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#31 RE: Super Reich mit humanitärer Geisteshaltung? von W.L. 30.11.2017 11:24

Kannst Du das erläutern?

#32 RE: Super Reich mit humanitärer Geisteshaltung? von Philolaos 30.11.2017 11:27

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Zitat von W.L. im Beitrag #26
Das war in Frankreich und ich Russland der Fall.Das Volk: Die Leute auf der Straße hatten davon keine Ahnung.Die Ideologen: Man muss dieses Volk steuern und das haben die Ideologen getan.Die Philosophen: Die Theoretiker haben den Ideologen die Philosophie geliefert.Ohne diesen Dreiklang scheitern Revolten.Die Revolution von 1989 war vordergründig, wie Du sagst, nur wegen der D-Mark und wegen des Wohlstands. Ich meine auch wegen der Überwachung und der Unfreiheit.Vorher aber gab es die Idee einer Reformation des Kommunismus https://de.wikipedia.org/wiki/GlasnostDie Idee war: Kommunismus verbunden mit DemokratieAuch die DDR Kritiker waren von dieser Reformidee durchdrungen.


Das ist ein Mythos, dass DDR-Kritiker irgendwas zur "friedlichen Revolution" beigetragen haben. Wie gesagt, ich bin in der DDR aufgewachsen und habe alles hautnah mitbekommen. Glaube mir, Glasnost und Perestroika waren nie ein größeres Thema, und die wenigen mutigen DDR-Kritiker haben die Massen nie wirklich begeistert und beeinflusst. Überwachung und Unfreiheit ja, das schon, aber mehr auch nicht, nix Ideologie.
Die wirklichen Beweggründe habe ich schon genannt.

#33 RE: Super Reich mit humanitärer Geisteshaltung? von W.L. 30.11.2017 11:52

„Der neuzeitliche Revolutionsbegriff“
...
Erstens muss es ein „stoßartige[r] und gewaltsame[r] Vorgang“ sein,
zweitens müssen die Anliegen eine massenmobilisierende Wirkung haben und
drittens muss eine definierte „programmatische Idee“ Grundlage der Bewegung sein.

Quelle: http://revolution1989.hypotheses.org/78

Das stimmt mit meiner Auffassung völlig überein.

Die Bevölkerung hegte Hoffnungen, die DDR könne sich ebenfalls der Reformpolitik Gorbatschows anschließen, doch die DDR-Führung reagierte stark in die entgegengesetzte Richtung.
Quelle: http://revolution1989.hypotheses.org/78

Diese Demonstrationen, die noch während des 40. Jahrestages der DDR stattfanden, und jegliche innenpolitischen Probleme, wurden in den Festreden sowohl von den Parteirednern als auch vom Ehrengast Gorbatschow vollkommen vernachlässigt. Gerade wegen dieser vollkommenen realitätsfernen Idealisierung der DDR gingen schon an diesem Tag viele Bürger auf die Straßen, um für einen Reformkurs der Regierung zu kämpfen.
Quelle: http://revolution1989.hypotheses.org/78

Hoffnungen wurden sehr wohl durch Glasnost geweckt. Das war die zündende Idee.

Was danach beschrieben wird ist klassisch für alle Revolutionen.
Das alte Regime war überschuldet, verbraucht, überaltert, korrupt und unfähig für Reformen.
Das alte Regime verweigert Reformideen.
Der Frust macht sich auf der Straße luft.
Zunächst kommen die Gemäßigten.
Die setzen sich aber nicht durch oder werden verhindert.
Dann kommt die heiße Phase.

Werden solche Bewegungen nicht gelenkt, brechen sie auseinander und verpuffen.

Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder
Auch das ist wahr. Jeder Reformer von Regimen, die vollständig in Erstarrung liegen, wird weggeputscht oder umgebracht.
Gorbatschow ist ein klasse Beispiel.

#34 RE: Super Reich mit humanitärer Geisteshaltung? von Philolaos 01.12.2017 01:50

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Die Subdomain http://revolution1989.hypotheses.org sagt es schon, es werden Hypothesen betrachtet.

Die Revolution vom 9. November 1989 war genau genau genommen nur ein Remake der Revolution vom 17. Juni 1953 – mehr nicht.
Meine Mutter war bei dieser Revolte mit auf der Straße, sie hat zusammen mit ihrer Freundin gerufen: „Gebt uns Butter statt Kanonen“.

Auch Glasnost und Perestroika waren einfach nur eine detailliert formulierte Notwendigkeit, die sich aus der wirtschaftlichen Not der Sowjetunion ergab, aber selbst das interessierte die Masse der DDR-Bürger als zündende Idee nur wenig bis gar nicht. Wer anderes behauptet, hatte niemals das Ohr am DDR-Volk.

Deshalb und ich sagte es ja schon: die Zeit war einfach reif, weil nun die Gefahr relativ gering war, dass der Russe solch einen Aufstand blutig niederschlagen würde. Viel entscheidender war, dass Westdeutschland über all die Jahrzehnte wohlwollend Republikflüchtige aufnahm… dann hat Ungarn die Grenze geöffnet.... usw.... das war ein entscheidender Meilenstein der Wende!

In Wahrheit war nämlich die Wiedervereinigung die „zündende Idee“.
Und diese Idee gab es, solange die Mauer existierte.


Das "Schaufenster West", die westdeutsche Wirtschaftskraft, bzw. die vielen Verwandten im Westen, denen es wirtschaftlich einfach besser ging, freies Unternehmertum... und klar, auch Redefreiheit, Reisefreiheit... der in jeder Beziehung idealisierte und unbedingt bessere Westen der eigenen Landsleute also. Westdeutschland war von Anfang an die große Sehnsucht des DDR-Volkes, und gleichzeitig Damoklesschwert und Schleudersitz der DDR-Regierung, bzw. der Minderheit nutznießender Opportunisten, insbesondere der Stasi.
Deshalb wurde die BRD vom SED-Regime auch so vehement zum "Klassenfeind" erklärt und dämonisiert.

Und wäre also die Sowjetunion aus völlig anderen Gründen schon Jahrzehnte vorher zusammengebrochen, dann hätte das DDR-Volk die Staatssicherheit auch schon viel eher zum Teufel gejagt, und das wussten die auch. Deshalb haben die Ihren Apparat gerade in der Zeit des Aufkommens von Glasnost und Perestroika exorbitant verstärkt, um einen solchen Aufstand zu vereiteln, auch wenn sie das nie geschafft hätten bei 90% unzufriedenen Bürgern, auch nicht mit den radikalsten Mitteln:
https://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Akten...ager/_node.html

Die „intellektuelle Elite“ bastelt sich natürlich immer irgendeinen Plan zurecht, was nach einem Umsturz der alten Machtverhältnisse besser werden soll, und das selbstverständlich und idealerweise dann auch noch unter ihrer eigenen Führung....klar...
Fakt ist doch, dass diese Utopien der DDR-Reformer nicht ansatzweise umgesetzt wurden. Das DDR-Volk wollte die D-Mark und damit wurde es auch vollständig dem real existierenden Kapitalismus einverleibt, mehr war da nicht.

Im Groben und Ganzen mag es in der Geschichte öfter so gekommen sein, dass charismatische Persönlichkeiten Ideen formulierten und zur Revolution aufriefen, aber dieses Schema kann man bei weitem nicht allen geschichtlichen Veränderungen überstülpen, vor allem nicht, was eine Gewichtung und zeitliche Abfolge anbelangt, da gibt es meines Erachtens kein festes Schema. Und mit Sicherheit nicht, was die DDR-Geschichte anbelangt.
Denn ich war schließlich nicht nur dabei, sondern mittendrin.
Andererseits ist mir natürlich auch bekannt, was da so alles an Meinungen verbreitet wird, aber das muss man ja nicht alles für bare Münze nehmen....

#35 RE: Super Reich mit humanitärer Geisteshaltung? von W.L. 01.12.2017 10:01

Weder die französischen Marktweiber 1789, noch die von den Bolschewiki 1917 eingesetzen Bauern haben verstanden was die Revolutionsführer im Sinn hatten. Beide male ging es um soziale Not und Repression. 1989 war es ebenso. Weder 1789, noch 1917 setzten sich die Ideen durch. Es gab schon während dieser Revolutionen den Rückfall in die Diktatur. Schreckensherrschaft der Jakobiner, die Diktatur der Räte bei den Bolschewiki. Die Revolutionsführer selbst haben ihre eigenen Ideen verraten. Genau dies werfen die DDR Regimkritiker dem Volk vor. Ich habt die DDR an den Westen verkauft.

Die Ideen, die vor den drei Revolutionen entwickelt wurden, setzen sich nach diesen Revolutionen in lange angelegten Wellenbewegungen weiter durch. Die Aufklärung in Europa ist ein gelungenes Beispiel. Der Kommunismus ist nur scheinbar gescheitert. Wir werden - davon bin ich überzeugt - einen reformierten Kommunismus noch erleben. Der Kapitalismus, wie er heute praktiziert wird, wird die Welt wieder ins Chaos stürzen, danach wird es weitere Versuche geben, einen Reformkommunismus zu etablieren. Es gibt da gar keine Alternative. Die soziale Marktwirtschaft unter Ludwig Erhard ist eine solches Modell. Die EU geht einen falschen Weg. Dieses Gebilde wird von Großkonzernen und Banken beherrscht, auch das wird scheitern.

Eine Revolution ist wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird. Er erzeugt Wellen, geht dabei unter und was bleibt, sind die sich kreisförmig ausbreitende Wellen. Im Gegensatz zu den Wasserwellen, die einer Dämpfung unterliegen, sie verebben, haben geistige Wellen die gegenteilige Wirkung. Letztere tragen die Information, den Geist der Sache und verändern das Gesicht der Erde.

Markus - Kapitel 4
Vom Sämann

1 Und er fing abermals an, zu lehren am Meer. Und es versammelte sich viel Volks zu ihm, also daß er mußte in ein Schiff treten und auf dem Wasser sitzen; und alles Volk stand auf dem Lande am Meer. 2 Und er predigte ihnen lange durch Gleichnisse; und in seiner Predigt sprach er zu ihnen:
3 Höret zu! Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen. 4 Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel unter dem Himmel und fraßen's auf. 5 Etliches fiel in das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und ging bald auf, darum daß es nicht tiefe Erde hatte. 6 Da nun die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte verdorrte es. 7 Und etliches fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen empor und erstickten's, und es brachte keine Frucht. 8 Und etliches fiel auf ein gutes Land und brachte Frucht, die da zunahm und wuchs; etliches trug dreißigfältig und etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig. 9 Und er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!
...
13 Und er sprach zu ihnen: Verstehet ihr dies Gleichnis nicht, wie wollt ihr denn die andern alle verstehen? 14 Der Sämann sät das Wort. 15 Diese sind's aber, die an dem Wege sind: Wo das Wort gesät wird und sie es gehört haben, so kommt alsbald der Satan und nimmt weg das Wort, das in ihr Herz gesät war. 16 Also auch die sind's, bei welchen aufs Steinige gesät ist: wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es alsbald mit Freuden auf, 17 und haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Trübsal oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, so ärgern sie sich alsbald. 18 Und diese sind's, bei welchen unter die Dornen gesät ist: die das Wort hören, 19 und die Sorgen dieser Welt und der betrügerische Reichtum und viele andere Lüste gehen hinein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht. 20 Und diese sind's, bei welchen auf ein gutes Land gesät ist: die das Wort hören und nehmen's an und bringen Frucht, etliche dreißigfältig und etliche sechzigfältig und etliche hundertfältig.


Ich bin lange genug konfessionslos, habe die katholische Erziehung in mir restlos ausgerottet, um diese Texte neu verstehen zu können. Das Gleichnis vom Sämann erklärt in dieses Thema. "Satan" ist "Herr dieser Welt", finanz-, kapital- und gier getriebene Systeme jeglicher Art. Jesus, sofern wir hier von einer Person sprechen - das NT ist ebenso allegorisch zu verstehen - war selbst ein Revolutionär. Die Art seiner Lebens- und Wirkungsweise zeigt das Prinzip aller Revolutionen. Ideen/Geist/Leben wirken/wirkt durch deren/dessen scheinbare Vernichtung. Was bleibt ist ein Samenkorn. Auch der Mensch ist so angelegt.

-> Wellenbewegungen der Geschichte

Wir sind historisch zu nahe an 1989 dran um das erkennen zu können. Man sieht doch schon jetzt, dass es so nicht weitergehen kann.

Marx und Engels haben - da sind sich Historiker einig - die Dynamiken kapitalistisch orientierter Volkswirtschaften richtig eingeschätzt. Das ist alles richtig, was die da geschrieben haben.

Deutschland hat man nach dem Krieg verstanden, dass man die soziale Frage lösen muss. Daher gibt es Sozialhilfe, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Rentenversicherung etc. Das alles ist jedoch eine Insellösung. Europa ist ein rein kapitalistisches System, welches diese Insel unter Druck setzt (Transferunion). Zudem wird das deutsche Sozialsystem durch die Zuwanderung unterminiert (Die Flüchtlingskrise geht weiter). Ich rechne daher damit, dass Deutschland das nicht stemmen wird. Das Sozialsystem wird unter dem Druck der europäischen Transferleistungen und unter dem Druck der Zuwanderung zusammenbrechen.

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