#1 Die Moderne als Epoche von W.L. 14.02.2019 11:34

"Erst im 19. Jahrhundert wurde es üblich, mit dem Wort Moderne die Gegenwart von der Vergangenheit allgemein abzugrenzen. In der Philosophie fällt die Moderne mit der Aufklärung zusammen. Der landläufigste Begriff für die Moderne bezeichnet die Folgezeit nach der industriellen Revolution mit all ihren gesellschaftlichen Konsequenzen wie Urbanisierung, Arbeiterstand, Massenindustrie usw. In einem gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Kontext wird diese Epoche als Gründerzeit bezeichnet, deutet also auf einschneidende Veränderungen um 1900 und in der (zunächst nicht näher abgegrenzten) Folgezeit. Mit dem landläufigen Moderne-Begriff ist etwa derselbe geschichtliche Zeitpunkt und dessen Folgezeit gemeint, aber in Bezug auf eine geistige Sphäre (Philosophie, Literatur, Künste). Moderne ist also eine Geistesepoche, zeitgleich und in gegenseitiger Bedingung mit der Gründerzeit.

Die Epoche der Moderne in diesem Sinne wird nach manchen – umstrittenen – Theorien etwa im mittleren bis späten 20. Jahrhundert durch eine Postmoderne abgelöst (in Abgrenzung zum Begriff Posthistoire), also in einer gewissen geistigen Gegenströmung, in der sich eine Skepsis gegen die modernen Konzepte ausdrückt (Gegenmoderne). Als stilkundlichen Begriff verwendet man dann den Ausdruck „Klassische Moderne“ für ein abgeschlossenes Zeitalter.

„Zugleich steht die Zeit der Weimarer Republik im krisenhaft akzentuierten Schnittpunkt epochaler soziokultureller Neurungen. Sie bildet den Höhepunkt jener klassischen Moderne, die sich um die Jahrhundertwende zu entfalten begann. In ihr entstanden die Züge unserer gegenwärtigen Lebenswelt, erfolgte der Durchbruch der modernen Sozialpolitik, Technik, Naturwissenschaft, der Humanwissenschaften und der modernen Kunst, Musik, Architektur und Literatur. In knapp 14 Jahren wurden nahezu alle Möglichkeiten der modernen Existenz durchgespielt. Zugleich geriet die klassische Moderne in ihre Krisenjahre. Der allgemeinen Durchsetzung folgten Problematisierung, Zurücknahme und Zusammenbruch.“ (Detlev Peukert: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der klassischen Moderne, Frankfurt/M. 1987).

Wikipedia/Moderne

Die erste technische Revolution
Die industrielle Revolution ist natürlich ebenso wie die Paradigmenwechsel der Kunst und der Gesellschaft, technisch begleitet, technisch getrieben. Betrachtet man die Geschichte ab dem 18. Jahrhundert, bis in die Gegenwart, so ist diese Geschichtsperiode primär von technischen Revolutionen bestimmt. Die Newcomen-Dampfmaschine wurde seit September 1712 zur Entwässerung von Kohlegruben verwendet. Die Dampfmaschine ermöglichte es erstmals in der Geschichte der Menschheit, Schächte in großer Tiefe zu entwässern und somit Kohle aus großer tiefe zu fördern. Damit war erstmals Energie in großen Mengen verfügbar. Es konnten große Mengen an Stahl produziert werden. Die Dampfmaschine ermöglichte auch den Betrieb von Maschinen, die mit Transmissionsriemen angetrieben über lange Wellen in großen Fabrikhallen betrieben wurden. Damit wurden hohe Drehzahlen erreicht, große Kräfte übertragen und eine Vielzahl an Maschinen und eine Massenproduktion in Gang gesetzt. Die stationäre Dampfmaschine zählt zu den Errungenschaften, die in die vorrevolutionäre Zeit gehört. In den Jahren vor 1789 wurden leistungsfähige Dampfmaschinen in England und Preußen gebaut, die zum Entwässern von Kohlebergwerken diente. 1782 entwickelt James Watt die erste doppelt wirkende Dampfmaschine, bei der der Kolben von beiden Seiten abwechselnd mit Dampf angetrieben wird

1789 ereignet sich die französische Revolution. Beides, die Erfindung der Dampfmaschine und die Französische Revolution ereigneten sich historisch zwar unabhängig voneinander, aber nicht zufällig.

Diese Dampfmaschinen waren stationär und ermöglichten die Entwässerung der Kohlegruben. Damit wurde die Kohleförderung aus großen Tiefen möglich. Energie durch Kohle war der Beginn der industriellen Revolution. Die Französische Revolution und die Aufklärung wären Einzelereignisse, wenn sie in den Jahrhunderten danach nicht durch die soziale Frage immer wieder Aktualität erfahren hätten. Diese soziale Frage wurde durch die technische Revolution und die daraus folgende Verelendung der Arbeiterschaft immer wieder akut. Am Vorabend der Ereignisse des Sturms auf die Bastille stand auch die Dampfmaschine bereit, um die Arbeiter in den Kohlegruben vor die gleiche Frage zu stellen, wie das verarmte französische Volk. Zufall oder der Einfluss des astralen Gezeitenstroms?

Die philosophische Grundlage bildete einen wesentlichen Bestandteil, der die Revolution von 1789 über Jahrhunderte weitertragen und die Geschichte Europas prägen sollte. Diese Grundlage lieferten vor Allem die Werke Jean-Jacques Rousseaus: Der französische Philosoph veröffentlicht 1762 sein staatstheoretisches Werk „Du Contract Social ou Principes du Droit Politique“.

Die Gründerzeit: Erst 1804 wurde die Dampfmaschine mobil. Richard Trevithick erfand 1804 eine auf Rädern und Schienen fahrende Hochdruckdampfmaschine, die Eisenbahn. William Hedley entwickelte im Jahre 1813 eine Dampflokomotive. Mit der Eisenbahn konnten schwere Lasten und eine große Menge an Material und Menschen über weite Strecken transportiert werden. Der Handel blühte auf, neue Unternehmen, Aktiengesellschaften und Banken wurden gegründet. Diese periode endete mit der Revolution von 1848, eine mittelbare Folge der Napoleonischen Herrschaft, der folgenden restriktiven Politik der nachnapoleonischen Zeit.

Das Kommunistische Manifest von 1848 setzte nun auch eine politische Zäsur, deren Endphase die Zeit der Blockbilung (Ostblock - NATO) und schließlich der Zusammenbruch des Ostblock bildete.

Die zweite technische Revolution
Nach 1848 folgte das Automobil und das Flugzeug, Akkordarbeit und Fließband. Um die Zeitenwende von 19. zum 20. Jahrhnudert war eine vollständige Zeitenwende eingeleitet. Mit den beiden Weltkriegen vollzogen und nun kam es zur

dritten technischen Revolution, dem Computer, der vierten technischen Revolution, in der wir heute stehen.

Wovor will die Politik heute warnen? Betrachtet man die Entwicklung der sozialen Frage, so wurde diese nicht durch den Sozialismus und den Kommunismus gelöst, sondern durch die technische Revolution. Die Gewinne der Unternehmer wurden durch die steigende Produktivität so groß, dass diese den Forderungen der moderaten Sozialisten nachgeben konnten. Es waren nicht immer die Gewerkschaften, die den Wohlstand der Arbeiter erstritten hatten, es waren vielfach auch Monarchien oder fortschrittliche Unternehmer, die diese Entwicklung vorangetrieben hatten. Der Hintergrund war stets die steigende Produktivität, die letztlich auch den Wert der Arbeit steigerte und eine immer besser ausgebildete Arbeiterschaft erforderlich machte.
Wovor also will die Politik heute warnen?
- Vor dem Verlust der Arbeit durch steigende Produktivität, Rationalisierung,
- oder vor einer Abnahme der Bevölkerung und einem drohenden Fachkräftemangel?
Steigende Produktivität erfordert weniger Fachkräfte und die Familien in den Städten haben nur noch ein oder zwei Kinder, was sich im Übrigen in allen urbanen Gesellschaften vollzieht.

Die technische Revolution wird, so wie auch die letzten Jahrhunderte, eine höherwertigere Ausbildung der Arbeitskräfte erfordern und sie wird Arbeit wegrationalisieren. Dieser Prozess dauert nun schon ein viertel Jahrtausend und er wird sich weiter entwickeln und nicht die Sozialpolitik wird ihn treiben, sondern die technische Revolution wird die Sozialpolitik antreiben.

Ein Schlaglicht auf die Moderne ist die Bauhausbewegung unter Walter Gropius. Sie war "Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst und Architektur. Die Resonanz des Bauhauses hält bis heute an und prägt wesentlich das Bild modernistischer Strömungen."

Das Aussehen der Städte des 20. und 21. Jahrhunderts ist ganz wesentlich dem Bauhaus zuzuschreiben.

Bauhaus Dessau

Der Weg in die Moderne ist gekennzeichnet von einer naturalistischen Darstellungsweise, hin zu einer geometrisierenden Darstellung, in der die Gegenstände der sinnlichen Wahrnehmung zugunsten der Abstraktion aufgegeben werden. Die Mittel der Abstraktion ist oft die Geometrie. Dieser Weg ist der Weg vom Zeitalter der Fische, hin zum Zeitalter des Wassermann.

Siehe: Die Germanen, Begründer des Zeitalters in dem wir leben

Die Mittel der Geometrie liegen im kollektiven Unbewussten der Künstler des Wassermannzeitalters, die "Kinder ihrer Zeit" sind und in ihrer Genialität Mittler und Sprachrohr globaler Strömungen werden, die weit über sie selbst hinausragen.



(1 zu 1,73=Wurzel(3) ist das Verhältnis einer Dreiecksseite zu ihrem Umkreisradius)
Eine berühmte Arbeit von Alfred Erhardt, der am Bauhaus lehrte und arbeitete.
Seine 'freie' Arbeit zeigt, dass er sich wohl unbewusst an einen strengen Kanon anlehnte.
Die maßgeblichen Linien sind dem Maßkanon eines gleichseitigen Dreiecks entnommen.
Und natürlich klingt dieser Maßkanon: Er bewegt sich in den Intervallen F, - C - G ,von C = 1, eine Quinte aufwärts und zwei abwärts.

Alles, was wir an politischen und gesellschaftlichen Ereignissen erleben, ist auch Teil dieser größeren und globalen Strömungen, denen wir ausgesetzt sind und in denen sich der Mensch zu bewähren hat. Und auch diese verlaufen in Wellenbewegungen, wie eine große schwingende Saite

Dieser Beitrag ist auch unter:
Artikel zur Harmonik
- Kunst
- Die Moderne als Epoche
verfügbar.

#2 RE: Die Moderne als Epoche von W.L. 19.02.2019 16:16

Beispiel 2, willkürlich herausgegriffen,


Lyonel Feininger, Gaberndorf I, 1921, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, Osthaus Museum, Hagen, © 2015, ProLitteris, Zürich


Die mächtige Halbdiagonale, aus der linken Ecke kommend, teilt die Leinwand an ihrem oberen Ende im Verhältnis 3:7. Die Pyramidenspitze teilt das Bild vertikal im Verhältnis 3:4. Der Schnittpunkt der Teilungslinien liegt über dem Blickzentrum zweier Spitzen, die das Zentrum der kleinteiligen Kristalle, linker Hand der Pyramide bilden. Die beiden linken Begrenzungsgeraden der großen Pyramide schließen 1/10 des Gesamtwinkels ein. Die beiden Winkel 22,89° (annähernd 22,5°) und 44,67° (annähernd 45°) sind die Winkel eines Achtecks 22,5° und eines Quadrates 45° und verhalten sich wie 1:2. Vermutlich dürfte es für einen Künstler eher schwierig sein, ganzzahlige Proportionen ganz zu meiden, das sie jedem Menschen möglicherweise unbewusst eingeboren sein könnten.

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