#1 Die Reden Buddhas im Pali-Kanon von W.L. 13.02.2018 14:40

Der Pali-Kanon ist die in der Sprache Pali verfasste, älteste zusammenhängend überlieferte Sammlung von Lehrreden des Buddha Siddhartha Gautama. Die Sammlung ist ein Buddhistischer Kanon und wird durch die Bezeichnung Pali- von anderen derartigen Sammlungen wie dem „Sanskrit-Kanon“ oder dem „Chinesischen Kanon“ unterschieden.
Pali-Kanon

Palikanon, eine Übersetzung ins Deutsche

Die Vier Grundlagen der Achtsamkeit
* verweilt der Mönch beim Körper in der Betrachtung des Körpers, (kāyānupassanā) eifrig, klarbewußt, achtsam, nach Verwerfung alles weltlichen Wünschens und Sichgrämens.
* Er verweilt beim Gefühl in der Betrachtung der Gefühle (vedanānupassanā). . .
* beim Gemüt [Bewußtsein] in der Betrachtung des Gemüts [Bewußtseins] (cittānupassanā). . .
* bei den Erscheinungen [Geistesformationen] in der Betrachtung der Erscheinungen (dhammānupassanā), eifrig, klarbewußt, achtsam, nach Verwerfung weltlichen Wünschens und Sichgrämens.«

#2 RE: Die Reden Buddhas im Pali-Kanon von W.L. 14.02.2018 15:17

Die fünf Khandas

Die Betrachtungen umfassen alle Formen und Erscheinungen, die im Bewusstsein da sind.
So etwa die Daseinsgruppen, die fünf Khandas

die Körperlichkeitsgruppe (rūpa-kkhandha),
die Gefühlsgruppe (vedanā-kkhandha),
die Wahrnehmungsgruppe (saññā-kkhandha),
die Gruppe der Geistesformationen (sankhāra-kkhandha)
die Bewußtseinsgruppe (viññāna-kkhandha)

Deren Gewahrwerden und Betrachten impliziert zweierlei.
Erstens ist der Gewahrwerdende, der sich als ein Ich wahrnimmt, von ihnen unterschieden.
Ich betrachte -> (diese Gefühlsgruppe, diese Wahrnehmungsgruppe, diese Gruppe der Geistesformationen, diese Bewußtseinsgruppe)
Das Ich ist also verschieden von diesen. Es ist nicht (Gefühl, Wahrnehmung, Geist, Bewußtsein)
Neti Neti (Nicht dies, nicht das)

Zweitens entkleidet sich das, was wir "Ich" nennen sukzessive all seiner Daseinsgruppen, mit denen sich das "Ich" identifiziert.

Am Ende bleibt Leerheit (śūnya means "zero," "nothing," "empty" or "void".) als das Wesen dessen was diese Betrachtung anstellt.

Zu den Daseinsgruppen gehört - erstaunlicherweise - auch die "Bewußtseinsgruppe". Also alle Formen, Ideen, Vorstellungen, deren das Bewusstsein überhaupt fähig ist.

Daher ist das Wesen des Ich, Leerheit.

Theoretisch dürfte nach der Unterscheidung=Betrachtung allen fünf Daseinsgruppen kein Ich mehr da sein. In der Tat wird das behauptet, sofern das Ich Eigenschaften hat, sich mit etwas identifiziert.

Das Wahre Wesen des Menschen ist daher Leerheit. Dennoch ist diese fähig all das zu erkennen und von sich zu unterscheiden.

Oft wird dieses aller Eigenschaften entkleidete "Ich" auch "Selbst" genannt. Es gibt tausend Bezeichnungen.
Johannes 10,34: "Jesus antwortete ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter"?

Der gleiche Weg wird im Raja-Yoga beschritten. Am Ende bleibt das Ich, entkleidet aller seiner Tätigkeiten, wie handeln, fühlen, denken, etc.
-> Meditation nach der Methode von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich
Daher wird in den Yogasutras des Patanjali gesagt, "Samadhi" (Einheitsbewusstsein) ist Befreiung vom "Ich-Wahn".

Was auch immer Jean Gebser ( Bewusstseinsentwicklung nach Jean Gebser ) das "Integrale Bewusstsein" nennt, es kann sich nur auf das beziehen, was

EINS

ist.

Das "Integrale Bewusstsein", eine moderne Version dessen, was immer schon existierte und auch benannt wurde. "Samadhi", "Leerheit", "Satori", "Erleuchtung", "Sein", als letzte Dinge.

#3 RE: Die Reden Buddhas im Pali-Kanon von W.L. 15.02.2018 14:27

Der Schock für das alltägliche Bewusstsein

Warum scheinen EINS und Sunyata (Leerheit) identisch und das Wesen des Ich zu sein?

Wahrnehmung (Hegel, PhG, Kap. 2)
Sehen wir ein Objekt (Z.B. einen Baum, oder was auch immer), so erscheint dieses Objekt gleichzeitig desshalb, weil es sich von allen anderen Objekten unterscheidet. Das heißt, alle anderen sind nicht dieses Objekt. Man kann ebenso sagen, das Objekt und dessen Negation, die Nicht-Objekte, erscheinen gleichzeitig (Hegel, Phänomenologie des Geistes, Kap. 2 Wahrnehmung).

Auf diese Weise sind Sein und Nichtsein in unserer Wahrnehmung eins. Hegel sprich von "für sich sein" (Baum) und "für ein anderes sein" (Wiese, Wolken, Blumen, etc.). Weil in diesem Prinzip alle Wahrnehmungen stattfinden und dieses Prinzip weder Raum noch Zeit erfordert, ist es grundlegend und eins, "Integrales Bewusstsein" (Ken Wilber), Weltseele (Hegel), etc.

Der Buddhismus ist insofern keine Philosophie, sondern Handlungsanweisung, somit ein Weg. Die Philosophie ist dem Buddhismus implizit. Sie liegt unausgesprochen vor. Man kann sie, wie oben geschehen, daraus herleiten.

Das Paradoxon
Ich betrachte -> (diese Gefühlsgruppe, diese Wahrnehmungsgruppe, diese Gruppe der Geistesformationen, diese Bewußtseinsgruppe),
ist analog dem Paradoxon der Wahrnehmung ("das Objekt und dessen Negation, die Nicht-Objekte, erscheinen notwendig gleichzeitig").
Ich(Negation) und diese(Erscheinungen) erscheinen immer gemeinsam. Die Erscheinungen sind ohne das Ich, leer. Das Ich ist in der Unterscheidung gegen die Erscheinungen leer.

Leerheit (Negation) ist daher notwendige Grundlage allen Seins.
Das meint "Sunyata" (buddhistischer Begriff der Leerheit).

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