenüber. Es beginnt das Zwiegespräch mit stets magischen Absichten als Bittgebet. Kultiviert wurde diese zweite Stufe in allen Methoden positivem Denkens.

"Das magische Bewusstsein ist eindimensional. Der Mensch erlebt sich eingewoben in eine übermächtige beseelte Natur, mit der er durch „Bannen und Beschwörung, Totem und Tabu“(Gebser, Gesamtausgabe, Bd. 2, S. 88) umgeht. Alles ist gleichzeitig. Die Zeichnung des Büffels, der mit Pfeilen erlegt wird (Gebser, Gesamtausgabe, Bd. 2, Abb. 4, S. 90) , findet zeitgleich in der Realität statt. Schamanische Rituale arbeiten noch heute mit diesem magischen Bewusstsein – wie wir feststellen müssen, mit anhaltendem Erfolg. Im magischen Bewusstsein wird Macht ausgeübt. Wenn heute magisch agiert wird, ist es das Einfallstor für alle Arten von Missbrauch, solange das Geschehen nicht dem Bewusstsein zugeführt wird (Gebser, Gesamtausgabe, Bd. 2, S. 92-93). Gerade die deutsche Geschichte ist voll davon. Doch das Magische als nicht existent abzuspalten, nimmt ihm keineswegs die Macht. Vielmehr muss es angeeignet und spirituell transzendiert werden."
Abschiedsvorlesung Universität Duisburg – Essen am 31. Januar 2012, ab S.6
Ich habe in dieses Zitat von Prof. Dr. Barbara v. Meibom die Textstellen aus Gebsers Gesamtwerk (Gebser, Jean; Gesamtausgabe, Novalis, Schaffhausen, 1986) eingefügt.

"Das mythische Bewusstsein ist zweidimensional. Im Kampf um die Befreiung gegen die Übermacht der Natur löst sich der Mensch aus der Natur heraus. Er beginnt zwischen einer Außen- und einer Innenwelt zu unterscheiden. „Die mythische Struktur führt nun zu einer Bewusstwerdung der Seele, also der Innenwelt“ (a.a.0,113). Es ist das Nach-Innen-Sehen, nach Innen-Hören, die Hinwendung zur Seele, die sich in einer Fülle von Bildern manifestiert. Solche Bilder, wenn sie nicht dem Bewusstsein zugeführt werden, entfalten eine unglaubliche Wirkmächtigkeit. Die Seele nimmt in Bildern wahr, fühlt in Bildern, „denkt“ in Bildern. Alle tiefenpsychologischen Schulen arbeiten mit diesen Bildern und heben sie ins Bewusstsein. Heilung geschieht in der Hinwendung zu diesen Bildern, weil sie mit den tiefen Wahrheiten der Seele konfrontiert. Wenn wir dem nicht Rechnung tragen, drängen sie unbewältigt und ungeformt nach außen und wirken auf uns zurück. Die Gewalt- und Horrorbilder heutiger Medienwelten zeigen, welch ungebrochene Macht diese von uns mit dem mentalen Bewusstsein nicht mehr zur Kenntnis genommenen inneren Bilder haben. Auch hier hilft nur ihre bewusste Durchdringung und Überprüfung auf dem Hintergrund von Wert- und Sinnfragen, d.h. im spirituellen Kontext."
Abschiedsvorlesung Universität Duisburg – Essen am 31. Januar 2012, ab S.6

"Das mentale Bewusstsein ist dreidimensional, es kennt Zeit und Raum und entdeckt die Perspektive. Seine Anfänge reichen zurück in das vorchristliche Griechenland. An sie schließt Europa mit der Renaissance an. Erstmals entwickelt das menschliche Bewusstsein nunmehr eine Richtung. Es tritt aus dem Kreis – dem Symbol des mythischen Bewusstseins, in welchem die Dualität aufgehoben ist – heraus. An die Stelle der Dualität, die in sich noch das Versprechen der Ganzheit trägt, tritt nunmehr die Polarität. Eine Bewegung entsteht (auch in der Schrift) von links nach rechts, von der Vergangenheit zur Zukunft, vom Unbewussten hin zum Bewussten, vom Weiblichen zum Männlichen, vom Kreis zur Trennung in Subjekt und Objekt. War im Magischen die Emotion dominant und im Mythischen die Imagination, so folgt nun die Zeit der Abstraktion. Der Mensch nimmt sich heraus aus der gottgeschaffenen Ordnung. Das rationale Ich, welches analytisch zerlegt, zertrennt, zerkleinert und quantifiziert, um sich die Welt anzueignen, beherrscht nun die
Bühne."

Abschiedsvorlesung Universität Duisburg – Essen am 31. Januar 2012, ab S.6

Siehe auch: Die Vorstellungen über die steinzeitlichen Gesellschaften wandelten sich in den letzten Jahrzehnten drastisch

Nachweise der Übereinstimmung mit Gebser, für die folgende abweichende Betrachtung:

Die Notwendigkeit der Integration
Gebser schreibt: "… daß die Strukturen durchaus nicht nur einen Vergangenheitscharakter haben, sondern in mehr oder minder latenter oder akuter heute noch in jedem von uns vorhanden sind." Gebser, Jean; Gesamtausgabe, Novalis, Schaffhausen, 1986, Bd. 2, S. 81

Und weiter: „Wir verstehen dabei unter Integrierung den Vollzug einer Gänzlichung[Vervollständigung], die Herbeiführung eines Integrum, das heißt die Wiederherstellung eines unverletzten ursprünglichen Urzustandes unter bereicherndem Einbezug aller bisherigen Leistungen.“ a.a.O., S. 167

Damit ist klar, dass die "latent oder akut heute noch in jedem" Vorhandenen und vorhergehenden Bewusstseinsstrukturen "integriert" werden müssen.

Die Verfügbarkeit der Strukturen
"Integration der Dimensionen … in der unser Bewusstsein frei über alle latenten und akuten Formen des Raumes und der Zeit verfügen kann.", a.a.O., S. 175

Abweichend von Gebser sehe ich sieben Stufen
Angesichts der beobachtbaren Kultivierungen der drei ersten Gebserschen Strukturen habe ich den Verdacht, dass sich diese vier Stufen in umgekehrter Folge in einer Aufwärtsbewegung integrieren (Die Notwendigkeit der Integration). Dass also die fünfte Stufe mit der verfügbar(Die Verfügbarkeit der Strukturen) gemachten gemachten dritten, die sechste mit der Zweiten und die Siebte mit der Ersten korrespondiert. Dass wir also nicht vier oder fünf, sondern sieben Bewusstseinsstrukturen haben.
Damit wäre Gebser mit allen Strukturen kompatibel, welche eine siebenteilige Weltstruktur aufzeigen, wie z. B. Jakob Böhme sieben Qualitäten, der Schöpfungsbericht, u.v.a.



Linksseitig eine Abwärtsbewegung bis zum intellektuellen Bewusstsein.Rechts eine Aufwärtsbewegung. Jede neue Stufe der Aufwärtsbewegung befähigt das Bewusstsein, über die jeweilige Stufe zu verfügen (Die Verfügbarkeit der Strukturen). So verfügt der fortgeschrittene Buddhist über die Stufe des Archaischen, indem er in den Zustand des archaischen Einsseins nun bewusst eintreten kann. Der bewusste Mensch erkennt, dass er mit der Magie positiven Denkens sein Schicksal beeinflusst um es zu bemeistern. Er verfügt über die magische Bewusstseinsstruktur und wird zum Herrn seines Schicksals. Auf der fünften Stufe bemeistert der Mensch die mythische Welt der Seele und wird Herr über sie. Er erkennt das Wesen der Welt als Einheit und Seele der Welt.

Soweit die Übereinstimmung mit Gebser: Der Unterschied zu der Betrachtung oben, die auf einer siebenfältigen Struktur beruht ist, dass Gebser mit der Integralen "Verdichtung des Bewusstseins", alle vorhergehenden latenten Strukturen aufschließen will. Ich denke, es geschieht entlang der Bewusstseinsstrukturen in "Mutationen", in denen die Bewusstseinsstrukturen vorher durchlebt wurden.

"Verdichtung des Bewusstseins" ist Achtsamkeit
Da Gebser den Begriff "Bewusstseinserweiterung" wegen des räumlichen Bezugs ablehnt, sehe ich die Notwendigkeit den Begriff der "Verdichtung des Bewusstseins", von der Gebser spricht, an einen verständlicheren Begriff anzulehnen. Ich sehe darin die "Achtsamkeit" im Buddhismus. Dabei kann nicht unerwähnt bleiben, dass Gebser eine irrationale und äußerst kritische Haltung zum Buddhismus hatte. Unverständlich, da doch Gebsers Begriffe "Verdichtung des Bewusstseins" und "Gegenwärtigung" kaum besser begreifbar sind als in den Reden Buddhas.
-> Die Reden Buddhas im Pali-Kanon

Gebsers Ablehnung des Buddhismus, Gebser - Kritik und Ken Wilbur

"Andererseits wollen wir auch nicht in die östliche Haltung verfallen, also aus der Ablehnung des Fortschritts und des Voluntarismus und zum bloßen Spielball irgendwelcher Mächte oder irgendwelcher Macht degradieren (Anm. 1). Die Distanzierung von diesen überspitzten perspektivischen Theorien sollte uns nicht zu dem östlichen Gehaltensein, zu einem bloßen Eingeflochtensein in den nichts als natürlichen Ablauf der Dinge zu verführen oder uns, wäre es auch nur symbolisch, zu jenem Rückzug in die Höhle veranlassen, wie ihn Buddha und die Eremiten des Ostens und des Westens weniger vorlebten als vorstarben: zu jenem Rückzug in die unperspektivische Höhlenwelt, der in der östlichen Form eindeutig den Wunsch nach Rückgängigmachung der Geburt enthält."
a.a.O. Bd. 2, S. 81, Bd. 6, S. 99

Diese ablehnende Haltung gegenüber einer ganzen Weltreligion, wie auch der Traditionen Indiens (Asien lächelt anders, a.a.O. Bd. 6) ist durch nichts gerechtfertigt und überzogen und zeigt die Eurozentriertheit und den Chauvinismus dieses Kulturphilosophen. Zwar hält Gebser viel vom Taoismus, doch das relativiert Gebsers Haltung nicht. Die Korrektur wurde von Ken Wilbur vollzogen, der Gebsers Kulturphilosophie weitgehend übernahm.

Ken Wilber, aus der Einleitung zu den "Collected Works" Band 1.
"Phase-1 war romantisch, gekennzeichnet durch die grundlegende Überzeugung, dass die Menschendämmerung - sowohl ontogenetisch auf das Kind bezogen als auch phylogenetisch auf die Frühmenschen bezogen - eine Art von paradiesischem Schlummerzustand im Garten Eden darstellt(e), in einem vereinigten Zustand oder Grund des Seins, von dem wir uns durch das Erwachsenenwerden entfremden, und zu welchem wir daher zurückkehren sollen: das ursprüngliche "Paradies" muss zu unserer Rettung in irgendeiner Form wiedererlangt werden."
Integrale Postmetaphysik, Ken Wilbur

Nicht nur Ken Wilber sieht in den Veden die archaische Struktur als letztes Ziel einer Bewusstwerdung.
Die Veden: Erleuchtet dem Leben dienen
Auch die Veden lehren, dass die Menschheit und jeder einzelne aufgerufen ist, das Bewusstsein zu erweitern. Es geht nicht um Information, sondern um Transformation. Letztlich geht es darum zu erkennen, dass der Geist Gottes – Atman – in allem was existiert immanent ist. Wer in dieses Bewusstsein eintritt, erlangt, Erleuchtung. Es ist das archaische Bewusstsein der Nicht-Getrenntheit, das wir bei Gebser kennengelernt haben, nur ist es hier nicht traumhaft, unbewusst, sondern Ausdruck höchster Bewusstheit. In dieser geistigen Erleuchtung, ein Zustand, den wir im christlichen Kulturraum von den Mystikern her kennen, erkennt der Mensch die Einheit alles Lebenden. Alles, was ich dem anderen antue, tue ich mir an. Alles ist miteinander verbunden, wie die Tropfen in einem Ozean.

Wissenschaft und Bewusstseinsstrukturen: archaisch, magisch, mythisch, mental und integral

Hier also, was oben bereits beschrieben ist. Die Rückehr in die erste, die archaische Struktur, das Mütterliche, die Geborgenheit. Nun jedoch verfügbar gemacht im Akt der Meditation, wie etwa im Buddhismus, im Yoga, in den Schilderungen jener, bei denen Gebser nur den "Rückzug in die Höhle" erkennt. Dazu auch der Abschnitt in Gebsers Gesamtwerk "Nirwana und Paradies, ... Aber, wenn überhaupt, ist es [Nirwana] doch das Wunschbild für den Zustand nach dem Tode, durch den das Leben endgültig zunichte gemacht wird", a.a.O, Bd. 6, S. 115.

Wie lange währt eine Lebensspanne? Wozu wendet Gebser Energie für eine Philosophie auf, wenn sie keine Antwort auf die größte Frage, nach dem Sinn eines Lebens gibt, das mit dem Tod sein absolutes Ende findet. Muss man nicht annehmen, Gebser predigt Nihilismus? Hier stellt sich die Frage nach dem Tod. Diese Frage wurde durch Berichte von Nahtoderfahrungen auf überraschende Weise neu aufgeworfen: Das Leben nach dem Leben: Gespräche mit Wiedergeborenen

Gebsers Inspirationserlebnis
Widersprüchlich wird Gebsers pauschale Abqualifizierung der "asiatischen Kulturen" und "des Asiaten", welcher "diesen Zusammenhang zwischen Höhle, Rückzug und Wunsch nach Ungeborensein nicht so bewusst sieht wie wir, ..." (Gesamtwerk, Bd. 6, S. 100), wenn er vorher davon erzählt: "Damals wurde ich dort Zeuge, wie einer in überwacher Klarheit die gleichsam geistige Durchstrahltheit der Welt annahm, ohne zu wissen, dass er sich auf einem Ruinenfeld befand, das von der geistigen Intensität Meditierender längst vergangener Jahrhunderte imprägniert war." a.a.O., S. 98 - 99. Wer soll es also gewesen sein, wenn nicht Gebser selbst, der dies Erlebnis hatte. Alles wirkt indoktrinierend, lässt Gebser als den alleinigen Inhaber der Weltweisheit erscheinen. Er ist Autokrat und Alleinherrscher seiner Philosophie. Diese Kombination zwischen Chauvinismus und Erleuchtung ist eine Eigenart, die Gebser charakterisiert. Wurde der Philosoph Opfer seiner eigenen Philosophie, die in der Höhle nur die archaische Bewusstseinsstruktur sehen kann, ohne daran zu denken, dass die alten Kulturen eine Höhe erreicht haben könnten, mit der die bewusste Durchdringung der archaischen Struktur in "überwacher Klarheit" vollzogen wurde? Die Veden zeugen davon, der Buddhismus zeugt davon und beide wurden von Schopenhauer als Glanzpunkt des deutschen Idealismus im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Diese Kulturleistung der asiatischen Philosophie konnte Gebser nicht sehen. Warum? Hatte der Philosoph einen tragischen Mutterkomplex, der ihn daran, hinderte das Mütterliche zu transzendieren? Wir wissen es nicht.
-> Jean Gebser

In einem Zenkloster wurde Jean Gebsers Inspiration von einem ausgewiesenen Zenmeister als "Satori", verifiziert, im Gegensatz zur "trancehaften Form des Samadhi" (Gesamtwerk, Asien lächelt anders Bd. 6, S. 164) der zum indischen Raja-Yoga gehört und auch hier erkennen wir den Chauvinismus, der sich nun in spirituelle Sophisterei steigert. Damit ist der Inder, die Vedas, der Yoga, der indische Buddhismus endgültig disqualifiziert. Gebser warnt vor "Bewusstseinsmäßiger Regression" im Zusammenhang mit allerlei, etwa vor "Mensch-Gott-Identifikationen" den Berichten vom "Berge Athos", vor "Samadhi" und vielem mehr (Gesamtwerke, Bd. 6, S. 158-159). Er wird damit Autokrat, alleiniger Inhaber der Weltweisheit und wovor Gebser mit nimmermüder Inbrunst warnt, ist damit wohl eher er selbst. In seinen Wortschöpfungen, die oftmals deplatziert und ersetzbar wirken, spinnt er den Nachsucher in seine eigene, die gebsersche Welt hinein.

Gebser spricht von der "Gegenwärtigung" latent gewordener vergangener Bewusstseinsstrukturen, teilt aber nicht mit, wie das geleistet werden soll. Diesen Tatbestand haben allerdings alle Philosophien des Westens gemeinsam, sie sind für die Praxis unbrauchbar. Gebser wäre da keine Ausnahme. Er ist es aber, da er sich mit dieser Haltung gegenüber dem Buddhismus auch gegen die Philosophie Schopenhauers, letztlich gegen den deutschen Idealismus stellt:

“Buddha, Eckhard und ich lehren im Wesentlichen das Selbe, Eckhard in den Fessel seiner christlichen Mythologie. Im Buddhaismus liegen die selben Gedanken, unverkümmert durch solche Mythologie, daher einfach und klar, soweit eine Religion klar seyn kann.
...
Wollte ich die Resultate meiner Philosophie zum Maßstabe der Wahrheit nehmen, so müßte ich dem Buddhismus den Vorzug vor den andern (Religionen) zugestehn. Jedenfalls muß es mich freuen, meine Lehre in so großer Übereinstimmung mit einer Religion (dem Buddhismus) zu sehn…““

Arthur Schopenhauer

Gebser beraubt sich und seine Anhänger des Weges, der uns im Buddhismus, wie auch im Yoga gegeben ist. Er teilt uns nicht mit, wie die "Integration latenter Bewusstseinsstrukturen" zu leisten sei, die in uns schlummern. Wenn sie in uns schlummern, so müssen sie in uns integriert werden: wo sonst!
Das bedingt nicht den totalen Rückzug in die Höhle, wie Gebser meint, sondern regelmäßiger disziplinierter Übung, die für Leistungen jeglicher Art erforderlich ist und die in der Stille geleistet werden muss! Sie werden jedoch in unseren Schulen und Universitäten nur gelegentlich angeboten, nicht aber gelehrt.
-> Meditation nach der Methode von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich

Diese systematischen Schulungen, in das eigene Unbewusste einzudringen, es Schritt um Schritt ins Bewusstsein zu heben, wurde nicht nur in den buddhistischen Klöstern gelehrt, sondern auch in manchen indischen Ashrams. Manche von ihnen sind besonders in der jüngeren Vergangenheit sehr verkommen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass diese systematischen Übungen noch heute existieren, zumeist nur in rudimentärer und verfälschter Form weitergegeben. Dass mancher, der diese Übungen bemeistert hat, keinen Drang mehr verspürt, einem vergänglichen Glück in den Städten hinterher zu laufen, kam und kommt immer wieder vor. Weltflucht darf nicht verwechselt werden mit Sättigung und der Erkenntnis, dass Glück stets ein innerer Zustand ist, der keine äußere Ursache hat. Wäre es anders, müsste ein einmal erfüllter Wunsch zu dauerndem Glück und nicht zu neuen größeren Wünschen führen. Diesen Umstand vergleichen die Texte der Upanishaden Indiens mit: Öl ins Feuer gießen. Daher auch der lapidare Satz: Weniger ist mehr.

Dennoch ist und bleibt es das Verdienst des Kulturphilosophen Jean Gebser, Bewusstseinsstrukturen zu beschreiben, was unkorrekt ist.
Bewusstsein können wir nämlich nur anhand von strukturierten Bewusstseinsäußerungen erkennen. Durch diese schließen wir auf strukturiertes Bewusstsein.


Werner Heisenberg bestätigt Gebsers Einteilung in seinem Vortrag: "Die Entwicklung der philosophischen Ideen seit Descartes im Vergleich zu der neuen Lage der Quantentheorie" dort sagt Heisenberg: "Die unmittelbare Verbindung mit Gott vollzieht sich in der menschlichen Seele, nicht in der Welt, und dieses Problem hat das menschliche Denken mehr als irgendein anderes in den zweitausend Jahren nach Plato beschäftigt. In dieser Periode waren die Augen der Philosophen auf die menschliche Seele gerichtet und auf ihre Beziehung zu Gott, auf die Probleme der Ethik und auf die Offenbarung, aber nicht auf die äußere Sinnenwelt." (Physik und Philosophie, Werner Heisenberg, S. Hirzel Verlag Stuttgart, 7. Aufl. 2007, S. 112.) Dies ist der kurze Abriss dessen, was Gebser die seelische, mythische Bewusstseinsstruktur nannte. Seelenwelt, "Es ist das Nach-Innen-Sehen" (Gebser), ist "mythische Bewusstseinnstruktur"

Heisenberg sagt weiter: "Das wachsende Interesse für Mathematik begünstigte ein philosophisches System, das von logischen Überlegungen ausging, um in dieser Welt zu einer Wahrheit zu gelangen, die ebenso sicher war wie eine mathematische Schlussfolgerung." (Physik und Philosophie, Werner Heisenberg, S. Hirzel Verlag Stuttgart, 7. Aufl. 2007, S. 115.) Mit Descartes und der Entwicklung der Mathematik trat das ein, was Gebser die intellektuelle Bewusstseinsstruktur nannte. Gebser sah sie mit der sokratischen Philosophie und dem Aufkommen der Perspektive in der Renaissance beginnen, Heisenberg mit Descartes Trennung zwischen Ich und Welt. Das Ich wird sich dieser Trennung bewusst und geometrisiert die Welt in perspektivischer Darstellung. Mit der Renaissance kam auch die Perspektive, damit auch die Mathematisierung und räumliches Bewusstsein. Diese Übereinstimmungen bestätigen Gebsers Philosophie einerseits. Andererseits hätte es nach Gebser nie eine individuelle Entwicklung über die jeweils vorherrschende Bewusstseinsstruktur hinaus gegeben. Diese Krux habe ich mit der oben angerissenen Kritik behoben. Buddha, Laotse, Jesus, Pythagoras, Sokrates und Andere haben ganz sicher bewiesen, dass sie eine Bewusstheit errechten, die jeweils weit über die vorherrschende Bewusstseinsstruktur hinausragte.

Eine weitere Kurzbeschreibung bei
Jean Gebser und die Bewusstseinsentwicklung
des Menschen
Pädagogische Perspektiven aus einem wenig
bekannten Werk
Thomas Marti


Siehe auch: Die Vorstellungen über die steinzeitlichen Gesellschaften wandelten sich in den letzten Jahrzehnten drastisch

#3 RE: Bewusstseinsentwicklung nach Jean Gebser von W.L. 19.01.2018 11:27

Das Integrale Bewusstsein, die fünfte Struktur der Bewusstwerdung

Jean Gebser (1905 - 1973) konnte nicht wissen, was nach der weltweiten Einführung des Fernsehens geschehen würde. Mitte der 90er Jahre folge die Einführung des Internet und dann die Einführung des Smartphones. Dass sich seine These vom "Integralen Bewusstsein" in einer Weise verwirklichen würde, wie wir sie heute sehen, ist frappierend.

"SPIEGEL ONLINE: Wie beeinflusst der Blick aufs Smartphone die Aufmerksamkeit der Menschen?

Milzner: Zunächst kommt es zu sehr engen Reiz-Reaktionstaktungen. Eingehende Signale wollen gleich beantwortet werden. Es herrscht dabei weitgehende Unabhängigkeit von Raum und Zeit, wir können einander gefühlt rund um die Uhr erreichen. Der Nutzer bekommt den Eindruck: Wow, der Raum ist voller Möglichkeiten."

Digitale Entfremdung, Spiegel Online vom 15.01.2018

Das Integrale Bewusstsein zeigt sich zunächst in der technischen Revolution des Internet und überfordert die Individuen. Man könnte mit Hegel auch sagen, der Weltgeist wirkt. Die neuen Ideen der Verbundenheit aller Menschen manifestieren sich zunächst auf der materiell-technischen Ebene. Der Mensch wird in die "weitgehende Unabhängigkeit von Raum und Zeit", wie sie wörtlich im Spiegelinterview formuliert wurde und wie sie der Kulturphilosoph Gebser wörtlich vorhergesagt hatte, hineingezwungen.

Möglicherweise wird damit auch eine Therapie verordnet werden, welche die "Probleme mit Selbstfindungsfragen" (Spiegelinterview) lösen muss. Die unweigerlich folgende Gegenbewegung, nach einer Zertrümmerung der Konzentrationsfähigkeit durch mediale Übersättigung, wird wieder eine Kultur der Stille hervorbringen.

"SPIEGEL ONLINE: Müssen wir also achtsamer werden?

Milzner: Achtsamkeit, das reine Wahrnehmen, ist als Gegenbewegung zur digitalen Selbstentfremdung nicht ausreichend. Achtsamkeit ist zu entrückt, ihr fehlt die kraftvolle Emotion. Besser stellt man sich Fragen: Was macht mich lebendig? Möchte ich mit 80 auf mein Leben blicken und sagen, ich habe immer viele Bilder gepostet? So kann jeder für sich herauszufinden, wie man ein wildes, sinnvolles Leben im Digitalen führt. Und darum geht es."


Meditation nach der Methode von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich

#4 RE: Bewusstseinsentwicklung nach Jean Gebser von W.L. 05.02.2018 09:47

Auch die Zukunft der autonom fahrenden Autos basiert auf 4D-Technik und ist ein weiterer Baustein einer Technik, die Zeit und Raum integral behandelt.

Google und Tesla sind mit den Versuchsfahrzeugen, die heute im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen rund ein viertel Jahrhundert zu spät. Die ersten autonom fahrenden Autos wurden - wie vieles seiner Zeit vorauseilend, aber unbemerkt - in Deutschland schon 1992 auf die Straße geschickt:

"Und weil der für die Genehmigungen der Tests zuständige Mann bei der Bundeswehr zunehmend Vertrauen in die Technik hatte, waren vom Jahr 1992 an Fahrten im öffentlichen Straßenverkehr der Normalfall. Zwei Höhepunkte wurden in den Jahren 1994 und 1995 erreicht, als Dickmanns' umgebaute Mercedes-Benz-S-Klasse-Fahrzeuge internationale Vorführungen absolvierten. „Nach einer Vorführung in Paris, mit der wir für neue Fördermittel aus der Europäischen Union werben wollen, fragte der Beamte damals: ,Warum denn noch mehr Geld, es funktioniert doch alles?’“, erinnert sich Dickmanns. Tatsächlich funktionierte viel: Versuchsfahrzuge fuhren im normal starken Verkehr auf der dreispurigen Autobahn mehr als tausend Kilometer mit Geschwindigkeiten bis zu 130 Kilometern in der Stunde. Aufbauend auf Entfernung, Richtung oder Geschwindigkeit schätzen die Autos ab, wie gefährlich andere Fahrzeuge werden können"
Autonomes Fahren : Ein Deutscher war Tesla 30 Jahre voraus, FAZ vom 01.02.2018

Diese Technik ist in der Lage Vorhersagen von Gefahrenlagen vorzunehmen. Es ist die Leistung einer Integration einer räumlichen mit einer zeitlichen Situation, wie sie etwa auch unser Bewusstsein erbringt, "ein sogenannter 4-D-Ansatz, bei dem auch die Zeit als Faktor eine Rolle spielte"
Autonomes Fahren : Ein Deutscher war Tesla 30 Jahre voraus, FAZ vom 01.02.2018

Die Idee des integralen Bewusstseins manifestiert sich, wie es scheint zuerst technisch. Der Menschen wird somit vor vollendete Tatsachen gestellt und gezwungen sich anzupassen. Die Herausforderung wird darin bestehen das zu entwickeln, was Gebser das integrale Bewusstsein nannte. Wir werden bald in Taxis steigen, in denen kein Faher mehr sitzt. Autonomes Fahren : Daimler will als Erster Roboter-Taxis anbieten, 04.02.2018 Das Anfahren eines Zielorts wird nebenbei erledigt und ist somit kein menschlicher Akt mehr. Die Bewegung im Raum wird damit gewissermaßen vollständig maschinell und jenseits sozialer Kontakte erledigt. Das Durchmessen des Raumes geschieht beiläufig, etwa bei einem Flug. Man findet sich binnen weniger Stunden auf einem neuen Kontinent, in einem neuen Land.

Raum und Zeit sind in unserer Zeit stark relativiert worden. Sie spielen nicht mehr die dominante und trennende Rolle früherer Jahrhunderte. Das zwingt den Menschen zunächst in einer, Gebser würde sagen "defizienten" Weise, in die integrale Bewusstseinsstruktur.

Beschleunigung findet statt, erfordert erhöhre Aufmerksamkeit. Mehr Leistung in weniger Zeit ist nur durch die Verdichtung der Zeit möglich. Wie verdichtet man Zeit? Durch Wachsamkeit, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit. Diese Beschleunigung wird den Menschen letztlich entweder zerstören, oder zu gesteigerter Aufmerksamkeit, gesteigertem Wachbewusstsein führen. Das wird letztlich den Bewusstseinswandel aber auch Ausfallerscheinungen, Extremsituationen herbeiführen.

#5 RE: Bewusstseinsentwicklung nach Jean Gebser von W.L. 12.02.2018 15:17

Die integrale Theorie, das integrale Bewusstsein geht bereits in seiner heutigen Begriffsdefinition über Gebser hinaus.

Das "Integrale", sofern es Sinn haben soll, ist in Wirklichkeit etwas ganz Fundamentales:

"Es wurde bereits gesagt, dass Gebsers „aperspektivische Bewusstseinsstruktur“ eine Überwindung des dualistischen Denkschemas mit sich bringen soll. Als Beispiel dafür greife ich nun einen besonders wichtigen und fundamentalen Gegensatz heraus, den die aperspektivische Temporik nach Gebser überwinden wird: den Gegensatz zwischen Geist und Natur. Als solchen bezeichne ich jene fundamentale Spaltung, die durch die Intensivierung seines Bewusstseins im Laufe der Phylogenese zwischen dem Menschen und der ihn umgebenden Natur eingetreten ist. Diese Spaltung wurde z. B. von Karl Jaspers als „Subjekt-Objekt-Spaltung“ bezeichnet, von anderen als Gegensatz zwischen Leib und Seele, zwischen res extensa und res cogitans, zwischen Natur und Kultur namhaft gemacht."
Daniel Zöllner, Zur philosophischen Rezeption Jean Gebsers, S. 51

Gebsers Fixierung auf eine Vierdimensionalität der integralen Bewusstseinsstruktur hält nicht stand. Dimensionalität ist keine Eigenschaft des Integralen, denn es geht schlicht um Überwindung dualer Gegebenheiten: „Subjekt-Objekt-Spaltung“, "Gegensatz zwischen Leib und Seele", "res extensa und res cogitans", "Natur und Kultur" (siehe oben).

"Die integrale Theorie ist ein systematisches Modell für eine holistische, kosmisch-evolutionäre Welterklärung ohne materialistische Reduktion, sondern unter Einbeziehung der Eigenart und Wirksamkeit des Geistigen im Kosmos."
Integrale Theorie

Holismus (griechisch ὅλος holos „ganz“), auch Ganzheitslehre, ist die Vorstellung, dass natürliche (gesellschaftliche, wirtschaftliche, physikalische, chemische, biologische, geistige, linguistische usw.) Systeme und ihre Eigenschaften als Ganzes und nicht als Zusammensetzung ihrer Teile zu betrachten sind.
Holismus

Das höchste Wesen wird im integralen Bewusstsein kein von der Welt getrenntes, persönliches Wesen mehr sein, sondern die Ganzheit der Welt, die nicht aus ihren Teilen heraus verstehbar ist. Insofern ist diese Ganzheit - da nicht getrennt vom Menschen - in seiner höchsten Ausprägung Ganzheitsbewusstsein und dem Menschen ohne Mittler zugänglich. Die Nichtgetrenntheit, das Ganze, die Einheit als Bewusstsein bedingt Zugänglichkeit und Teilhabe.

Hegels Phänomenologie des Geistes als monistische Ontologie bietet den verstandesmäßigen Zugang und ist u.a. Einheits-Philosophieen eine Theorie des Integralen.

#6 RE: Bewusstseinsentwicklung nach Jean Gebser von W.L. 13.02.2018 09:20

Erfahrung als Notwendigkeit

Wollte man Buddhismus mit einem Wort beschreiben, so wäre das Wort "Achtsamkeit" das treffendste.
Wie könnte man Gebsers Begriff der "Gegenwärtigung" besser als in den Reden Buddhas begreifen?
-> Die Reden Buddhas im Pali-Kanon

Teenager: Kein Bock auf Achtsamkeit?;
Präventive Achtsamkeitsprogramme scheinen ihre Wirkung bei Jugendlichen zu verfehlen.
Von Joachim Retzbach


Der Artikel zeigt zweierlei,
erstens: Die Bereitschaft, Achtsamkeit zu üben hängt davon ab, inwiefern Übersättigung stattgefunden hat und somit spirituelle Reife vorliegt. Erlebnishunger ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Er kann nur durch Erlebnisse gesättigt werden.
Zweitens: Unsere Lebensweise ist nicht dekadent, sondern notwendig, um den nötigen Grad an Sättigung, schließlich Übersättigung zu erlangen. Übersättigung ist die einzig reale Triebfeder für eine spirituelle Lebensweise.

Religiös bedingte Verbote, Gebote der vergangenen Jahrhunderte hatten einerseits eine sozialisierende Wirkung, andererseits waren sie Instrument einer Unterdrückung der Gläubigen durch verkommene Eliten. Die Heilsversprechen der Religionen haben ideologischen Charakter.
-> August, 27.8.2016, der Hakenkreuz-Kornkreis
Eine spirituelle Lebensweise muss unmittelbares Bedürfnis sein und unmittelbar Befriedigung verschaffen, sonst ist sie wertlos.

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