#1 Was ist Harmonik? von W.L. 29.11.2017 10:55

Es gibt Fragen, deren Beantwortung Jahrzehnte intensiver Beschäftigung mit dem Gegenstand einer Fragestellung erfordern.

Eine der schwierigsten Fragen ist die Frage:
Was ist Harmonik? Ich will dazu den Untertitel eines Artikels aus dem Spiegel vom 28.07.2003 zitieren:

Die Musik-Formel
Lieder können zu Tränen rühren und Massen in Ekstase treiben. Wie ist das möglich? Forscher entschlüsseln, wie sich physikalische Schwingungen in Gefühle verwandeln - und wie die rätselhafteste aller Künste einst entstanden ist. Machte erst die Musik den Menschen zum sozialen Wesen?
Der Spiegel, 28.07.2003

Der Artikel verspricht dem Leser: "Forscher entschlüsseln, wie sich physikalische Schwingungen in Gefühle verwandeln". Es werden viele Aspekte beleuchtet die letztendliche Klärung versprechen. Der Artikel zeigt viele interessante Aspekte der Musik auf. Der Historische, der Entwicklungsgeschichtliche, der psychologische Aspekt, schließlich der wissenschaftliche Aspekt. Wissenschaftlich bedeutet in diesem Fall, wie Musik im Gehirn verarbeitet wird. Letztlich hilft dies dem Verständnis wenig. "Neuronen", "Gehirnzellen", das "limbische System" sind Begriffe eines Erklärungsmusters, das dazu dient, den Menschen als ein der wilden Natur entwachsenes Tier zu bezeichnen. Ein Objekt der darwinschen Evolutionstheorie. Ich will die Problematiken dieser Theorie hier nicht weiter auffächern und verweise nur auf: Siegfried Scherer über Evolution

Pythagoreische Harmonik

Mein Anliegen ist es den philosophischen Aspekt der Harmonik zu beleuchten, denn Harmonik ist ganz wesentlich eine Philosophie, die auf Pythagoras zurückgeht.

Harmonik nimmt sich der Frage an: Warum rührt Musik den Menschen an. Welche Gesetzmäßigkeiten stehen dahinter. Man könnte Harmonik, wie im Artikel des Spiegels verkürzend auch als "Musik - Formel" bezeichnen.

Harmonik wird im Allgemeinen mit Harmonienlehre verwechselt. Jedoch liegt hier eine moderne Verwechslung vor, die sich inzwischen lexikalisch zementiert hat. Harmonik und Harmonienlehre war in früheren Jahrhunderten nicht das Gleiche.

Harmonienlehre ist erforderlich um ein Instrument zu spielen und um Musikstücke komponieren zu können. Eine Theorie die Auskunft über den Zusammenklang von Tönen gibt. Das war in früherer Zeit nur ein Teil der Harmonik.

Harmonik ist eine Philosophie, die sich noch in Keplers Werk Harmonices Mundi erhalten hat
Siehe Dazu: ”HARMONICES MUNDI“
Ein Vortrag von Harald Böttger, theoretischer Physiker an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,

Quantenphysik bestätigt Harmonik

Weshalb befasst sich ein theoretischer Physiker wie Harald Böttger mit der Harmonik Johannes Keplers? Hat Harmonik etwas mit theoretischer Physik, speziell mit Quantenphysik zutun? Die Antwort lautet: ja.
Die Quantenphysik hat Harmonik letztlich bestätigt, denn:
"Die Quantisierung der Energieniveaus bewirkt auch die Gleichförmigkeit der Natur."
Barrow, John D.; Die Natur der Natur, Rohwolt 1996, S.223,

Eben diese "Quantisierung" ist auch Grundlage musikalischer Intervalle. Musik hat also etwas mit Mathe zutun. Das ist durchaus nicht trivial.

Kants Kritik der reinen Vernunft

Ein musikalisches Intervall ist ein Gebilde welches, wie ein Eisberg, einerseits sinnlich wahrgenommen wird, andererseits aber in der transzendentalen Welt verankert ist. Dabei verwende ich den Begriff "transzendental" in Sinne Kants. Kants Erkenntnistheorie (Epistemologie) zeigt klar, dass die sinnliche Komponente unserer Erkenntnis zwar notwendig, jedoch nicht Sinn gebend ist. Der Sinn oder die Bedeutung eines Wahrnehmungsaktes ist schon vorher (a priori) gegeben und ankert wie der Eisberg in der Tiefe, in der Transzendenz. Eines der sinnfälligsten Beispiele ist das musikalische Intervall.

In ihrem Kern ist Musik reine Mathematik - berechenbare Luftschwingungen, deren Frequenzen sich nach physikalischen Regeln überlagern. Und doch geschieht eine Art Wunder: Mathematik verwandelt sich in Gefühl.
Der Spiegel, 28.07.2003

Ich will das am Intervall der Oktave klar machen. Das mittlere C am Klavier hat eine Frequenz von 264 Hz (Schwingungen pro Sekunde). Das nächsthöhere C' mit 528 Hz ist exakt das Doppelte davon. Man kann dies mit einer Rechnung klar machen:

264 Hz : 528 Hz = 1 : 2

Diese schlichte Gleichung ist Dreh und Angelpunkt musikalischer Wahrnehmung. Es ist die Antwort auf die eingangs aufgeworfene Frage: Warum rührt Musik den Menschen an?
Links des Gleichheitszeichens sehen wir die Welt der sinnlichen Apperzeption. Wir haben zwei Klangereignisse. Rechts sehen wir zwei ganze Zahlen. Das ist die Welt der Erkenntnis, die Region von Kants Transzendenz in welcher der Mensch wirklich und wirkend zuhause ist.
-> Wie kam der Mensch zur Musik: Eine Betrachtung zum Intervallempfinden

Spiritualität: Der Mensch ist wesenhaft Geist

Um im Bild des Eisbergs zu bleiben. Der Mensch ist nicht Seefahrer, der etwa einen Eisberg sieht und ahnt, dass der größte Teil unter Wasser ist. Der Mensch ist vielmehr ein Meeresbewohner, der mit dem Teil des Eisbergs, der unter Wasser ist, umgeht, ihn umschwimmt und so erkennt. Der Teil über Wasser ist jener Teil der sinnlichen Wahrnehmung, von der wir nur glauben, dass sie uns wesentlich zu eigen sei. Erkenntnis vollzieht sich in der Transzendenz. -> Kantsche Kategorien
Der Wesenskern ist selbst aber unerkennbar. Dieser unerkennbare Geist sind wir selbst.
-> Warum der Geist unerkennbar ist

Diese transzendentale Welt ist jedoch und das besagt die Harmonik, auch die Welt der höheren Empfindungen. Geist ist Abstraktion, Abstraktion ist jedoch ganz wesentlich Empfindung.
-> Neue Auffassungen vom Herzen als Organ

Siehe auch: Willibald Limbrunner, Zahl Seele Kosmos, Synergiea Verlag, 2010

Was Harmonik ist, das erklärt in anderer Weise der Artikel zu Hans Kayser:
Hans Kayser, Wiederentdecker der Harmonik

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