#1 Jesus Christus, Mythos oder Historie von W.L. 24.05.2018 11:00



"Die Jesusforschung entstand um 1740, nachdem sich das allgemeine Verständnis von Wissen und das besondere Verständnis der Bibel im christianisierten Europa grundlegend gewandelt hatten."
1789 war die französische Revolution und wir sprechen in dem Zusammenhang und der Zeit von der französischen Aufklärung, denn aufklärerische Bewegungen und Ideen gab es zu vielen Zeiten und in vielerlei Kulturen. Durchgesetzt und weiterentwickelt wurde alleine die französische Aufklärung, die sich während des 18. Jahrhunderts über ganz Europa verbreitete. Das sollte klar sein, denn immer wieder, auch an den Hochschulen, wird die franz. Aufklärung historisch relativiert. Die franz. Aufklärung hatte sich nur in Europa auf allen Gebieten der Gesellschaft, der Forschung und des Denkens und der Geisteshaltung durchgesetzt und die europäischen Gesellschaften bis heute nachhaltig verändert.

In diesem Kontext ist auch die Jesusforschung zu sehen. Der Glaube wurde abermals und in dieser Epoche endgültig relativiert, hinterfragt und schließlich auch verworfen. Viele Europäer sind heute Atheisten oder haben ihren Glauben privatisiert, verinnerlicht.

In diesem Zusammenhang ist nach der historischen Person Jesu zu fragen. 'Im Gegensatz zu Mohammed, Buddha oder Laotse herrscht um die historische Person Jesu weitgehend Unklarheit. Wir wissen zu wenig, um mit Sicherheit sagen zu können, er hat gelebt.

"Der Bonner Privatdozent Bruno Bauer (1809–1882) vertrat in seiner Aufsatzfolge Kritik der evangelischen Geschichte der Synoptiker (1841/42) und Kritik der Evangelien (1850/51) die These, Jesus habe gar nicht gelebt, sondern sei ein literarisches Kunstprodukt. Schon das älteste Evangelium nach Markus produziere einen Ablauf seines Lebens, statt ihn darzustellen. Damit griff er die bisherigen Ergebnisse der Quellenkritik auf, die gezeigt hatten, dass keiner der NT-Autoren an einer historischen Berichterstattung interessiert war, sondern Jesu Leben und Sterben als Christusverkündigung für die Gegenwart auf je eigene Weise gestaltete."
wikipedia/Historische Jesusforschung/Radikale_Skeptiker

"Der Musiker, Arzt und Theologe Albert Schweitzer (1875–1965) verfasste 1906 eine Geschichte der Leben-Jesu-Forschung mit dem Titel: Von Reimarus zu Wrede (2. stark erweiterte Auflage 1913). Darin wies er nach, dass fast alle „Leben-Jesu“-Entwürfe die ethischen Ideale ihrer Autoren in die Texte hineinprojizierten."
wikipedia/Historische Jesusforschung/Albert_Schweitzer

Was wissen wir:
Man darf sich die Zeit Jesu nicht so vorstellen, dass da ein Prediger war, der großes Aufsehen erregte und im ganzen Land bekannt gewesen wäre. Das Land war in dieser Zeit ein Schmelztiegel der Kulturen. Es gab Hunderte von Wanderpredigern und Jesus war einer unter ihnen und eben nicht besonders bekannt.

"Die jüdische Geschichtsschreibung war zur Zeit Jesu bereits recht ausgeprägt. Philon von Alexandria beschrieb die verschiedenen jüdischen Gruppen im Palästina des 1. Jahrhunderts; Justus von Tiberias aus Galiläa war Chronist der jüdischen Königsgeschichte bis zu Herodes Agrippa II. Sein Werk ist jedoch nur noch aus einer Notiz aus dem 9. Jahrhundert bekannt. Weder diese noch die überlieferten Schriften Philos erwähnen Jesus.[1] Auch das in Rom um 75–79 verfasste Hauptwerk des Historikers Flavius Josephus Bellum Judaicum, das das im jüdischen Aufstand unterlegene Judentum auf Kosten der Zeloten entlasten sollte,[2] erwähnt Jesus nicht."
Außerchristliche antike Quellen zu Jesus von Nazaret

Das Zeugnis Flavius Josephus (ca. 38 - 100 n. Chr.), römisch-jüdischer Geschichtsschreiber gilt als umstritten. Man vermutet, frühe Christen könnten sein Zeugnis verändert oder gar gefälscht haben. Die Motivation Flavius Josephus bleibt unklar. Er selbst hatte bereits Kenntnis vom Urchristentum. Man weiß nicht, wie er selbst dazu stand.

Als Testimonium Flavianum bezeichnet man den 93 n. Chr. verfassten Abschnitt im Buch 18, Verse 63–64 aus den Antiquitates Judaicae des Flavius Josephus:

„Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er vollbrachte nämlich ganz unglaubliche Taten und war der Lehrer aller Menschen, die mit Lust die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Dieser war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorhergesagt hatten. Und bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.“[8]

Frühe Kirchenväter wie Justin, Tertullian und Cyprian zitierten diesen Text nicht, obwohl sie Josephus sonst zur Bestätigung ihrer Auslegung des Alten Testaments (AT) heranzogen. Origenes (um 185–254) schrieb in Contra Celsum sogar ausdrücklich, Josephus habe nicht geglaubt, Jesus sei der Christus. Er kann die Aussage in der obigen Form also noch nicht vorgefunden haben. Der älteste bekannte Beleg für die zitierte Textfassung stammt aus dem 4. Jahrhundert und ist ein Zitat des Eusebius von Caesarea (260–339) in dessen Kirchengeschichte.

Außerchristliche antike Quellen zu Jesus von Nazaret

Eine zweite Erwähnung:

"Flavius Josephus (Ant. 20,200) erwähnt die Hinrichtung des Jakobus (62) unter dem sadduzäischen Hohenpriester Hannas II.:

„Er versammelte daher den Hohen Rat zum Gericht und stellte vor diesen den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ.“[16]

Earl Doherty (1999) meinte, Josephus habe hier nicht Jesus von Nazaret, sondern den vorher in seinem Werk erwähnten Jesus bar Damneus gemeint. Denn dieser sei Machtkämpfen um das Hohenpriesteramt zum Opfer gefallen, an die Josephus im Kontext dieser Stelle erinnert habe. Der Nebensatz „…der Christus genannt wird“ sei ein christlicher Zusatz."

Außerchristliche antike Quellen zu Jesus von Nazaret

Der Talmud

Um 95 beschloss der Sanhedrin von Jamnia den Ausschluss von „Häresien“ aus dem damaligen Judentum, zu denen eventuell auch das Urchristentum gezählt wurde. Um 135 war die Kanonisierung des Tanach abgeschlossen. Von da an wurden die mündlichen Bibelauslegungen der verschiedenen Rabbiner-Schulen (Mischna) verstärkt gesammelt und seit dem 3. Jahrhundert in der babylonischen und palästinischen Version des Talmud schriftlich fixiert. Dort erwähnt der Traktat Sanhedrin 43a Jesus:

„Am Vorabend des Passahfestes hängte man Jeschu. Vierzig Tage vorher hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Israel verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Passahfestes.“

Alter und Echtheit dieser Notiz sind umstritten. Joseph Klausner hielt sie für ursprünglich und datierte sie auf etwa 200.[21] Johann Maier dagegen nahm an, dass sie nicht vor 220 entstanden sein könne. Der Name „Jeschu“ sei erst später eingefügt worden, um einen schon vorliegenden anderen Rechtsprozess auf Jesus zu beziehen.


Es gibt keine sicheren Quellen

Die römischen Notizen um die Person Jesu sind uneindeutig und wenig von Nutzen für historische Nachweise und weitere Nachweise sind von geringer Aussagefähigkeit. Insbesondere die Historizität der Evangelien wird in keiner Weise belegt.

Die beachtliche Stoffsammlung bei Wikipedia kann so beurteilt werden: "Die Relevanz der frühen außerchristlichen Jesusnotizen wird unterschiedlich beurteilt. Vertreter der Jesus-Mythos-Theorie, die um 1790 entstand, beurteilen sie allesamt als ahistorisch oder finden keine Anhaltspunkte für Jesu Historizität darin."
wikipedia/Außerchristliche antike Quellen zu Jesus von Nazaret/Historische_Einordnung

Die Befürworter einer historischen Existenz sind allesamt Theologen. Wie soll ein Theologe die historische Existenz Jesu objektiv beurteilen, wenn dessen berufliche wie auch die private Existenz vom Glauben abhängen.

Es gibt zahlreiche biblische Aussagen, die alleine dem Glauben vorbehalten sind. So etwa die Jungfräulichkeit Maria, der Gang über das Wasser, die leibhaftige Auferstehung, das Verschwinden Jesu vor den Augen der Jünger, die Himmelfahrt, etc.

Außerdem existieren zahlreiche Apokryphen. Texte, die nicht in die Textsammlung des neuen Testaments aufgenommen wurden. Dazu zählen auch die Schriften der Gnostiker, die sich ebenso auf Jesus Christus beziehen. Das bekannteste ist die Pistis Sophia. Diese Texte werden aus der Forschung weitgehend herausgehalten.

#2 RE: Jesus Christus, Mythos oder Historie von W.L. 28.05.2018 13:14

Gerd Albrecht fasst einige Kritikpunkte nochmals zusammen:
"Genau genommen nennt ihn die Bibel ja den "Nazoräer", was alles Mögliche bedeuten kann, aber nicht "Der Mann aus Nazareth". Zu Recht, denn damals existierte keine Stadt dieses Namens. Der Historiker Flavius Josephus listet in einer zeitgenössischen Schrift 63 Orte im kleinen Galiläa auf, ein Nazareth erwähnt er aber nicht.

Sollte es damals doch ein Nazareth gegeben haben, muss der Ort mehr als bescheiden gewesen sein, obwohl laut Bibel (Lk 4,16) eine Synagoge dort gestanden haben soll, in der Jesus aus den heiligen Schriften vorgelesen haben will. Kleinfunde beweisen, dass damals höchstens ein paar armselige Hütten gestanden haben können, die den Namen Ort nicht verdienen.

Man stelle sich vor, ein religiöser Mann mit besonderer Ausstrahlung wäre durchs Heilige Land gereist. Er hätte die Massen bewegt und die Obrigkeit beunruhigt. Mit Sicherheit hätten überall Schreiber davon berichtet.

Solche Ereignisse wären nicht unbemerkt geblieben, nicht in einer Zeit, als Juden und Griechen unermüdlich notierten, was um sie herum geschah und die Römer rund ums Mittelmeer einen riesigen, alles Wichtige rapportierenden Beamtenapparat unterhielten.

Außerhalb der wenigen biblischen Texte hat uns die Geschichte keinerlei Indizien über Jesus hinterlassen.

Es gibt keine Notiz, keine Inschrift und noch nicht einmal einen Pergamentschnipsel aus jener Zeit, der auf die irdische Existenz des Messias hinweisen würde.

Die biblischen Quellen wiederum entstanden erst nach dessen angeblicher Lebenszeit und gingen allesamt durch missionarisch mo-tivierte Hände. Der älteste Text, entweder ein Paulusbrief oder der Jakobusbrief, kann frühestens aus dem Jahr 50 stammen. (Päpst-liche Hoftheologen gehen übrigens davon aus, dass Jesus um das Jahr 30 gestorben ist, obwohl es keine verlässlichen Anhaltspunkte dafür gibt.) Die Briefe enthalten übrigens keine biografischen Fakten zum Lebensweg Jesu.

Entweder hatten die Berichterstatter aus Palästina, Griechenland und Rom den umherziehenden Gottessohn ignoriert oder sie hatten schlicht und einfach nichts von ihm gehört. Selbst der Zeitgenosse Justus von Tiberias (†92/93), der Galiläa und seine Bewohner genau kannte, erwähnte nie den Menschenfischer am Jordan.

Auch unter den fünfzig Schriften, die wir von Philon von Alexandria (20 v. Chr.-50) besitzen, ist kein Hinweis auf die Ereignisse aus den Evangelien zu finden. Dabei war Philon ein jüdischer Theologe, der das religiöse und philosophische Leben zur Zeit Jesu aktiv mitgestaltet hatte. Viele seiner Schriften befassen sich mit jüdischem Glauben und religiösen Sekten. Und nichts anderes als eine jüdische Sekte waren die Christengemeinden zu Anfang.

Flavius Josephus erwähnte in seinen Schriften aus jener Zeit insgesamt 20 Männer, die alle den Namen Jesus tragen, aber in keiner Weise mit unserem Jesus der Evangelien identisch sein können. Dieser Name war also weit verbreitet und scheinbar beliebt. Selbst wenn also morgen ein Grab mit der Inschrift "Hier liegt Jesus" gefunden würde, bliebe immer noch die Frage, ob hier ein wundertätiger Gottessohn, der Messias der Evangelien oder ein sterblicher Mann gleichen Namens begraben liegt.

Kluge Köpfe äußern sich daher immer wieder kritisch über die vermeintliche Existenz Jesu. Johann Wolfgang von Goethe sprach vom "Märchen von Christus" und wetterte: "Die Geschichte des guten Jesus habe ich nun so satt, dass ich sie von keinem, außer von ihm selbst, hören möchte."

Napoleon zweifelte an der Person Jesus genauso wie Friedrich der Große. Friedrich Nietzsche schrieb mit böser Feder: "Zum Christentum wird man geboren, man muss dazu nur krank genug sein."

Schon 2.000 Jahre vor ihm legte der Philosoph und Christ Justin (100-165) in seinem "Dialog" dem Juden Tryphon in den Mund: "Ihr habt euch eine Wahnvorstellung gemacht. Ihr habt euch selbst Christus gebildet."

Ein kleiner Hinweis über den Messias namens Jesus findet sich auf den ersten Blick in einer aus dem 11. Jahrhundert erhaltenen Handschrift von Flavius Josephus. Es ist also eine Abschrift unzähliger Abschriften und Übersetzungen.

Wir wissen von dieser Jesus-Erwähnung hauptsächlich aus den "Kirchengeschichten" des Eusebius (265-339), eines Hoftheologen von Kaiser Konstantin. Eusebius schrieb, bei Flavius Josephus gelesen zu haben, Jesus hätte als Lehrer Wunder gewirkt, sei zum Kreuzigungstod verurteilt worden und am dritten Tag als Lebendiger wieder erschienen, wie Propheten es vorausgesagt hätten.

Historiker nehmen nun an, dass sich die Schilderung von Jesus nur aufgrund dieses Hinweises aus Eusebius' Feder in vielen mittel-alterlichen Josephus-Exemplaren findet. Man hält den Einschub im Text von Flavius Josephus heute also durchweg für eine christ-liche Fälschung, zumindest in dieser Fassung.

Die pathetischen Worte, mit denen Josephus den angeblichen Christus beschreibt, passen nicht zum übrigen Kontext seiner Schrift-en. Der Echtheit des Textes widerspricht auch eine Beschreibung Josephus' über die jüdischen Freiheitskämpfer, für die er keinerlei Sympathie empfand: "Was sie besonders zum Krieg antrieb, war ein vieldeutiges Orakel, das sich in ihren heiligen Schriften fand und besagte, dass zu dieser Zeit einer aus ihrem Land der Führer der Welt werden sollte."

Das sieht sogar Werner Keller, Autor des Bestsellers "Und die Bibel hat doch recht", so: "Als Fälschung hat man wohl die (...) angeführte Josephus-Stelle zu betrachten. Bezeichnend ist auch, dass sich andere frühe Kirchenväter wie Justin (um 150), Tertullian (um 200) oder Cyprian (um 250) nicht auf diesen angeblichen Text berufen, obwohl er ihnen doch äußerst willkommen hätte sein müssen.

Als weiteres Indiz für eine Fälschung ist eine Handschrift des Josephus-Textes aus dem Besitz des holländischen Theologen Gerhard Johann Vossius aus dem 17. Jahrhundert, in dem sich kein Wort über Jesus fand."

Gerd Albrecht; Hat Jesus wirklich gelebt?

#3 RE: Jesus Christus, Mythos oder Historie von W.L. 28.05.2018 13:14

Sind die vier Evangelien Versatzstücke aus antiken Legenden?

Nicht zu bestreiten ist, es existieren zahllose Parallelen zu antiken Gottheiten und Heroen, mit großen Ähnlichkeiten zu den Erzählungen der Evangelien.
Eine der größten Sammlungen ist bei Gerd Albrecht zu finden (Vorbilder der Jesus-Saga).

Auch hier:
albertmartin.de/Dionysos und Jesus
und hier:
Vorbilder der Jesus-Saga

Gegen die Behauptung die Horuslegende sei Vorbild für die Jesuslegende setzt sich Got Questions zur Wehr und resümmiert:

"Jesus Christus ist in der Geschichte einzigartig, Er erhebt seine Stimme über allen falschen Göttern und stellt die alles entscheidende Frage, die entscheidet, wo eine Person die Ewigkeit verbringen wird: „Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ (Matthäus 16,15)."
Ist Jesus ein Mythos? Ist Jesus nur eine Kopie von heidnischen Göttern anderer antiker Religionen?

Wäre das die letzte Wahrheit, so wäre Jesus Christus, just nach einigen zehntausend Jahren der Menschheitsgeschichte aufgetreten, um sie mit der Ankündigung des Jüngsten Gerichts wieder zu beenden. Diese Sichtweise hält unserer wissenschaftlichen Denkweise nicht stand. Sie erscheint aus heutiger Sicht geradezu absurd.

Schlussendlich ist das NT, wie auch das AT eine Legendensammlung. Gott ist tot. Atheismus ist in letzter Konsequenz aber auch Nihilismus, Sinnlosigkeit jeglicher Existenz.

Es bleiben zwei Fragen:
Ist die Existenz des Kosmos sinnlos?
Wie konnte eine bloße Legende, von denen es Tausende gab, eine Bewegung auslösen, die über nun zweitausend Jahre unsere Geschichte prägte?

#4 RE: Jesus Christus, Mythos oder Historie von W.L. 10.10.2018 19:55

Zur ersten Frage:
Ist die Existenz des Kosmos sinnlos?
Der Beitrag: https://bewusstsein3.wordpress.com/2017/...urknalltheorie/
Und: https://bewusstsein3.wordpress.com/2017/...ohne-bedeutung/
Der Kosmos scheint auf die Hervorbringung des Menschen angelegt zu sein. Es hilft auch nicht weiter, wenn wir mit der Theorie der Multiversen argumentieren, dass etwa unser Kosmos einer von zehn hoch 500 Kosmen sein könnte und unser Kosmos letztlich zufällig dabei herausgekommen sei. Zufällig kann ein Würfel fallen, oder ein Stein. Am Ende liegt er da und ist nichts weiter als ein Würfel oder ein Stein in einer bestimmten Lage. Etwas anders verhält es sich, wenn ich behaupte, man müsse die Einzelteile eines 318er BMW nur oft genug aufeinander werfen um am Ende einen fertigen 318 BMW zu erhalten. Ebenso unsinnig ist die Behauptung, man müsse nur ausreichend viele Kosmen zufällig entstehen lassen, um am Ende einen zu bekommen, im dem Leben und Bewusstsein entstünde. Wie beim 318er BMW müssen nämlich viele Bauteile gleichzeitig fertig sein und ineinanderpassen, damit Komponenten wie der Motor oder der Vergaser montiert werden können. Ganz ähnlich verhält es sich z.B. mit dem Innenohr oder dem Auge, der DNS, der gesamten Funktionalität in einer jeden Zelle. Nicht zuletzt sind abgestimmte Prozesse erforderlich um mit einer Gesamtmontage das fertige Produkt zu erzielen.

Auf der folgenden Seite wird erläutert, warum unmögliches sich auch dann nicht ereignet, wenn genügend Zeit vorhanden ist: Unmögliche Dinge passieren auch dann nicht, wenn man lange wartet, Zufall und Notwendigkeit erklären den Ursprung des Lebens nicht“, von Peter Imming und Eberhard Bertsch, Studium Integrale Journal, 14. Jahrgang / Heft 2 - Oktober 2007,Seite 55 - 65

In wieweit die Evolution zufällig sein könnte das zeigt ein Vortrag von Siegfried Scherer über Evolution: Sigfried Scherer über Evolution

Zur zweiten Frage:
Wie konnte eine bloße Legende, von denen es Tausende gab, eine Bewegung auslösen, die über nun zweitausend Jahre unsere Geschichte prägte?
Siehe auch: Die Germanen, Begründer des Zeitalters in dem wir leben
Die literarische Wucht der Evangelien stellt jeden anderen Text in den Schatten. Die Autoren sind geniale Literaten gewesen. Sie haben einen Besteller geschaffen, der sich seit zweitausend Jahren gut verkauft.

Will man über den Wahrheitsgehalt der Evangelien sprechen so setzt man sich zwischen die Stühle zweier unverrückbarer Standpunkte.

Der erste Standpunkt: Die Evangelien sind nicht historischer Natur. Es sind literarische Texte, entsprungen aus der Fantasie der Schreiber. Glaube und Wissenschaft sind somit unvereinbare Welten. Christus hat nie in der Weise existiert, wie er von den Evangelien beschrieben wurde.

Der andere Standpunkt: Der Nachweis, dass die Evangelien nicht historisch sind, kann nicht mit letzter Sicherheit erbracht werden. Also sind sie evtl. doch historisch. Christus hat existiert und ist der Sohn Gottes. Er ist auferstanden und sitzt zur Rechten des Vaters.

Es ist nun sehr schwierig eine Synthese beider Standpunkte zu versuchen, ohne von der einen oder anderen Seite vereinnahmt zu werden. Vorweg muss gesagt werden, ein gläubiger Mensch wird sich niemals davon überzeugen lassen, dass Jesus Christus nicht als derjenige existiert hat, als der er in den Evangelien beschrieben wird. Eine Person also, die vor ca. 2000 Jahren existiert hat und mit dem Kreuzestod die Menschheit erlöst hat.

Es gibt ein Argument, das zeigt, warum diese Auffassung falsch ist. An keiner Stelle des Neuen Testaments spricht Christus von sich als Jesus oder Jesus Christus. Es heißt dort nur „Ich sage euch aber …“ oder „Ich aber sage euch …“ und nicht „Ich, Jesus Christus sage euch …“. Das zeigt, dass es sich nicht um einen historischen Text und auch nicht um einen literarischen Text handelt. Es handelt sich um einen mystischen Text, in dem das „Ich“ für das steht, was C.G. Jung das Selbst nennt (Christus: Archetypus meines Wahren Selbst, Gottes- und Christusbilder, aus der Sicht der Analytischen Psychologie C.G. Jungs).

Richtig ist folglich: Die Evangelien sind nicht historischer Natur. Das bedeutet nicht, dass die Schreiber aus einer Art von literarischer Freiheit heraus geschrieben haben. Sie schrieben vielmehr aus einem tiefen Wissen um die menschliche Natur und die Natur der Welt. Die Evangelien enthalten tiefenpsychologische Wahrheiten wie sie ebenfalls in vielen antiken Texten auftreten. Sie beschreiben Archetypen und Wirklichkeiten, die uns größtenteils verschlossen sind. Zu beachten ist dabei, dass diese Schriften über die Jahrhunderte hinweg verändert wurden und größtenteils aus Mangel an Verständnis falsch übersetzt sind.

Das Problem der Kreuzigung

Der Kreuzestod ist ein Mythos der vielschichtige Wahrheiten enthält. Diese sind bedeutender und uns näher als jede historische Begebenheit.

"Jeder Mensch ist auf den zwei Balken von Raum und Zeit gekreuzigt."
Elisabet Haich

Dieses Kreuz wird zumeist dann stärker empfunden und wird zum Leidensweg, wenn das Ende des Lebens naht.

Die erhobene Innenhand bei vielen Buddhastatuen, die Abhaya Mudra-Geste, Geste der Furchtlosigkeit. Sie steht für die Phase in Buddhas Leben unmittelbar nach der Erleuchtung. Manche Statuen zeigen ein Rad in der Innenhand. Im arabischen Raum, die Hand Fatimas mit dem Auge in seiner Mitte. All dies zeigt nichts weiter als das Hand-Chakra, die wärmste Stelle der Innenhand.

Aufgrund von teils hysterischen, teils mystischen Zuständen wird dieses Hand-, wie auch das Fußchakra im christlichen Raum so stark angeregt, dass es zu bluten beginnt. Diese Erscheinung kennt man als (Stigmatisation). Christus wurde daher nicht an den Hand und Fußwurzeln gekreuzigt. Die Kreuzigung wurde von den Künstlern instinktiv richtig dargestellt. Die Nägel und das Blut sind Ausdruck der Hauptlebensströme, die durch diese Chakren fließen und an denen der Christus gekreuzigt ist. Die Kreuzigung ist daher eine mystische und keine physische Darstellung.

#5 RE: Jesus Christus, Mythos oder Historie von W.L. 11.10.2018 10:10

Das Gesetz der Kreuzigung

Jede gesellschaftliche Bewegung hat drei Phasen. Aufstieg, Blüte und Niedergang. Im Niedergang ist jede Bewegung starr, unbeugsam, widersetzt sich Veränderungen und ist dem Leben und der Wahrheit abträglich.

Von der siebente Gemeinde Laodizea wird im Johannesevangelium gesagt:
"Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde."
Johannes 3,16

Im Kreis der im Altertum verbreiteten Planetenkräfte entspricht Laodizea der siebten Planetenkraft Saturn. Im Johannesevangelium repräsentiert sie das Ende eines siebenteiligen gesellschaftlichen Zyklus, als Gemeinde codiert.

Siehe auch: Super Reich mit humanitärer Geisteshaltung? (2)

(Seit Kriegsende 1945 bis zum Begimm der Flüchtlingskrise 2015 sind es sieben Jahrzehnte.
Siehe auch Jahrwoche/Wikipedia)
Die Siebenheit ist der menschlichen Psyche als Archetypus einbeschrieben und äußert sich
in den siebenstufigen Tonleitern, wie auch in den sieben Planetenkräften der Astrologie,
die in vielen Kulturen verbreitet sind. Schließlich hat sich die siebentägige Woche weltweit etabliert.
Siehe auch: Böhmes Gottesbegriff und seine sieben Qualitäten (Alchemie der modernen Physik)


Wer sich in der Phase des Niedergangs einer Bewegung zugunsten des Lebens für die Wahrheit einsetzt und konsequent dazu steht, erntet zunächst Spott und Häme, dann Zorn und Hass. Schließlich Verfolgung, Vertreibung oder Inhaftierung und Tötung. Diese soziologische Gesetzmäßigkeit nenne ich das Gesetz der Kreuzigung. Beispiele gibt es zahlreich und sie gelten auch für Gegenbewegungen, Minderheiten oder Ethnien und Gruppen.

Einige Beispiele: Jeanne d'Arc, Mahathma Ghandi, Martin Luther King, Nelson Mandela.

Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz nennt dieses Kreuzträger innerhalb der Gruppendynamik, "Omegas"
"Omega verkörpert immer eine tiefere Wahrheit, die die Mehrheit nicht sehen und wahrhaben will. Diese verborgenen Themen sollten gefunden werden."
Siehe auch: Migration oder Asyl die kulturellen Veränderungen in Deutschland

Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das Prätorium und versammelten um ihn die ganze Kohorte
und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an
und flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König!,
und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit auf sein Haupt. Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.

Matthäus 27,28-31

#6 RE: Jesus Christus, Mythos oder Historie von W.L. 17.10.2018 19:01

Christentum, Gnosis, Rosenkreuz



Die vier Evangelien zählen zu den kanonischen Schriften, da sie in die Bibel aufgenommen wurden. Im Gegenzug gab es die außerkanonischen Schriften, die als häretisch galten. Diesen Unterschied zwischen den rechtgläubigen und den häretischen Schriften gab es schon vor der konstantinischen Wende. Irenäus von Lyon "gilt als einer der bedeutendsten Theologen des 2. Jahrhunderts und einer der ersten systematischen Theologen des Christentums. Seine Schriften waren in der frühen Entwicklung der christlichen Theologie wegweisend, vor allem seine fünf Bücher „gegen die Häresien“ (adversus haereses)" (Wikipedia), damit begann die Ausgrenzung und Verfolgung der frühen christlich-gnostischen Bewegungen und deren Schrifttum. Nach dem Konzil zu Nicäa (325 n. Chr.), wurde die strikte Trennung zwischen den kanonischen und außerkanonischen Schriften vollzogen und alle anderen Schriften als Irrlehren beseitigt, deren Verbreitung unterbunden und die Anhänger verfolgt.

Die später als „gnostisch“ und „häretisch“ eingestufte Gemeinden und Gemeindemitglieder haben nicht als vom sonstigen Christentum " verschieden verstanden. Die Unterscheidung „orthodoxer christlicher Apokryphen“ und „gnostischer häretischer Schriften“ ist entsprechend problematisch." (Wikipedia/Apokryphen).

Das ist zu beachten, wenn wir heute vom Christentum sprechen. Erst die unter Kaiser Konstantin einsetzende Beseitigung aller vom Kanon abweichenden Schriften ergab das einheitliche Bild der christlichen Lehre. Es wird heute wie vor zweitausend Jahren mit Leidenschaft verteidigt. Die historische Realität ist jedoch eine Andere. Das christliche Schrifttum wurde unter der Prämisse eines Einheitsglaubens selektiert und zum Kanon erklärt.

Die entscheidende Abweichung von heutigen Glauben erkennt man bereits im Thomasevangelium:
(3) Jesus sprach: „Wenn die, die euch führen, euch sagen: Seht, das
Königreich ist im Himmel, so werden die Vögel des Himmels euch
vorangehen. Wenn sie euch sagen: es ist im Meer, so werden die Fische
euch vorangehen. Aber das Königreich ist in euch, und es ist außerhalb von
euch.
Wenn ihr euch erkennen werdet, dann werdet ihr erkannt, und ihr werdet
wissen, daß ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid. Aber wenn ihr euch
nicht erkennt, dann seid ihr in der Armut, und ihr seid die Armut.“

Thomasevangelium

Ein heute völlig falsch verstandenes Relikt der Gnosis ist bei Paulus zu finden:
12 So aber Christus gepredigt wird, daß er sei von den Toten auferstanden, wie sagen denn etliche unter euch, die Auferstehung der Toten sei nichts?
13 Ist die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden.
14 Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.

1 Korinther 15, 12-14

Hier steht nicht, der Glaube sei vergeblich, wenn der Gläubige nicht an die Auferstehung glaubt, sondern es steht dort, der Glaube ist vergeblich, wenn Christus nicht auferstanden ist. Weiter steht dort, dass die Auferstehung der Toten Voraussetzung für die Auferstehung Christi sei: "Ist die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden." Matthäus 8,22 besagt: "Aber Jesus sprach zu ihm: Folge du mir und laß die Toten ihre Toten begraben!" Die "Toten", das sind diejenigen, die ihm nicht nachfolgen. In der Nachfolge Christi erwacht also der Mensch von dem Dasein eines Toten zum Lebendigen und in der Folge ersteht Christus auf. Hier ist also ein individueller Prozess, wie in der Gnosis der Erkenntnisprozess angesprochen.

Der entscheidende Unterschied zur heute vertretenen christlichen Lehre besteht in der Notwendigkeit der "mystischen Erkenntnis". Ein zutiefst gnostischer Charakterzug, der in Übereinstimmung mit allen östlichen Philosophien, etwa dem Yoga oder dem Buddhismus steht. Ich verstehe den Buddhismus hier nicht als Volksreligion, sondern als Übungssystem der buddhistischen Mönche. Diese mystische Sicht auf das Christentum wurde durch die Rosenkreuzer tradiert und bewahrt.

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