#1 Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 16.05.2018 11:25

Die europäische Union ist ein Monster

Man muss nicht lange Suchen. Beiträge, die uns sagen, dass wir enteignet werden, finden sich in allen Mainstreammedien.
Die schleichende Enteignung der deutschen Sparer, Die Welt vom 13.04.2016

Warum wir empört sind, wenn sich Parteien etwa gegen Europa wenden, ist ein Rätsel. Wir wollen es aufklären: Die Bewegung Pulse of Europe ruft Menschen dazu auf, für Europa zu demonstrieren. Die Meisten wissen gar nicht, wofür sie demonstrieren, denn diese Bewegung versteht sich als Gegengewicht gegen zunehmende Eurokritik, die von rechts kommt. Es ist also eine Bewegung gegen Rechts und nicht für Europa. Das nenne ich instrumentalisieren. Bürger werden unter dem Vorwand, gegen rechts zu demonstrieren, dazu aufgerufen, Europa kritiklos zu befürworten.

Die Nullzinspolitik der EZB, durch Mario Draghi initiiert (Der Draghi-Crash), hat System. Insofern liegt hier kein partieller Fehler, sondern ein systematischer Fehler vor. Das würde bedeuten, dass wir alle gegen die EZB und den Webfehler der EU demonstrieren sollten, anstatt uns darüber aufzuregen, wenn es welche tun. Die Sache ist einfach und wurde von Hr. Sinn mehrfach erläutert. Die südlichen EU Länder haben exorbitante Schuldenberge angehäuft. Die EZB druckt Geld, jeden Monat 30 Milliarden Euro, um diesen Ländern Geld zu geben. Das führt nicht zur Besserung, sondern zum Crash.

Dass diese Enteignung mit dem Anwachsen der Inflation auf inzwischen 1,8% keine abstrakte Gefahr, sondern eine konkrete ist, kann an der folgenden Zinsrechnung veranschaulicht werden.

Man lege 1000€ auf ein Sparkonto. Zinsen bekommt man keine mehr.
Nach einem Jahr ist das Geld nur noch 982€ wert
Nach zwei Jahren ist das Geld nur noch 964€ wert
Nach drei Jahren ist das Geld nur noch 947€ wert
Nach vier Jahren ist das Geld nur noch 930€ wert
Nach fünf Jahren ist das Geld nur noch 913€ wert
Nach sechs Jahren haben Sie zwar noch immer 1000€ auf dem Konto, sie können sich aber nur noch für 897€ etwas dafür kaufen. Das Geld hat durch Inflation 10% an Wert verloren. Da wir auf der Bank keine Zinsen mehr bekommen, ist auch dieser Geldwert geschrumpft.

"Die Deutschen sparen falsch

Zumindest eine gute Seite hat der Niedrigzins. Wer eine Wohnung kauft oder ein Haus baut, kann das so günstig finanzieren wie nie. Doch das nutzt erstens nur einem Teil der Deutschen. Und zweitens besagen die Zahlen der DZ-Bank auch, dass dieser Nutzen – 144 Milliarden Euro – den Effekt der Enteignung – 343 Milliarden – nicht ausgleicht. Unterm Strich werden die Deutschen bis Ende des Jahres einen Wohlstandsverlust von knapp 200 Milliarden Euro haben.
...
Die Politik hat ihren Anteil daran. Durch Steueranreize haben diverse Koalitionen in Berlin die Bundesbürger in Lebensversicherungen oder Riester-Renten gelockt. Auch deshalb haben die Deutschen inzwischen 16 Millionen Riester-Verträge – und 88 Millionen Lebensversicherungen. Es gibt also mehr Lebensversicherungen als Deutsche. Die Renditen dieser Produkte hängen vor allem am Zins, sie werfen derzeit keine nennenswerten Gewinne ab. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat berechnet, dass einige Versicherungskunden bis zu 50 Prozent weniger herausbekommen werden als zum Vertragsabschluss kalkuliert worden ist.
Es ist, als wüssten 81 Millionen Deutsche zwar, dass sie umdenken müssen, wenn sie im Alter nicht in die Armut rutschen wollen. Doch sie stellen mit diesem Wissen nichts an. Noch immer deponieren sie ihr Geld auf niedrig verzinsten Tagesgeldkonten und Sparbüchern oder lassen es auf dem Girokonto liegen. Über zwei Billionen Euro liegen deshalb nahezu unverzinst herum. Die Tendenz ist sogar steigend, nicht etwa abnehmend.
...
Stotz’ Empfehlung: Immobilien und Aktien kaufen, genau das, was Deutsche bisher nicht so gerne tun, weil sie das Risiko scheuen. Stotz kennt diese Angst. „Doch auf lange Sicht ist diese Sorge irrational, die Schwankungen gleichen sich aus.“

Die schleichende Enteignung der deutschen Sparer, Die Welt vom 13.04.2016

Die EZB stützt aber nicht nur marode EU-Länder, sondern auch marode Firmen und vergibt Kredite, die nie zurückbezahlt werden können. Das erinnert an die Krise 2008, wo US-amerikanische Banken ebenfalls untilgbare Kredite vergeben hatten. Die europäische Geld-Blase wird irgendwann platzen. Hebt die EZB die Zinsen an, bekommen 800.000 Unternehmen Probleme.

Der Autor von Der Draghi-Crash, Markus Krall, sprach auch auf dem Neuen Hambacher Fest.



#2 RE: Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 22.05.2018 14:29

Die Gefährdungen, die der aktuelle Eurokurs mit sich bringt, werden in den öffentlich rechtlichen nicht diskutiert. Eine unkritische Eurobefürwortung gehört zum Bekenntnis der Gut-Demokraten. Eurokritik wird gleichgesetzt mit Rückständigkeit, Ablehnung von Globalisierung und zählt zu rechtspopulistischem Gedankengut. Der kritische Bürger ist unerwünscht. Nun melden sich Fachleute zu Wort, weil die Politik versagt und Medien den öffentlichen Diskurs lähmen:
"154 Wirtschaftsprofessoren warnen davor, die europäische Währungs- und Bankenunion noch weiter zu einer Haftungsunion auszubauen. Wir dokumentieren ihren Aufruf im Wortlaut.
Der Aufruf wurde initiiert von den Wirtschaftsprofessoren Dirk Meyer, Thomas Mayer, Gunther Schnabl und Roland Vaubel. Zahlreiche Ökonomen schlossen sich ihm an, ihre Namen sind unten aufgeführt.

Dirk Meyer lehrt an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute und Professor an der Universität Witten/Herdecke. Gunther Schnabl lehrt an der Universität Leipzig. Roland Vaubel ist Emeritus an der Universität Mannheim."


Die Vorschläge von Frankreichs Präsident Macron und EU-Kommissionspräsident Juncker gefährden Europas Wohlstand. 154 Wirtschaftsprofessoren fordern in der F.A.Z. mehr Reformen statt weitere Fehlanreize.

#3 RE: Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 22.05.2018 16:10

Der Dieselskandal wurde in Deutschland zum Anlass, um über den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor nachzudenken. Nachgedacht wird über die Modelle von VW, BMW und Mercedes.
Der ADAC testete nun auch andere Modelle:


- NOx-Emissionen von Euro6-Diesel-Pkw nach Herstellern -

Die simple Frage ist, wie werden die Grenzwerte in Rom oder Paris eingehalten, wenn dort überwiegend Modelle von Fiat, bzw. Peugeot und Renault gefahren werden, die, das mehrfache am NOx ausstoßen als die deutschen Modelle? Wollen Italiener und Franzosen auch auf Elektroauto umstellen?

Die Antwort ist einfach. Beflissene deutsche Beamte haben die Messstationen in vielen deutschen Städten direkt an den Straßenrändern aufgestellt. Vorgeschrieben ist nach EU-Recht, der Abstand 20 m, von jeder befahrenen Straße: Klageaktionen wie die der Deutschen Umwelthilfe wären vermutlich gegenstandslos, würden in Deutschland nach dem Normen der EU gemessen und nicht mit in manipulativer Absicht aufgestellten Messanlagen.

Die Vorschläge der EU-Abgeordneten Miriam Dalli (Malta) haben das Zeug dazu, die deutsche Autoindustrie zu ruinieren. In ihrer Heimat gibt es keine Autohersteller. Noch Fragen?, FAZ vom 28.04.2018

Werden Verbrennungsmotoren das Weltklima ruinieren? Keine seriös aufgestellte Ökobilanz wiederholt die politische Fiktion, Elektrogefährte seien klimaneutral, Spektrum vom 4.11.2017

"Durch die Definition von Elektroautos als „Null“-Emissionsfahrzeuge und die Kompensationsmöglichkeit von Grenzwertüberschreitungen innerhalb der EU-CO2-Grenzwertgesetzgebung (Kapitel 4) führen Elektroautos nicht zu einer Verringerung, sondern zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen."
UPI Umwelt und Prognose Institut e.V.: Ökologische Folgen von Elektroautos, August 2015

Die europäische Umweltagentur weiß es ganz genau: Vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung, aber leider stimmt nichts an dieser Studie.

Warum man nicht festellen kann, wie viele Menschen jährlich an giftigen Abgasen sterben, das erklären Axel Bach, Reinhart Brüning, Sebastian Funk, Hildegard Kriwet, Britta Reinke, Mike Schaefer, Lars Tepel in Quarks und Co, moderiert von Ranga Yogeshwar
Abgasalarm - warum ein Dieselfahrverbot keine Lösung ist!

Wer diese Sendung gesehen hat und noch immer glaubt, nur in den sozialen Medien werden Fake News verbreitet, dem ist nicht zu helfen. Wir haben es in dieser ganzen Kampagne mit einer nun schon über ein Jahr andauernden Fakekampagne zutun, die ihresgleichen sucht.

Auch heute noch sind die größten Gesundheitsrisiken, schlechte Ernährung, zu wenig Bewegung, Rauchen, zu viel Alkohol und unvorsichtiges Fahren (3177 Verkehrstote in 2017) und dennoch ist die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten Jahrzenten immer weiter gestiegen.

Die EU hat Deutschland wegen Nichteinhaltung der Abgasgrenzwerte nun verklagt, was ist unter den gegebenen Voraussetzungen davon zu halten?
Debatte um Fahrverbote, der Tagesspiegel vom 22.5.2018

#4 RE: Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 01.06.2018 23:25

Freuen können wir uns bald auf herrliche Fahrten mit der Kutsche durch Deutschland



Das Automobil wird endlich eingestampft. Die Schrottpressen arbeiten im Akkord.

Abgasfrei und romantisch wird es bald in Deutschland. Tief durchatmen und befreit von der Last des Allags reisen.

Porsche macht den Anfang und verschwindet endlich aus Europa: Porsche hat jetzt die Konsequenzen gezogen und als erster Autohersteller, wie die FAZ exklusiv meldete, den Verkauf von Neuwagen in Europa komplett eingestellt.

Grün und froh in die Zukunft blicken 785.200 Mitarbeiter der Automobilindustrie. Sie freuen sich auf einen Job als Kutscher.

Die Bundesagentur für Arbeit verhandelt derzeit mit der österreichischen Regierung. Wiener Fiaker sollen deutsche Mitarbeiter der Autobranche umschulen.

Die Bundeskanzlerin sagte in einem Interview: "Wir schaffen das!".

Kathrin Göring-Eckhardt in einer Rede im Bundestag: "Wir waren vier mal Fußballweltmeister, einmal Weltmeister in Nächstenliebe und wir sind Weltmeister in Umweltpolitik, uns kann uns keiner mehr"

#5 RE: Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 11.06.2018 20:37

Die selbst gemachte Katastrophe

Donald Trump ist an allem schuld. Er ist der ideale Bösewicht, für alle, die hypnotisiert auf die Kanäle der Systemmedien blicken und eigenes Denken eingestellt haben. Die Wahrheit ist:

"Amerikanische Produkte müssen auf ihrem Weg nach Europa deutlich höhere Barrieren überwinden als anders herum. Die EU erhebt im Schnitt nicht nur höhere Einfuhrzölle, sie verlangt sie auch für deutlich mehr Waren als die Amerikaner. Das zeigt eine Untersuchung des Ifo-Instituts.

Donald Trumps geplante Strafzölle nehmen immer größere Ausmaße an. Erst heute wurde bekannt, dass die USA nun auch Milliarden-Zölle gegen China planen. Doch ein großer Vergleich der Zölle zwischen EU und USA zeigt, dass sich Trump zu Recht aufregt.

Ökonom Gabriel Felbermayr vom Ifo-Institut untersuchte dafür die Zolltarife auf 5018 Produkte, die Amerikaner und Europäer im Handel über den Atlantik erheben. Das berichtete zuerst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Das Ergebnis:
Produkte, die aus den USA nach Europa kommen, stoßen auf deutliche höhere Barrieren. Im Durchschnitt erheben Europäer 5,2 Prozent Einfuhrzoll und die Amerikaner lediglich 3,5 Prozent. Außerdem verzichten die Amerikaner bei 1800 Produkten komplett auf Einfuhrzölle. Bei den Europäern sind es lediglich 1246. Von den untersuchten 5018 Produkten verlangen die Europäer bei knapp der Hälfte einen höheren Zoll von den Amerikanern, als die von Europa fordern.

Der Vergleich der Zollsätze zeigt, dass Europa deutlich protektionistischer handelt als die USA. Wenn Trump über zu hohe Zölle klage, habe er zumindest punktuell nicht unrecht, so Felbermayer. Dennoch wäre: „eine Anpassung nach unten sehr viel besser als eine zollpolitische Aufrüstung nach oben.“"

Focus vom 20.03.2018

Siehe auch: Amerika zieht nur mit Europa gleich, Die Welt vom 19.03.2018

Die neuerliche Aufregung sollte im Grunde keine mehr sein, denn Trumps Politikstil ist bekannt. Dabei sollte unsere Wut eigentlich nicht den US-Präsidenten treffen, sondern die Europäische Union. Trotz der Bedenken Deutschlands nimmt die EU nun in Kauf, dass die deutsche Automobilindustrie durch einen Handelskrieg schwer getroffen wird. Anstatt in umfassende Verhandlungen über gegenseitige Zölle mit den USA einzutreten, erhebt nun die Europäische Union selbst wiederum Gegenzölle gegen US Produkte.

Die Gelegenheit ist günstig. Alle sind empört und man will Geschlossenheit zeigen. Geschlossenheit mit Frankreichs EU-Politik aber, bedeutet nichts weiter als den deutschen Sparer zu enteignen: Enteignung für den Schuldenabbau, Das Handelsblatt

11.6.18: Eine Moderatorin fragte einen Börsianer in BR-5 Aktuell, warum die Börsen nach dem Eklat auf dem G-7 Gipfel, als Trump sich in letzter Minute gegen das Abschlusskommuniqué stellte, nicht reagieren. Antwort: "Weil die Börsianer längst wissen wie Trump reagieren würde. Seine Politik ist bekannt" und somit nicht ganz so unberechenbar, wie es auf allen Kanälen dargestellt wird.

Wir werden mit der Dauerempörung über Trump nur hinters Licht geführt. Wir sollen uns aufregen, und zwar so, dass die Politik gemacht werden kann, die auch ohne Trump gemacht werden soll. Was derzeit läuft ist gesteuert. Merkel sucht einen Grund, um Macrons Politik gegen alle Vernunft durchsetzen zu können

AUFRUF VON 154 PROFESSOREN :
Ökonomen warnen vor Euro-Haftungsunion, FAZ vom 21.05.2018

#6 RE: Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 30.01.2019 11:02

Parallelen der Geschichte

Der Deutsche Bund

Ganz ähnlich wie die Neuordnung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, entstand der Deutsche Bund nach der Napoleonischen Herrschaft 1815. Fehlentwicklungen waren vorprogrammiert. Aus Furcht vor einer neuerlichen Revolution, wie sie in Frankreich 1789 ausgebrochen war, gab es Zensur und die freie Meinungsäußerung war eingeschränkt worden, der Adel erlangte seine Privilegien wieder. Das führte zur Revolution von 1848.

Nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 wurde ein "großer Grundrechte-Katalog sowie die Einführung von Schwurgerichten verbunden mit dem Auftrag zur Sicherstellung von Rechtssicherheit und Kontrolle des Monarchen. Auch die feudalen Herrschaftsprinzipien wurden abgeschafft. Damit waren viele Fehlentwicklungen, die nach dem Wiener Kongress 1807 zur Revolution von 1948 führte, rückgängig gemacht." (Wikipedia)

"Preußen gab im Vertrag von Olmütz vom 29. November 1850, seine Unionspolitik auf und stimmte zu, dass der Deutsche Bund (Österreich, Preußen, Dänemark, Niederlande) wiederhergestellt wurde. Der Deutsche Bund trat die Nachfolge des Heiligen Römischen Reiches an." (Wikipedia)

Das war eine massive Verschiebung des Machtgefüges. Der Deutsche Bund hatte eine ähnliche Struktur wie Europa heute, hatte "keine Staatsgewalt, sondern nur eine „völkerrechtsvertraglich vermittelte Vereinskompetenz“" (Wikipedia). "Der Deutsche Bund war eines der zentralen Ergebnisse des Wiener Kongresses von 1814/15." (Wikipedia).

Die Unabhängigkeitsbestrebungen Preußens unter Bismarck führten zum Zerfall des Deutschen Bundes und zur nationalen Einigung unter preußischer Ägide.

Die Europäische Union hat sich, ganz ähnlich wie der Deutsche Bund nach dem Wiener Kongress, in weiten Teilen als Fehlentwicklung erwiesen. Es gibt zwar keine Revolution in Europa, die hat in Nordafrika stattgefunden (Arabischer Frühling), aber die Folgen (Flüchtlingsproblem) haben Europa erschüttert. Die Webfehler der Europäischen Union erklärt Hans Werner Sinn:

Der Brexit und die Folgen

"Das Vereinigte Königreich ist so groß wie die 19 kleinsten EU-Länder zusammen. Sein Austritt ist also wirtschaftlich gleichbedeutend mit dem Austritt von 19 der 28 EU-Länder. Die Vorstellung, man könne zur Tagesordnung übergehen, weil der Brexit ein Nichtereignis sei, ist absurd. Die Nachkriegsordnung wird erschüttert.
...
Die erste Konsequenz aus deutscher Sicht ist, dass die Sperrminoritätsklausel im EU-Ministerrat, die im Vertrag von Lissabon verankert ist, geändert werden muss. Diese Klausel besagt, dass Beschlüsse von einer Ländergruppe, die 35 Prozent der Bevölkerungsgruppe auf sich vereint, blockiert werden können. Bisher war es so, dass die – ich nenne sie mal – Nordländer, also Großbritannien, Holland, Deutschland, Österreich und die Länder bis ganz hoch in den Norden, 39 Prozent der Bevölkerung auf sich vereinigten, während die mediterranen Länder auf 38 Prozent kamen. Beide Gruppen hatten also eine Sperrminorität, es war ein Gleichgewicht der Kräfte. Man konnte nichts durchsetzen, was einer der Gruppen missfiel.

Diese „innere Balance“ ginge also verloren?

So ist es. Ohne die Briten rutscht die Nordgruppe 30 Prozent ab und verliert die Sperrminorität, während die mediterrane Gruppe auf 43 Prozent hochgeht. Das muss dringend geändert werden. Deutschland kann es nicht hinnehmen, dass die Sperrminoritätsklausel so bleibt, wie sie ist.

Was ist mit dem Thema Migration?

Ein Grund für die Brexit-Entscheidung der Briten war das Thema innereuropäische Migration. Man muss überlegen, ob die Gründe der Briten für ihre Austrittsentscheidung nicht doch legitim sind, weil sie ein Problem der EU aufzeigen. Die britische Regierung hatte bei den Verhandlungen ja gewollt, dass eine verzögerte Integration von EU-Immigranten in das britische Sozialsystem ermöglicht wird. London argumentierte, Großbritannien sei ein Sozialmagnet.
...
Ja. Migranten kommen, weil es ihnen im Zielland besser geht als im Heimatland. Und zwar aus zwei Gründen. Erstens verdienen sie einen höheren Lohn. Und zweitens erhalten sie bessere Sozialleistungen sowie weitere staatliche Leistungen in Form eines besseren Rechtssystems, eines besseren öffentlichen Schutzes oder einer besseren Infrastruktur. Der erste Anreiz ist sinnvoll, weil die dadurch induzierte Migration die Wirtschaftskraft Europas erhöht, der zweite Anreiz ist falsch, denn er resultiert aus einem Geschenk, das der Club, in den man eintritt, den Neumitgliedern macht, ohne dass sie dafür bezahlen müssen. Das Geschenk verfälscht die Migrationsentscheidung und ist für die vorhandene Bevölkerung nachteilig, weil die öffentliche Infrastruktur überlastet wird und die Sozialsysteme mehr Geld ausgeben müssen."

Hans-Werner Sinn über Großbritanniens EU-Austritt und Folgen für Deutschland, Hans-Werner Sinn.de aus einem Artikel des Münchner Merkur, 10. Dezember 2018 S. 3.

Eben dieses Problem, Sozialmagnet zu sein, ist auch ein deutsches Problem, das sich mit der Flüchtlingskrise verschärft hat, sodass das Sozialsystem, der innere Frieden und die politische Ordnung in Gefahr geraten sind.

Wir stehen 2019 in einer ähnlichen Situation, wie nach 1848. Es findet eine massive Machtverschiebung statt. Einerseits durch den Brexit, andererseits durch die Spaltung Europas aufgrund der Flüchtlingsproblematik. Die EU verhält sich zunehmend elitär, mutierte zum Adel Europas. Die Europäische Union droht durch die unnachgiebige Haltung des Brüsseler Adels, noch stärker auseinanderzufallen. Die Sanktionen, die nun gegen Länder verhängt werden sollen, die keine Flüchtlinge aufnehmen und keine Rechtsordnung nach Brüsseler Vorgaben akzeptieren, wird die EU noch weiter auseinandertreiben und nationale Kräfte stärken.

Revolution von 1848 <-> Arabischer Frühling
Zerfall des Deutschen Bundes durch nationale Bestrebungen <-> Zerfall Europas durch das Flüchtlingsproblem und den Brexit. Nationale Bestrebungen wachsen, durch die rigide Haltung des Brüssler Adels.

#7 RE: Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 13.08.2019 10:44

Bei Tichy gibts eine von zahlreichen Äußerungen Dr. Markus Kralls, der behauptet, 2020 käme der große Knall:
Wann kommt der Crash, Markus Krall? Wie sichert man sein Geld?
Ich habe bezweifelt, dass es 2020 schon der Fall sein würde, bis ich eine kurze Meldung im Radio hörte, die da lautete, die Banken würde die Negativzinsen an die Sparer durchreichen und die Bundesregierung würde die Sparguthaben jedoch stützen und die Differenz ausgleichen, natürlich nur bis 100.000 €

Das bedeutet diese kurze Meldung? Nun, wir stehen kurz vor einem Sturm auf die Banken, denn wer lässt noch 1000 € auf dem Konto liegen, wenn die Bank nicht nur keine Zinsen zahlt, sondern jedes Jahr 0,4% davon abzieht? Es bedeutet auch, dass es kaum noch Dumme gibt, die 100.000 € auf einer Bank liegen lassen. Die Dummen sind nur die Sparer. Bei einer Inflation von 1,5% - 1,7% gibt jeder Sparer sowieso schon Geld an die Europäische Union ab:

Hier die Rechnung:
Ich lege am 1.1.2019 1000 € auf die Bank, bei 0% Zinsen und einer Inflation von 1,5%
1. Jahr 985,00 €
2. Jahr 970,23 €
3. Jahr 955,67 €
4. Jahr 941,34 €
5. Jahr 927,22 €
6. Jahr 913,31 €
7. Jahr 899,61 €

Nach sieben Jahren liegen da nur noch 900 Euro.
Viel Spass beim Sparen!

Aktien, Rentenfonds, was auch immer, ist noch immer sicherer als ein garantierter Verlust beim Sparen.

"Drohen uns noch mal Zustände wie 1923? Theoretisch ja – doch ist dieses Horrorszenario unrealistisch. Es sei zwar „historisch fast nie gelungen, eine überbordende Staatsverschuldung ohne Inflation in den Griff zu bekommen“, sagt der Berliner Wirtschaftshistoriker Nikolaus Wolf. „Dass sich in Deutschland eine Hyperinflation wie 1923 wiederholt, halte ich aber für höchst unwahrscheinlich. Die Möglichkeiten der Zentralbank, Liquidität vom Markt zu nehmen, sind viel größer und ausgefeilter als früher“. Und sollte die EZB versagen, bleibt Deutschland als letzte Option immer noch die Wiedereinführung der D-Mark."
Steigen die Preise – oder steigen sie nicht?, Wirtschaftswoche vom

"... die Wiedereinführung der D-Mark"

#169

#8 RE: Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 28.08.2019 10:39

Trumps Zollpolitik ist zum Scheitern verurteilt,
die EU und der Euro ebenso.


Peking gibt „rote Linie“ auf – Yuan fällt auf Elf-Jahres-Tief, Handelsblatt vom 5.8.2019
Die Chinesen werten den Yuan ab und drohen damit, die Einfuhrzölle der USA zu unterlaufen. Damit könnten chinesische Produkte in den USA billiger werden und könnten am Ende unter den Preisaufschlag, den Einfuhrzölle sinken. Trumps Zollpolitik bliebe somit wirkungslos.

Ähnliches wird in England geschehen. Die Zölle der Europäischen Union bleiben wirklungslos, denn die Briten werden das Pfund um so viel abwerten, wie die Zölle aufschlagen. Damit bleiben engliche Importe in die Union preisstabil und werden nicht zurück gehen.

Dieses Steuerungsinstrument der Abwertung einer Währung gegenüber anderen Währungen war bis zur Einführung des Euro ein Stabilitätsgarant. Mit der Einführung des Euro hat sich die EU ihr eigenes Grab geschaufelt. Die Verschuldung der südlichen EU-Länder ist das Ergebnis des Euro und wird die EU in den Abgrund reißen.

Im Beitrag von Eigentümlich frei wird das plausibel erläutert: China, Brexit und freie Wechselkurse

"Mit Nullzinsen wollten die Zentralbanken das Wachstum ankurbeln. Doch nun kühlt sich die Wirtschaft ab – und die Notenbanken sitzen in der Falle. Sparer und Anleger müssen sich auf Dauer-Nullzinsen einstellen. Es könnte sogar noch schlimmer kommen." Wirtschaftswoche vom 25.2.2019

#9 RE: Europa ist auch ein Europa der Enteigunung seiner Bürger von W.L. 18.09.2019 17:58

Genauer hinsehen lohnt!

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