#1 "Salvator Mundi" – Die okkulte Botschaft von Leonardo da Vinci von Philolaos 19.11.2017 01:19

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Momentan ist die Auktion um das Bild von Leonardo da Vinci "Salvator Mundi" in aller Munde. "Salvator Mundi" steht für „Erlöser der Welt“ oder „Heiland der Welt“.



Jesus erhebt die rechte Hand zum Schwur und hält eine gläserne Kugel in der linken Hand. Geht es um irgendeine konkrete Kugel? Mir ist keine Bibelstelle bekannt, in der Jesus im Zusammenhang mit einer Kugel genannt wird, also könnte es sich bei der Kugel um ein Symbol handeln?
Ok, was bedeutet dieses Symbol?

In den drei mosaischen Religionen gibt es noch ein anderes Symbol für den Erlöser oder zumindest um die Manifestation Gottes in der Welt, den Kubus.
Und ebenfalls ein Symbol für den idealen Gottmenschen in der Symbolik der christlichen Freimaurerei.
Und es gibt interessanterweise eine direkte geometrische Beziehung zwischen der Kugel (Sphäre) und dem Kubus, die zu einer Struktur führt, die wiederum in der abendländischen Kultur eine überragende wenn auch okkulte Bedeutung hat, die kubischen Kristallsysteme, es gibt davon drei Grundformen. Der Mystiker, Okkultist und Freimaurer Oswald Wirth so wie auch Albert Pike haben diese Zusammenhänge in ihren Büchern beschrieben.

Leonardo da Vinci war in seiner Gesinnung ein Kind der Renaissance ebenso die Freimaurerei. Eine Epoche, in der antikes Gedankengut ans Licht geholt wurde, insbesondere ging es um die platonische Geometrie als Religionsphilosophie, dem Verständnis über das Wesen von Raum und Zeit, Ewigkeit und ewiger Wandel (Sterblichkeit) bzw. Unendlichkeit und Beschränktheit, Gott und Mensch.
Das Christentum entstand aus dem Neuplatonismus, aus dieser Philosophie wurde dann das christliche Dogma – erstarrt und unverstanden.

Wie kann uns diese Geometrie möglicherweise tatsächlich zu einem solchen Verständnis verhelfen?

Erste Erklärungsversuche:
Legt man gleich große Kugeln dicht an dicht nebeneinander, und verbindet alle Mittelpunkte miteinander, so entsteht eine pyramidenförmige, lückenlos raumfüllende Struktur, deren Flächen lediglich aus Dreiecken und Quadraten bestehen. Diese Struktur besteht jedoch nicht nur aus Pyramiden, sondern auch aus Kuben, je nach dem, welche Kugelmittelpunkte wir miteinander verbinden.

Des weiteren hat diese Struktur fraktalen Charakter und einige interessante Eigenschaften, die ausschließlich nur in dieser Geometrie zu finden sind: die absolute Übereinstimmung einzelner Punkte, Kugeln bzw. Individuen nicht nur in Bezug auf Position und Größe, sondern vor allem in Bezug der Verbindung zu allen angrenzenden Punkten, Kugeln, Individuen... diese Verbindungen verhelfen der Struktur zu einer absolut einzigartigen homogenen Einheit.
Eine weitere interessante Eigenschaft ist die Tatsache, dass um jede beliebige Kugel innerhalb dieses fraktalen Gebildes jeweils immer genau 12 weitere Kugeln gruppiert sind. Also 12 direkte Verbindungen zwischen Innen- und Außenwelt eines beliebigen Individuums sind der Garant für die Einbindung in die alleinheitliche "Raummatrix" die es nur so und nicht anders geben kann.
Jesus und seine 12 Jünger.
die 12 Stämme Israels.
die 12 Tore des himmlischen Jerusalems usw...
Was fangen wir nun mit dieser Information an?

Nichts, rein gar nichts.

Solange wir uns nicht über einen längeren Zeitraum meditativ komplentativ mit diesen und ähnlichen Strukturen, sowie ihren spezifischen Eigenschaften befassen.
Unter Anderen gibt es auch auf den Seiten von http://tetraktys.de einige Anregungen dazu.

Eigentlich nur eine Glaskugel in die man viel hinein orakeln kann....., solange man den historischen Background und den Zeitgeist der Renaissance ignoriert, mit dem Leonardo da Vinci konfrontiert wurde. Aus dieser Bewegung gingen später auch die Rosenkreuzer hervor.

Die folgende Zeichnung, die um 1620 entstand, zeigt eine rosenkreuzerische Allegorie, "Das Philosophische Ei". "Rebis" (abgeleitet aus dem lat. zwei Dinge) bezeichnet in der Alchemie ganz allgemein die Vereinigung zweier Prinzipien zu einem höheren Dasein, so z.B. Sulphur und Mercurius, insbesondere aber die Vereinigung des männlichen und weiblichen Prinzips zum Hermaphroditen bei der Bereitung des "Steins der Weisen".
Das ist der Kubus (siehe Oswald Wirth).

In der Kugel bzw. "Sphäre" mit Flügeln befindet sich ein Dreieck und ein Quadrat eingezeichnet. Auch die heutigen Rosenkreuzer verwenden in ihrer Symbolik Dreieck und Quadrat, zusammen mit einem Kreis – leider mehr oder weniger nur aus Tradition mit schwammigem Symbolismus. Das selbe Problem hat die Freimaurerei auch, deren geistige Väter u.a. auch auf wieder auf die Rosenkreuzer zurückgehen, wie folgende Zeichnung beweist (Winkelmaß und Zirkel).




Philosophisch betrachtet geht es um die so genannte hohe Gleichrangigkeit, jedes Individuum (Kugel) ist Herr und Diener zugleich, alle zusammen bilden eine Einheit mit jeweils 12 Berührungspunkten, und das funktioniert geometrisch nur mit dieser sehr einfachen aber universellen lückenlos, raumfüllenden Struktur.
Diese Philosophie ist aktuell deshalb interessant, weil es in der Quantenphysik große Übereinstimmungen gibt. Es wird davon ausgegangen, dass der leere Raum die so genannte dunkle Materie enthält, aus der heraus sich unsere erfahrbare Materie manifestiert. Gewissermaßen ein Schöpfungsakt....

#2 RE: "Salvator Mundi" – Die okkulte Botschaft von Leonardo da Vinci von Philolaos 19.11.2017 02:29

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Es gibt mindestens eine zweite schlüssige Interpretation, was die Bedeutung der Kugel betrifft. Auf etlichen Plagiaten dieses Bildmotivs ist Jesus mit einem Reichsapfel dargestellt, also dem Symbol der königlichen Herrschaft. Der Reichsapfel ist ein Herrschaftszeichen in Form einer Weltkugel. Das nur der Vollständigkeit halber.
Selbstverständlich ist eine Doppelbedeutung ebenfalls sinnvoll. Interessant in diesem Zusammenhang ist da wieder die Handhaltung entweder als Schwur oder als Verschwörungs-Geste. Der alte Kampf zwischen Katholizismus und Gnostizismus. Das heißt, der Maler Leonardo da Vinci könnte sich auch als Gnostiker zu erkennen gegeben haben, für jene, die diese Allegorie zu deuten wussten.

#3 RE: "Salvator Mundi" – Die okkulte Botschaft von Leonardo da Vinci von W.L. 20.11.2017 12:15

Danke für den interessanten Beitrag!

Es ist ein rätselhaftes Bild. Man kann das Gesicht in ein Rechteck der Proportion 5 zu 7 einfügen. Die Breite des Gesichts entspricht dem Durchmesser der Kugel. So bekommt man das Tetraktys-Rechteck Plutarchs (Korff, Wilhelm; Klang der Pyramiden; Olms Verlag; 2008; S. 58) , dessen Schnittpunkt am Ansatz des rechten Auges sitzt. Die Augenbrauen bilden die Oberkante des Kugelumkreises. Der orthogonale Abstand der Kugelmitte bis zur unteren Mitte des Rechtecks beträgt 8:15.



Die Kugel ist eine Geometrie maximaler Symmetrie. Dass sie kristallen ist, das zeigt einerseits ihre Materialität, andererseits hat der Kristall die Eigenschaft der Undurchsichtigkeit überwunden (Elisabet Haich). Er ist Transformation. Licht durchdringt Materie. Das ist eine Christusmetapher, wie sie im Johannesprolog ausgesprochen ist.

Leben weist oft Fünfzähligkeit auf und sieben ist traditionsgemäß die Zahl der Welt. Das Rechteck 7 zu 5 bedeutet die Welt(7) die vom Leben(5) durchdrungen ist. Die Kugel ist ja schon eine Metapher für die Welt (Reichsapfel). Über die hat Da Vinci aber nicht das Kreuz gestellt, sondern er lässt die Welt von Licht durchsrömen. Das Kreuz trägt Christus als Band auf seiner Brust.

#4 RE: "Salvator Mundi" – Die okkulte Botschaft von Leonardo da Vinci von Philolaos 22.11.2017 03:46

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Licht durchdringt Materie, eine sehr schöne Interpretation, und auch schlüssig! Zur Durchsichtigkeit der Kugel könnte man vielleicht noch vermuten, dass Leonardo da Vinci eine gewissermaßen unsichtbare okkulte Botschaft transportieren wollte, welche auch immer. So wie auch beim Bild vom Abendmahl, die schwörende Hand würde dazu passen.

Dass uns der Künstler etwas mit den Proportionsverhältnissen des Gesichts etwas sagen wollte, halte ich dagegen für relativ unwahrscheinlich. Aber es gibt tatsächlich den einen oder anderen Autor, der ganze Lebenswerke von bestimmten Künstlern auf diese Weise zu dekodieren versucht hat. Unten in meinem Bücherregal steht auch so ein Buch (gelber Einband) müsst ich mal schauen. Da hat dann absolut jedes Detail eine mystische Bedeutung.

Es gab wohl mal eine Studentengruppe, die eine komplettes Wasserwerk auf diese Weise nach dem goldenen Schnitt abgesucht hat, wie viele Übereinstimmungen sie diesbezüglich dann zwischen den verschiedensten Objekten gefunden haben, soll beeindruckend gewesen sein. Wer suchet der findet.
Zum Interpretieren von Kornkreisen finde ich diese Methode aber absolut schlüssig, falls der Künstler oder wer auch immer die Absicht hatte, auf diese Weise Botschaften zu transportieren, denn das sind ja oft rein geometrische Gebilde.

#5 RE: "Salvator Mundi" – Die okkulte Botschaft von Leonardo da Vinci von W.L. 22.11.2017 09:18

Ich denke ebenso. Habe dem Gedanken "Licht durchdringt Materie" die Quelle beigefügt.
Man könnte Da Vincis Gemälde dem Beitrag über das Das Weihnachtsmysterium als Illustration beifügen, was ich bereits getan habe.

Die Kugel hat allerdings auch keine Teilung. Es weist nichts darauf hin, dass sich die Kugel vervielfältigt oder innen teilt.

Dennoch erscheint mir das Gemälde Da Vincis irgendwie Proportionsgetrieben. Es ist sehr geometrisch aufgebaut. Es gibt da jede Menge geometrischer Ansätze. Da Vinci ist kein Wasserwerk und natürlich sind es Kornkreise auch nicht. Ohne definitive Notizen da Vincis ist alles leider nur Spekulation.



Korrekterweise sind meine Kornkreisanalysen Hypothesen, sofern sie sich auf die Gebilde im Kornfeld beziehen. An und für sich sind es reine Geometrien von harmonikaler Struktur und mit definitiven geometrischen Aussagen. Man findet diese Geometrien evtl. auch auf einem zerknüllten Butterbrotpapier im Kaffeesatz oder in einem Wasserwerk, wenn man danach sucht. Das sagt aber weniger etwas über diese Geometrien aus, als über den der dort danach sucht. Dass derlei Geometrien ebenso in Kristallen und im Atombau vorzufinden sind, dass sagt etwas über diese Geometrien aus und nicht über den der sie dort auffindet.

Das Ei
als Metapher kommt auch in einem Text von Jakob Böhme vor.
Seltsamerweise ist die Anatomie des Hühnereis ebenfalls siebenfältig.

Die Erde besitzt sieben Schalen, ein Wasserwerk vermutlich nicht, aber das OSI-Modell und die Atomschale.

Die Siebenereinteilung ist eben eine gängige, vermutlich archetypische Einteilung. Ob die Natur sie ebenfalls benutzt, kann ich nur vermuten. Im Atom ja. Beim Ei und bei den Erdschichten scheint es so zu sein. Das OSI-Modell zeigt, dass diese Einteilung Eingang in die Systemtheorie gefunden hat und wenn ein Wasserwerk systemtheoretisch strukturiert wäre, hätte es auch sieben Komponenten. Wohl auch nicht zufällig kennt die Astrologie sieben Planeten und dabei würde ich auch gerne bleiben, auch wenn moderne Astrologen mehr davon kennen wollen. Uranus, Neptun, Pluto sind in meinen Augen Oktavkräfte von Merkur, Venus, Mars. Die klassische Tonleiter hat sieben Stufen, obgleich es kaum Gründe gibt, warum es nicht neun oder dreizehn sein sollen. Wir sind psychisch auf die Sieben gepolt. Das ist kein Zufall.

Sieben und Vier und Drei stehen in einer natürlichen Symmetrie zueinander.
Jacob Böhme, Clavis Schaubild
Böhmes Gottesbegriff und seine sieben Qualitäten (Alchemie der modernen Physik)

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