#1 Kants Kategorischer Imperativ, Bedrohung oder Segen? von W.L. 07.05.2018 14:21

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ – Immanuel Kant
Genauer: Immanuel Kant – der kategorische Imperativ: Erklärung, Kritik und Beispiel

Einschränkung des kategorischen Imperativs:
Der kategorische Imperativ bietet viele Ansatzpunkte um Kritik zu üben. Einer der deutlichsten ist das Problem der Verallgemeinerung. Die Frage ist, wie weit man eine Verallgemeinerung treiben kann oder darf. Das gerade im Beispiel beschriebene Problem könnte ich auch so verallgemeinern: Immer wenn ich Essen klauen kann statt zu sterben, klaue ich das Essen. Und hier könnte man aus moralischer Sicht zu einem anderen Urteil kommen. Würden alle sterben statt Essen zu klauen, gäb es irgendwann keine Menschen mehr. Folge: Denkunmöglichkeit und moralische Richtigkeit des Diebstahls.
Immanuel Kant – der kategorische Imperativ: Erklärung, Kritik und Beispiel

Der kategorische Imperativ ist nicht isoliert von der Aussage Kants zur Freiheit des Denkens und zur Vernunft zu sehen.
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. […] Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
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„Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit, nämlich die Freiheit, von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.“

Fangt an zu denken! – Immanuel Kant: Was ist Aufklärung?

Der kategorische Imperativ ist in seiner Allgemeingültigkeit eine Theorie und würde bei totaler Umsetzung in einer Diktatur der Vernunft enden. Kants Absicht war es nicht, ein Rechtssystem zu errichten. Im Gegenteil, würde der kategorische Imperativ Allgemeingut sein, so wäre ein Rechtssystem überflüssig. Er ist also eine Utopie. Seine Anwendung muss dort eingeschränkt werden, wo er mit der Freiheit des Einzelnen kollidiert, der diese Maxime nicht oder noch nicht erkennen kann. Dadurch besteht die Möglichkeit ein Rechtssystem so zu begründen, dass die Mehrheit derer, die sich einem solchen System zum Nutzen der Allgemeinheit unterwirft, damit einverstanden sein kann. Ein Rechtssystem darf also den kategorischen Imperativ niemals in Gänze umsetzen. Es muss mit dem Willen der Mehrheit übereinstimmen. Daher kann ein solches System nicht uneingeschränkt auf alle Länder dieser Erde übertragen werden. Das deutsche Recht würde z. B. in Saudi-Arabien scheitern, da die Mehrzahl der Menschen dort damit nicht einverstanden wäre.

Ähnliche Ansätze sind das "globale Denken" oder "die Verantwortung des Einzelnen für die Umwelt", "wir sind eine Welt" oder globales Lernen, sie führen, ohne die freiwillige Einsicht, die jeder aus sich selbst heraus zu gewinnen hat, in eine Diktatur, die wir in Ansätzen schon sehen können.

Der Fehler des Westens
Dieser Fehler wird vor allem von westlichen Demokratien begangen, wenn die Demokratie für alle Länder dieser Welt zwingend als geeignete Staatsform erzwungen werden soll. Demokratie ist ein Gut, das von den Menschen eines Landes gewollt und errungen werden muss.

Es scheint so, dass wir mit dem Aufkommen von "Political Correctness" schon auf dem Weg in eine solche Diktatur sind.

"Es gibt in Deutschland Tabus. Wer gegen den Euro ist und dies öffentlich kundtut, hat in aller Regel einen schweren Stand. Gutmenschen jeglicher Couleur denunzieren Menschen mit eurokritischen Meinungen in Talkshows als europafeindlich und als Revanchisten.
Auch wer den menschengemachten Klimawandel in Frage stellt, findet kaum Fürsprecher. „Solche Menschen haben kein Verantwortungsgefühl für die Zukunft unserer Kinder“, heißt das Totschlagargument. Und wer gar die Schuld an Armut und sozialen Problemen bei den Betroffenen selbst sucht, ist hartherzig und bar jeder Solidarität. Nur das Christentum darf man ablehnen. Weil der Papst die Pille verbietet und Priester im Zölibat leben. Am Islam ist dagegen jede Kritik verboten. Das wäre fremdenfeindlich."

Was darf man in Deutschland sagen – und was nicht?

Mit der Wucht einer allgemeinen Gültigkeit werden Maximen ausgegeben, die nicht mehr zu hinterfragen sind. Das steht im Widerspruch zum kantschen Aufruf zu eingenständigem Denken, gleicht aber der Allgemeingültigkeit des kategorischen Imperativs.

Keiner wagt, Alternativen zu denken
Aber wo sind die Alternativen zur herrschenden Meinung und die neuen Denkansätze? Fehlanzeige! Wenn abweichende Meinungen nicht mehr geäußert werden, weil ihre Vertreter sofort als unmoralisch gegeißelt werden, versiegt bald jede Diskussion.
Unter dem Einfluss von Political Correctness und Tabus entstand in der Bundesrepublik ein alternativloses politisches und intellektuelles Klima, das der Philosoph Peter Sloterdijk folgendermaßen beschreibt: „Ob einer sich zur Sozialdemokratie bekennt oder nicht, spielt schon längst keine Rolle mehr, weil es Nicht-Sozialdemokraten bei uns gar nicht geben kann, die Gesellschaft ist per se strukturell sozialdemokratisch, und wer es nicht ist, der ist entweder im Irrenhaus oder im Ausland. Es gibt keine ernsthafte Alternative dazu.“
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"Der Medientheoretiker Norbert Bolz spricht Klartext: Seit Jahrzehnten dominierten die Linksintellektuellen den Diskurs, sie hätten „das ausgeprägt, was wir Political Correctness nennen“. Daher gebe es nicht nur in der Welt der Kultur, sondern vor allem in den Massenmedien – auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk – einen „massiven, linksgeprägten Diskurs“."
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"„Neusprech und Gutdenk“ überschrieb die „Zeit“ vor einiger Weile eine Betrachtung über die Political Correctness und zitierte damit George Orwell. In dessen Dystopie „1984“ entwickelt der Staat eine Kunstsprache, den Neusprech, „um die Vielfalt der Gedanken zu verringern“. Gutdenk ist richtiges Denken, das diejenigen bestimmen, bei denen die Deutungshoheit liegt."

Was darf man in Deutschland sagen – und was nicht?

Die Utopien wurden längst zu Dystopien, wenn man etwa daran denkt, mit welcher Energie Hunderte von NGOs unter dem Dach der UN daran arbeiten, Menschen nach Europa umzusiedeln, anstatt darum zu kämpfen, dass Menschen dort leben können, wo sie zuhause sind (Unsere Zukunft).

Diesem Ansatz scheint auch der als Philantrop bekannte Multimilliardär George Soros zu folgen, der just unter dem Aufänger "Fangt an zu denken! – Immanuel Kant: Was ist Aufklärung?" platziert wird.Es heißt da:

"Die größte Bedrohung dieser Freiheit zu denken, liegt jedoch heute im Internet (sage ich, wo Sie gerade diese Zeilen im Internet lesen, ich weiß). Was damals Kant damit beschrieb, das Denken an die Fachleute weiterzugeben, ist heute die Tatsache, die Google-Suchmaschine und nicht die eigene Denkmaschine anzuwerfen."

Vertrauen auf die Vernunft ist Aufklärung
Es ist die perfekte Verdrehung des Freiheitsgedankens, wenn das Internet als "größte Bedrohung dieser Freiheit" angesehen wird, denn alles im Internet beruht auf Freiwilligkeit. Niemand wird gezwungen sich daran zu beteiligen, hineinzusehen oder sich bestimmte Informationen zu beschaffen. Wer sich welche Informationen und wie verschafft, das muss dem Individuum überlassen bleiben. Auch dann, wenn es um sogenannten Fake geht. Denn der Gedanke der Aufklärung beruht eben nicht auf Steuerung, sondern auf den Vertrauen in die Vernunft, aus dem alleine Freiheit gedeien kann. Das ist der Grundansatz. Einzugreifen ist nur dort, wo Gesetze gebrochen und Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Anders gesagt: "Wir müssen furchtbare Dinge aushalten", Die Zeit vom 4. Januar 2017 "Was ist bei Hatespeech konkret verboten? Hassäußerungen, die volksverhetzend oder beleidigend sind. Das ist ein rechtlich relevanter Bereich, der auch verfolgt werden muss. Es gibt aber auch zulässige Äußerungen, die wir als widerwärtig, herabsetzend oder ausländerfeindlich ansehen. Die müssen wir aushalten, wenn das Gesagte oder Geschriebene nach unserer Rechtsordnung nicht strafbar oder persönlichkeitsrechtsverletzend ist. Ein generelles Verbot von Hatespeech zu fordern, ist sehr ungenau. Zur Ehrlichkeit der Politik würde auch gehören, zu sagen: Zum Schutz der Meinungsfreiheit gehören auch Meinungen, die uns nicht passen."

Im zitierten Artikel (Fangt an zu denken! – Immanuel Kant: Was ist Aufklärung?) heiß es weiter:
Auf einen anderen Aspekt hat vor einigen Tagen der Finanzinvestor George Soros auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hingewiesen: durch die immer stärkere Monopolisierung im Bereich der Social Media erhält der Nutzer immer weniger Alternativen, bei denen er sich nach Informationen umschaut. Die großen Monopolisten wie Google, Facebook oder Amazon nutzen dies verstärkt, um gegenüber ihren Nutzern ihre eigenen, kommerziellen Ziele durchzusetzen. Was ursprünglich entstand für den gegenseitigen Austausch (und damit eine Grundlage für Freiheit darstellte), wird immer mehr zum Mittel der Kommerzialisierung.

Eigenartig klingt diese Feststellung, wenn sie aus dem Munde eines Mannes kommt, der mit der Macht seines Kapitals ein ganzes Land an den Rand des Ruins trieb (So knackte George Soros die Bank of England).

Interessant ist daher, was nun folgt:
Eine weitere, noch größere Gefahr sieht Soros darin, wenn diese großen Monopole nicht nur kommerziellen Interessen folgen, sondern für politische Ziele eingespannt werden.
Soros weist auf die Gefahren hin, die auch in einer freien Gesellschaft dem freien Denken drohen können. Bereits Kant lehrte in seinem Essay, dass die große Gefahr für das Denken nicht äußere Repressalien, sondern die Bequemlichkeit des Einzelnen ist, und dass das freie Denken von dem bedroht wird, dem man jeden Tag vertraut.


Die Gefahr droht eben nicht aus der Bequemlichkeit sondern aus dem Missbrauch einer solchen Aussage. Kants Grundprinzip ist die Freiheit des Denkens. Selbstverschuldet ist die Unmündigkeit aus Mangel an Mut und nicht aus Bequemlichkeit:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. […] Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
Imanuel Kant

Der als Philantrop getarnte Sorros strebt völlig abweichende Ziele an. Kant dient hier lediglich als Aushängeschild einer philosophischen Denkweise, der sich die Ungebildeten besser freiwillig unterwerfen und anvertrauen sollen. So etwa diente Karl Marx als Aushängeschild des Leninismus, der im Übrigen erst von Stalin inszeniert wurde. Gleiches gilt für Mao und den Maoismus. Heute dürfen wir getrost vom Sorroismus sprechen, der unter dem Deckmantel der Menschenrechtsdeklaration und unter dem Dach der UN vorangetrieben werden soll.

Das Stichwort heißt Umsiedelung anstatt Befriedung, mit dem Zweck multinationalen Konzernen eine Deckung für ihr menschenverachtendes Werk an Ausbeutung der Resourcen armer Länder zu bieten. Deren Opfer werden dann unter der Repressalie der Menschenrechte nach Europa umgesidelt, um dort ein leichter lenkbares Völkergemisch zu erzeugen:
Unsere Zukunft A
Unsere Zukunft B

Weiterführende Hinweise:

"Die Krisen, die Flüchtlinge produzieren, hängen ausnahmslos mit dem Eingreifen westlicher Länder in den Krisenregionen zusammen. Auch dies macht die Verantwortung Europas für die Flüchtlinge unweigerlich."
Prof. Dr. Sérgio Costa Professor für Soziologie an der FU Berlin in der Huffpost vom 31.07.2016

Dieser als kategorisch konstruierte Imperativ des Helfens, dessen Ansatz bereits falsch ist, siehe folgender Absatz, kollidiert außerdem mit der Verantwortung gegenüber den Solidarsystemen in die Hilfsbedürftige einwandern. Der Schluss der zu ziehen ist lässt sich zusammenfassen: „Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“ Wirtschaftlich formuliert bedeutet das unbegrenzte Einwanderung, wie in Deutschland propagiert und Sozialsysteme sind unvereinbar (Sozialstaat oder Einwanderung).

Wer nun naiverweise annimmt (siehe oben), der Westen (Die USA und Europa) hätten alleinige Schuld am Chaos und an den Kriegen der dritten Welt, der könnte auf die absurde Idee verfallen, man müsse diese Kulturen nur nach Europa pflanzen, und der Frieden wäre damit hergestellt: Michael Lüders Sicht auf die Ursachen der Konflikte des Orients

Frau Guérot nimmt auf diese Idee der Alleinschuld des Westens keinerlei Bezug, daher habe ich auf die Argumentation hierzu verzichtet. Sie will aber sehr wohl ganze Kulturen nach Europa verpflanzen: Unsere Zukunft

Das Interview mit Oskar Lafontaine ist erhellend, was den Gedanken einer echten Hilfe betrifft: Die Verkommenheit der Linken

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