#1 Symbolik der Zahl 11 von W.L. 07.07.2021 11:01

Diese Zahlenbetrachtungen sind nichts weiter als Archetypenforschung. Eine Sammlung von Aussagen, wie die Menschen mit Zahlen umgegangen sind, was sie in ihnen gesehen haben. Diese Zeugnisse waren zu allen Zeiten Allgemeingut von Sehern, Priestern und Schamanen. Sie sind Ausdruck des kollektiven Unbewussten der Menschheit.

Nach dem Beitrag zu "Zahlen als wirkende Kraft" wurde deutlich, dass dieses Thema auch Teil der Naturphilosophie ist.
Erstens bilden die einfachen ganzen Zahlen

- die Struktur der Atome,
- sie sind in der Natur der Formen, speziell der Blüten präsent
- und sie wirken als Bahnresonanzen in den Mondsystemen, in der Verteilung der Kleinplaneten und der Planetenbahnen.
- Sie sind seit der Antike Teil unserer Kultur und finden sich in den Portionen sakraler Bauwerke
- und sie sind uns eingeboren in Form des musikalischen Empfindens. Leibnitz formulierte es so:

„Musik ist die versteckte arithmetische Tätigkeit der Seele,
die sich nicht dessen bewusst ist, dass sie rechnet.“

Gottfried Wilhelm Leibniz aus einem Brief
vom 27. April 1712 an Christian Goldbach.

Von der Zahl Elf bei Agrippa von Nettesheim
Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486 - 1535), Arzt, Advokat, Soldat, Philosoph und Theologe, sammelte auf seinen Reisen Wissen auf allen Gebieten der damaligen Magie, Kabbala, Mystik und Astrologie. Er kam mit vielen berühmten Zeitgenossen zusammen und lernte vor allem bei Tritheim, Johannes Trithemius (1462 - 1516), latinisiert aus Johann(es) Tritheim, auch Johannes von Trittenheim, Johann Heidenberg sowie Johannes Zeller genannt[1] , war Abt der Benediktinerabtei Sponheim und ab 1506 vom Schottenkloster Würzburg, vielseitiger Gelehrter und Humanist.

"Wie die Zahl Elf den Zehner, der die Zahl des Gesetzes und der Gebote ist, überschreitet, so bleibt sie hinter dem Zwölfer, der Zahl der Gnade und Vollkommenheit, zurück; deshalb heißt sie die Zahl der Sünder und Reuigen. Daher mussten zur Stiftshütte elf härene Teppiche gemacht werden, dergleichen die Reuigen und Büßenden als Kleidung gebrauchten. Diese Zahl hat nichts mit dem Göttlichen, nicht einmal mit dem Himmlischen gemein; sie besitzt kein Anziehungsvermögen und keine Leiter zum Höheren, überhaupt gar kein Verdienst; zuweilen jedoch wird ihr eine unverdiente Gnade zuteil, wie jenem, der zur elften Stunde in den Weinberg des Herrn berufen, dennoch Lohn der Arbeiter empfing, die des Tages Last und Hitze getragen hatten."
Nachdruck: Die magischen Werke, fouruer, Wiesbaden, 1982, S. 224.

Die Reste viel älterer Überlieferungen kann man im karnevalistischen "Elferrat" und im Beginn des Karnevals am 11.11. erkennen. Es ist dies die Zeit in der die Gebote übertreten werden dürfen.

Entsprechend sehen auch die Angaben zur Zahl Elf bei Endress und Schimmel [1] aus:

"Elf ist die Sünde,
Elfe überschreitet die zehn Gebote"

So lässt Schiller seinen Seni in den "Picolomini" (II,1) sagen [1].

"eleven heads of error", die elf Formen des Irrtums [1].

Im altbabylonischen Schöpfungsbericht, dem Enuma elisch, wird der Kampf des Chaos, Tiamat, gegen die Götter geschildert, wobei Tiamat von elf Chaosungeheuern unterstützt wird. Diese zwölf Gegner (1 + 11) werden von dem Lichtgott Marduk überwunden, aber geschont und an den Himmel versetzt, wobei Marduk als Sonne, immer vor einem der zwölf steht [1].

Hier taucht die Zahl Elf als 1 + 11 auf und deutet auf die zwölf Zeichen des Tierkreises, von denen immer eines durch die Sonne besetzt ist. Diese Lesart folgen Endress und Schimmel im Traum des Jakob:

Jakob hatte elf Kinder. Sie werden oft mit den Tierkreiszeichen in Verbindung gebracht, wobei Jakob das zwölfte Zeichen, respektive die göttliche Sonne vertritt.
1 Mos. 32,22. "Und stund auf in der Nacht und nahm seine zwei Weiber und die zwo Mägde und seine elf Kinder und zog an die Furt Jabbok,"

Nach diesem Aufbruch, in welchem Jakobs elf Kinder genannt werden, rang er mit dem Engel, obsiegte und sollte hinfort nicht mehr Jakob, sondern Israel heißen. Hier tritt uns erstmals die Andeutung einer positiven Lesart der Elf entgegen. Noch deutlicher wird es im Traum des liebsten Sohnes Josef:

1 Mos. 37,
6. Denn er [Josef] sprach zu ihnen: Höret, lieber, was mir doch geträumet hat!
7. Mich deuchte, wir banden Garben auf dem Felde, und meine Garbe richtete sich auf und stund, und eure Garben umher neigeten sich gegen meine Garbe.
8. Da sprachen seine Brüder zu ihm: Solltest du unser König werden und über uns herrschen? Und wurden ihm noch feinder um seines Traums und seiner Rede willen.
9. Und er hatte noch einen andern Traum, den erzählte er seinen Brüdern und sprach: Siehe, ich habe noch einen Traum gehabt. Mich deuchte, die Sonne und der Mond und elf Sterne neigeten sich vor mir.



Josefs Traum 1. Mos. 37,9. "Mich deuchte, die Sonne und der Mond und elf Sterne neigeten
sich vor mir."
Kornkreis vom 28. Juni 2021, bei Tidcombe Down, Oxenwood, Wiltshire, England.

Endress und Schimmel schreiben dazu in Mysterium der Zahl: Die Elf ist wohl ursprünglich eine Zierkreiszahl, da von den zwölf Zeichen des Zodiaks immer eine hinter der Sonne steht und infolgedessen unsichtbar bleibt. Daher kommt wahrscheinlich die Beziehung im Traum des Josef (1 Mos. 37,9) [1].

Die Elf als Symbol des leidvollen Weges der Individuation
Tiefenpsychologische steht die Sonne für das Selbstbewusstsein, für den Träumer, etc., der sich auf dem leidvollen Weg der "Individuation" (C.G. Jung) begibt, der seine Überzeugungen nicht aus der Meinung anderer, aus der Auffassung der Mehrheit nimmt, sondern seinen eigenen von innen her diktierten Weg gehen muss.

Josef wurde von seinen Brüdern bestraft, denn seine Träume werteten sie als Hochmut. Er sollte ermordet werden, sie entschieden sich ihn als Sklave zu verkaufen. Und so begann für Josef der Fall in die Knechtschaft und schmerzliche Weg aus der Knechtschaft.

Die heilige Ursula, Schutzpatronin Kölns, breitet schützend ihren Mantel über die 11.000 Jungfrauen, die sie auf eine Pilgerfahrt begleiteten, und die bei ihrer Rückkehr dennoch, wie sie selbst, ermordet wurden. (Wikipedia/Ursula von Köln) und [1].

Quellen: [1] Schimmel Annemarie; Endres, Carl; Das Mysterium Zahl; Zahlensymbolik im Kulturvergleich; Diederichs gelbe Reihe 52; 1995; S. 206 - 207.
Eine ältere Quelle der Kulturgeschichte der Zahlen: Bischoff, Erich; Mystik und Magie der Zahlen. Das Buch erschien erstmals 1920 in Berlin und wurde mehrfach nachgedruckt.

Tarot und die hebräischen Lettern: In Tarot, die zweiundzwanzig Bewusstseinsstufen des Menschen von Elisabeth Haich, korrespondiert die elfte Karte die Kraft mit dem elften Buchstaben des hebräischen Alphabets Kaph. Dort heißt es: "Der Buchstabe Caph entspricht dem Namen Chabir (der Mächtige) und bezeichnet den "ersten Himmel" und die erste Ursache, die alles, was beweglich ist in Bewegung setzt."



Das klingt seltsam nach all den negativen Bedeutungen zur Zahl Elf. Wir haben aber bereits gesehen, dass es um einen Weg geht, der wie C.G. Jung sagt, ein Weg der Individuation ist. Dieser führt wie Josefs Allegorie andeutet zur Absonderung von der Masse und von Mehrheitsmeinungen und wird somit zum Stein des Anstoßes für den Massenmenschen. Josef selbst muss den Weg gehen, den ihm seine Träume gezeigt haben.

Das Verhältnis des Durchmessers zum halben Kreis Pi/2.
Der halbe Weg, der tiefste Punkt, die größte Finsternis.


Eine antike Näherung für die Zahl Pi ergibt 22/7 = 3,1428 ... ~ Pi = 3,1415 ... Die Zahl Pi ist das Verhältnis von Durchmesser zu Umfang eines Kreises.

Franklin Merrell-Wolff schreibt in Pathways through to Space:
"Dies ist in der Tat der mystische Prozess, symbolisiert in der Quadratur des Kreises. Die Beziehung zwischen Quadrat und Kreis ist inkommensurabel. Das bedeutet, dass die Maßeinheiten des Kreises nicht in Einheiten des Quadrates dargestellt werden können. Der materielle Mensch ist vergleichbar mit einem Quadrat, der innere Mensch mit einem Kreis."
Franklin Merrell-Wolff, Pathways through to Space, Julian Press, New York, 1983, Kap. XLIX, Sleep and Death, S. 107 – 113
(Übers. des Autors aus dem Amerikanischen)
Siehe auch: Die Kreiszahl Pi

Lukas 3, 23.-38. "Und Jesus war, als er auftrat, etwa dreißig Jahre alt und wurde gehalten für einen Sohn Josefs, der war ein Sohn Elis ... Sohn Adams, der war GOttes."

Zählt man diese Generationen, so sind es 77. Gott ist das 1. Glied in der Kette, bis Jesus als 77. Nachkomme auftritt. Das ist ein zahlenmystisches Zeugnis der Bibel. Die Schreiber wussten um die Kraft und Bedeutung der Zahl. 77 lässt sich nur auf eine Weise in Faktoren zerlegen: 7 x 11

Die Zahl Elf steht mit der Zahl Sieben in einer mathematischen Beziehung: 11/7 = 1,5714 ... ~ PI/2 = 1,5708 ... Das das Verhältnis des Durchmessers zum halben Kreis.

Der halbe Weg oder der tiefste Punkt, am großen Abstand vom Ursprung, in der größten Finsternis, erscheint der Erlöser.
Auf dem Kreis der Individuation führt der Weg hinab zur Zahl Elf, der elften Karte des Tarot. Im NT ist dies der Zeitpunkt als Jesus anfängt zu predigen. Er nimmt damit seinen Leidensweg auf sich, wie Josef, als er von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauf wurde.

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