#1 Viktor Orban von W.L. 08.04.2018 18:26

Viktor Orbán, der Popanz Europas:
In jeder Dokumentation, in jeder Diskussion unserer Medien, ob TV, Radio oder Presse gilt Ungarns Ministerpräsident als Schreckensgestalt europäischer Flüchtlingspolitik. Aber "Ungarn hat 2015 im Vergleich zur Bevölkerung die meisten Asylbewerber im Land gehabt – nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat handelt es sich um 17,7 Asylbewerber auf 1.000 Einwohner. Das osteuropäische Land hat damit Schweden (16 Asylbewerber pro 1.000 Einwohner) überrundet, das ein Jahr zuvor noch die Spitzenposition innehatte" (Die Zeit vom 21. März 2016). Ist es da verwunderlich, wenn die ungarische Regierung einen Stopp verhängt hat? Eine Finanzierung von Ungarns Grenzbefestigungen wurde von der Europäischen Union verweigert, obgleich entsprechende Befestigungen an der Landgrenze Bulgariens zur Türkei alleine durch die EU finanziert und betrieben werden. "Am Grenzpunkt bei Kapitan Andreewo wurden Fahrzeuge, Wärmebildkameras und Beamte der neuen Agentur vorgestellt, die die EU-Außengrenze stärker vor illegalen Übertritten von Flüchtlingen aus der Türkei sichern sollen. Die Europäische Grenz- und Küstenwache nahm damit weniger als ein Jahr, nachdem die EU-Kommission eine solche Einrichtung vorgeschlagen hatte, an Bulgariens Grenze zur Türkei offiziell ihre Arbeit auf" (Haller Kreisblatt vom 06.10.2016).

"Seit 2002 hat die EU 56 Projekte mit 316 Millionen Euro für die Erforschung von Grenztechnologie finanziert, führende Rüstungsunternehmen wie Airbus Defence and Space, Thales aus Frankreich, BAE Systems aus Großbritannien, der italienische Konzern Leonardo. Finmeccanica, das spanische Unternehmen Indra, aber auch das deutsche Fraunhoferinstitut oder gar israelische und türkische Firmen hatten Zugriff auf die EU-Fördertöpfe. Sie rüsten die EU-Grenzen in Bulgarien und Ungarn mit neuester Technik aus: ein superpräzises Radarsystem von Airbus, das kleinste Objekte noch aus 220 Kilometer aufspüren kann. Da kommt keine Fliege mehr durch."
Diktatoren als Türsteher Europas: Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert
von Christian Jakob, Simone Schlindwein, S. 195

Die Autorin des o.a. Buchs Simone Schlindwein ist Auslandskorrespondentin der Taz und schrieb auch diesen Artikel.
Das Geschäft mit Hightech-Grenzen, Taz vom 15. 12. 2016

Worum geht es? In Frankreich haben im Jahr 2017 9000 Menschen um Asyl nachgefragt.
Siehe: Statista/Asylbewerber/Frankreich

Wenn Ungarn nun keine Flüchtlinge aufnehmen will, wo ist der gravierende Unterschied zu Frankreich? Wenn wir darüber sprechen wollen, wie frei die Presse in Ungarn ist, so ist dies ein Thema, das in unseren Medien kaum angerissen wird. Das Hauptthema ist die Weigerung Ungarns Flüchtlinge aufzunehmen. Die EU droht sogar mit Sanktionen. Eine Aufregung die 80 Millionen Rinder und Schafe in Deutschland auf die Barrikaden bringt, weil unsere Medien unisono ein verzerrtes Bild der Gesamtlage präsentiert. In Ostdeutschland nennt man das, nicht ganz zu unrecht "Lügenpresse". Die Medien selbst inclusive ihrer politischen Galeonsfiguren suhlen sich im Impetus der Gerechten.

Wenn Orban etwa zum bayrischen Parteitag eingeladen wird, so sieht die Presse darin "Eine bewusste Provokation" (Augsburger Allgemeine vom 5.1.2018") und nicht etwa eine Maßnahme der Versöhnung eines Europas, das durch Merkels Flüchtlingspolitik exakt dort gespalten wurde, wo früher der Eiserne Vorhang stand. Diese geistige Mauer, die diesmal von westeuropas Populisten errichtet wurde, geht mitten durch Deutschland und teilt diese Republik wieder in ein helles Deutschland und ein "Dunkeldeutschland". Der Bundespräsident, der diese geistige Mauer erneut mitten durch dieses Land zieht, sieht sich in seinen Ansprachen als Integrationsfigur. Man mag daran ermessen, wie der Realitätsverlust in Schloss Bellevue fortschreitet.

"Wenn Afrika scheitert, verlieren wir alle
Der Präsident wies darauf hin, dass das Wohlergehen Afrikas und Europas zuammenhänge. "Wenn Afrika scheitert, verlieren wir alle, weil Europa von einer Migrationswelle überrollt würde", sagte Macron."

Dieses Zitat finden wir in der österreichischen Krone-Zeitung "Wenn Afrika scheitert, verlieren wir alle", Krone vom 29.11.2017, bei Cicero, Epochtimes, derstandard.at, Contra-Magazin, Kopp-Report. Wir finden es nicht bei der FAZ, SZ, Spiegel, Focus, etc. Ob dieses Macronzitat die Mauern um Schloss Bellevue durchdringen konnte, darf bezweifelt werden.

Deutschland jedenfalls hätte bei noch immer offenen Grenzen ohne Orbans Zaun längst weitere Millionen Flüchtlinge im Land. Das Chaos des Herbstes von 2015 wäre unumkehrbar. Dafür dürfen wir Orban weiterhin als Bösewicht schelten und mit Fingern auf Dunkelungarn deuten. Der Kindergarten der deutschen Medienlandschaft zeugt von größeren kollektiven psychischen Defekten. Wir sollten unsere Psychiatrien auflösen und Deutschland überdachen.

Für den verbliebenen kleinen Rest Deutschlands gilt noch immer: „Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“ (Peter Sloterdijk, Philosoph)

#2 RE: Viktor Orban von W.L. 09.04.2018 17:43

Die Welt titelt nach der Wahl in Ungarn:"Nun droht die Orbánisierung Europas". Die wenigen Argumente die man in diesem Artikel suchen muss sind etwa:
1. Dass Ungarn beispielsweise ohne die EU-Subventionen bald pleite wäre,
2. dass kaum ein muslimischer Flüchtling in Ungarn bleiben will und
3. dass Angela Merkel Orbán die Migranten abgenommen hat,
das spielt in der ungarischen Debatte keine Rolle.

Nun droht die Orbánisierung Europas, Die Welt vom 9.4.2018
Diese schnell hingeschmierten Argumente erweisen sich als Nonsense, denn

zu 1. Ungarn ist mit der Staatsverschuldung europaweit auf Platz 14, Deutschland Platz 16. Frankreich auf Platz 7. Bevor Ungarn also pleite geht sind 13 andere Länder fällig. Unter den 30 aufgeführten Ländern steht Ungarn im Mittelfeld und ist ebenso vorbildlich wie Deutschland.

Zu 2. Flüchtlinge gehen dort hin, wo es schon Landsleute gibt und Ungarn hat kaum Muslime, Deutschland hingegen ca. 4 Millionen.

Zu 3. Von "Flüchtlinge abnehmen" kann nicht die Rede sein, denn die Flüchtlinge weigerten sich im Herbst 2015 in Ungarn registriert zu werden. Sie wollten nach Deutschland. Warum nur?

Der Artikel strotzt von Panikmache und Wut. Dieses Geschmiere verdirbt den Charakter.

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