#1 Karl Popper "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" von W.L. 11.08.2019 15:07

Es kann sein, dass sogar ein Philosoph nur "zusammengeflickte Zitate" (Walter Kaufmann) verwendet. Ich habe Poppers "offene Gesellschaft ...", gelesen, ganz gelesen, und darin drischt er zunächst mit eigener Feder auf Hegel ein und bemüht dann Zitate gegen Hegel, von S. 12 - 35, ohne sich bis hierher mit dessen Philosophie zu befassen. Dann schreibt er: "Die Grundzüge Hegels müssen nun, wie ich denke, jedem Leser einsichtig sein." Ich dachte nur Hä? Popper muss ein psychisches Problem haben und nun weiß ich nicht, ist er ein Amokläufer der Philosophie oder nur ein Psychopath? Walter Kaufmann befasst sich mit Poppers Methodik: Hegel Legende und Wirklichkeit

Kaufmann schreibt in seinem Aufsatz, dass Popper Hegel nie selbst gelesen habe, sondern nur Sekundärliteratur. Er muss sich, das ist meine Annahme, sehr darüber geärgert haben, dass er Hegel nicht verstanden hat und wie er selbst schreibt, sei auch Kant nur schwer verständlich. Nun dafür gibt es Sekundärliteratur, das musste Popper wissen, denn er hat sie ja schon für Hegel bemüht.

Manches bei Hegel ist nicht so schwierig und hat mich nachhaltig beeindruckt. In der Phänomenologie des Geistes geht er in den ersten beiden Kapiteln auf das Problem ein, wie das Ich die wechselnden Wahrnehmungen in Zeit und Raum zu der Kontinuität seiner Existenz zusammenfügen könne. Er kommt dazu und leitet das sehr eindrücklich her, dass der Grund der sich wandelnden Erfahrungen durch etwas überzeitliches und überräumliches, das zugleich Raum und Zeit durchdringt und erfasst zusammengehalten wird. Er nennt dass das Allgemeine, später das absolute Allgemeine. Im dritten Kapitel zeigt er, wie die begriffliche Welt auf Widersprüchen aufbaut und sagt, dass nur das absolute Allgemeine diese Widersprüche überbrücken könne und dass es daher den Verstand überragt.

Wenn ich das verstehe, warum Popper nicht? Ich hätte erwartet, dass Popper hier irgendetwas beiträgt, kritisiert, bereichert, eine Widerlegung versucht. Das ist leider nicht der Fall. Stattdessen diese Polemik. Enttäuschend!

Dass die Demokratie der 60er Jahre, die er meint, das Ideal gegen eine aus den Stammestraditionen kommende geschlossene Gesellschaft, sei, steht ebenso auf tönernen Beinen, denn eben diese Offenheit kann ebenso zur Abschaffung einer Demokratie führen. Ist Popper blind, dass er das am Beispiel der Weimarer Republik nicht sehen konnte? Nun ja, vielleicht lag es dran, dass er bald nach Neuseeland ging und sich mit Platon als den Urheber allen Übels, dem Erzfaschisten beschäftigt hatte.

Aber wie Kaufmann (siehe oben) richtig schreibt, war nicht Hegel der Philosoph der Nationalsozialisten sondern Alfred Rosenberg und der, so Kaufmann, habe Hegel nur einige male erwähnt um ihn zu kritisieren. Wie man bei Wikipedia nachlesen kann, standen die Nationalsozialisten überhaupt auf Kriegsfuß mit den Geisteswissenschaften (wikipedia/Philosophie im Nationalsozialismus)

Popper ist als Philosoph eine Enttäuschung, um nicht zu sagen, eine Niete. Seine Popularität ist ein Beleg für den Niedergang des Geistes unserer Zeit.

#15

#2 RE: Karl Popper "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" von W.L. 14.08.2019 15:39

Die sogenannte Rezeptionsgeschichte von Poppers Werk ist interessanter als das Werk selbst. Mit Gründung der Open Society Foundations (OSF), von George Soros wurde Poppers Werk bereits für den Zweck der Errichtung einer globalen multikulturellen Gesellschaft instrumentalisiert. Der Name geht auf das Werk von Karl Popper, "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" zurück, darin sind die stammeskulturellen Wurzeln stets eine Bedrohung der Demokratie. Popper dachte da etwa an den Nationalsozialismus. Nun, heute wandern hingegen originäre Stammeskulturen nach Deutschland ein. Eine neue und unerwartete Wendung, die Popper nicht auf dem Schirm hatte.

Das Phänomen der Stammeskulturen als Bedrohung einer Demokratie wurde mit Popper in die Philosophie eingeführt und ist keinesfalls ein Kampfbegriff der Rechten.

In "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" sind die stammeskulturellen Wurzeln stets eine Bedrohung der Demokratie. Nun, heute wandern originäre Stammeskulturen, wie sie von Popper beschrieben wurden, aus dem Irak, Afghanistan, Iran, Syrien und vielen Ländern Afrikas ein.

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