#1 Symbolik der Zahl 16 von W.L. 07.10.2021 12:52

Grundsätzliches: Diese Zahlenbetrachtungen sind nichts weiter als Archetypenforschung. Eine Sammlung von Aussagen, wie die Menschen mit Zahlen umgegangen sind, was sie in ihnen gesehen haben. Diese Zeugnisse waren zu allen Zeiten Allgemeingut von Sehern, Priestern und Schamanen. Sie sind Ausdruck des kollektiven Unbewussten der Menschheit.

Nach dem Beitrag zu "Zahlen als wirkende Kraft" wurde deutlich, dass dieses Thema auch Teil der Naturphilosophie ist.
Erstens bilden die einfachen ganzen Zahlen

- die Struktur der Atome,
- sie sind in der Natur der Formen, speziell der Blüten präsent
- und sie wirken als Bahnresonanzen in den Mondsystemen, in der Verteilung der Kleinplaneten und der Planetenbahnen.
- Sie sind seit der Antike Teil unserer Kultur und finden sich in den Portionen sakraler Bauwerke
- und sie sind uns eingeboren in Form des musikalischen Empfindens. Leibnitz formulierte es so:

„Musik ist die versteckte arithmetische Tätigkeit der Seele,
die sich nicht dessen bewusst ist, dass sie rechnet.“

Gottfried Wilhelm Leibniz aus einem Brief
vom 27. April 1712 an Christian Goldbach.

Die Zahl 16



In dem Werk Mysterium der Zahl Zahlensymbolik im Kulturvergleich von Annemarie Schimmel und Carl Endres, ist die 16 eine Zahl der Ganzheit. Im römischen und griechischen Maßsystem gab es eine 16-Teilung des Fußes. Das häufigste Taktmaß der indischen Musik ist tintal, der 16-er Takt. Die Candogya-Upanishad sieht den Menschen aus sechzehn Teilen zusammengesetzt.

Diese Zahl birgt einen gewissen Vollständigkeitscharakter, sie ist eine Art von Abschluss, ein Ende.

Im Italienischen springt die Form von quindici, sedici zu diciasetta, im Französischen ebenso. Der Vollständigkeitscharakter der Zahl 16 spiegelt sich im Aufmerksamkeitspegel von Schulkindern und vermutlich auch von Erwachsenen.

"Die neue Wissenschaft der experimentellen Psychologie führte im frühen 20. Jahrhundert "Ermüdungsmessungen an Schulkindern" durch und kam zu dem Ergebnis, dass die 60-Minuten-Taktung der Gesundheit der Kinder schade und für das Lernen nicht förderlich sei.

Die Wissenschaft empfahl daher, kleinere Kinder in 30-Minuten-Lektionen zu unterrichten, ältere Kinder in 45- oder 50-Minuten-Lektionen.
Während heute in Frankreich und den Niederlanden im 50- oder 60-Minuten-Takt unterrichtet wird, gibt es in Finnland, Großbritannien und Polen ähnlich wie bei uns das 45-Minuten-Modell."

MDR/Zeitreise/Schulstunde

Der 16. Teil eines 12-Stunden Tages sind 45 Minuten.

Es sei noch erwähnt, dass viele Mandalas von einem äußeren Kranz von 16 Blättern umringt sind. Damit ist gesagt, dass die äußerste Teilung oder die äußerste Grenze dieser Mandala-Welt die 16 oder 4 x 4 ist. Dies ist auch, wie wir nun wissen, die maximale Aufmerksamkeitsspanne im Tageslauf. Darüber hinaus tritt Störung und Zersetzung ein.

Die Zahl der Zerstörung

Elisabet Haich schreibt in ihren Buch Tarot zur 16. Karte der großen Arkana: "16 gleich vier mal vier bedeutet, dass Materie sich gegen Materie auflehnt. Es ist ultramaterialisierte Materie was schon Zerstörung, Hass und Vernichtung bedeutet."

Vollendung und Neubeginn: "Da die 16 Weltgegenden einen 16-teiligen Kreislauf voraussetzen und dieser mit 4 x 4 Teilen ein harmonisch vollendetes Ganzes darstellen, ist die 16 symbolisch auch die Zahl eines gewissen Abschlusses, nach welchem etwas Neues, Neuartiges beginnt, ..."
Bischoff, Erich, Mystik und Magie der Zahlen, Ansata, Schwarzenburg, 1977, (Nachdruck der Berliner Ausgabe von 1920) S. 224
So ist die Zahl 16 eine Schwelle, die sowohl Vollständigkeit und Grenze bedeutet. Im Überschreiten hingegen bedeutet sie Vernichtung und Zerstörung.

Vollendung des Diamanten im Brillanten: Der runde Diamant wird zumeist 16-seitig geschnitten.
Die Anzahl der Facetten der Hauptschliffe

Die Zahl 16 und der hebräische Buchstabe Ayin im Judentum

Im Talmud, einem Teil der jüdischen Thora, wird die Geschichte des Rabbi Elazar ben Azarya(Asarya) erzählt. Nachdem er Skrupel hatte, als 18-Jähriger einer Einladung zu folgen, die ihn zum Lehrer einer berühmten Thora-Schule machen sollte, färbte sich sein Barthaar weiß und er sagte in seiner Antrittsrede:

„Ich bin wie siebzig Jahre alt“. (70 ist der zweite Zahlenwert des Buchstabens Ayin, was aus der Quersumme 16 = 1+6 abgeleitet wird.)

Der Talmud-Kommentar dazu betont, dass er nicht sagte „Ich bin siebzig Jahre alt.“ Damit wies er auf Ayin dessen Zahl die 70 ist. Damit bekundete der Rabi, dass Schicksalsschläge ihn zu einem Weisen gemacht haben und er nun „wie siebzig Jahre alt“ sei. Um das Schicksal bewältigen zu können sind der Thora zufolge 70 Tugenden erforderlich.
Quelle: Berachos 28a.
Berakhot (hebräisch: בְּרָכוֹת‎, romanisiert: Brakhot, wörtlich „Segen“) ist das erste Traktat von Seder Zeraim („Orden der Samen“) der Mischna und des Talmuds. Das Traktat bespricht die Gebetsregeln, insbesondere das Schema und die Amidah, und den Segen für verschiedene Umstände.

Ein weiterer Hinweis auf Ayin und die Zahl 70 findet sich in einem Kommentar zu Psalm 80, der eine Klage ist. Es heißt darin:

… Du speisest sie mit Tränenbrot und tränkest sie mit einem Krug voll Tränen.
[5]„Der Eber aus dem Wald (MiYa’ar יַעַר) verwüstet [den Weinstock Israels], und
das Tier auf dem Feld ernährt sich davon.“

[6] Das Ayin des Wortes „Wald“ wird leicht oberhalb der übrigen Buchstaben des Wortes geschrieben. Raschi sagt, dass, wenn die Juden gerecht sind und G’ttes Willen tun, das oberhalb liegende Ayin in das Aleph des Wortes Ya’ar, was „Fluss“ bedeutet, transformiert wird. Im Sinne einer Transformation ist auch die Bedeutung Ayin für Augen zu verstehen. Es bedeutet in allem Leid, Gott zu sehen.
Quelle: [5,6] Berachos 28a, V14.
Quelle: Buchstaben des Lichtes, Ajin - Führerschaft, von Aaron Leib Raskin

Im Judentum also entsprechend der 16. Karte der großen Arkana des Tarot, ist der Buchstabe Ayin und seine Zahlen 16 und 70, ein Zeichen von Leid, das durch Weisheit überwunden wird und dadurch zur Einsicht und zum Sehen Gottes befähigt.



Elisabet Haich bringt die Bedeutung des 16. Buchstabens in ihrem Buch Tarot wie folgt auf den Punkt:

Es ist der zerstörende Aspekt Gottes,
der aus den Trümmern der Zerstörung
neues Leben hervorbringt.

#2 RE: Symbolik der Zahl 16 von W.L. 08.10.2021 23:47

Meyrinks Roman Golem
Eine mystische Reise in die Welt der 16. Karte des Tarot


Die Beschreibung der bewusstseinsverändernden Kraft, welche die 16. Tarot-Karte widerspiegelt, kommt in Gustav Meyrinks Roman "Golem" zu ihrer literarischen Form.

Der Erzähler der Geschichte fällt beim Lesen in einen unruhigen Halbschlaf und gleitet in eine Traumwelt, in der er Ereignisse erneut durchlebt, die sich vor mehr als dreißig Jahren im Prager Judenviertel zugetragen haben. Meyrink schildert eine von Furcht, Habgier, Neid und Intrigen aufgeladene Atmosphäre, die der junge, an Gedächtnisverlust leidende Protagonist im Kreise seiner Freunde durchlebt. Diese allgemeine unterschwellige und drohende Atmosphäre konkretisiert sich im Golem. Die sagenhafte Menschen-Schöpfung eines Kabbalisten (Siehe Der Golem). Ein ihm feindlich gesinnter alter jüdischer Händler spinnt Intrigen gegen ihn und einen seiner Freunde. Just im 16. Kapitel "Qual" triumphiert sein Kontrahent. Der junge Adelige Protagonist wird inhaftiert. Er erlebt den Fall von hoher Stellung, er durchlebt Jahre der Entbehrung in einer engen modernden Gefängniszelle.

Der Roman hat hier im 16. Kapitel "Qual" seinen Brennpunkt und beschreibt, was die 16. Karte anzeigt.

Nach Jahren des Leidens wird seine Unschuld bewiesen. Er wird entlassen. Jedoch haben inzwischen alle Freunde das Viertel verlassen. Der junge Mann steht vor den Trümmern des inzwischen abgebrannten Judenviertels. Die Suche nach den Freunden bleibt erfolglos. In einem Schloss, findet er seine Geliebte neben seinem eigenen Doppelgänger glücklich vereint mit ihm.

Meyrinks Doppelgänger ist eine Art von Parallelexistenz in einer glücklicheren spirituellen Welt. Der Autor umschreibt in mystischen Bildern eine Transformation, die in einer Spaltung des Bewusstseins mündet. Diese aber wird nicht schmerzhaft, sondern erfüllend und beglückend erlebt. Bezeichnend ist, dass der Roman just im 16. Kapitel seine zentrale Passage besitzt.

Sind Menschen nur vom Wind aufgewühlte Papierschnipsel?: Schon in einem der ersten Kapitel schildert Zwakh, einer der Freunde des Erzählers, eine Begebenheit, die eine Schlüsselsequenz des Romans darstellt:

Zenon.org/Golem: »Ich dachte nur darüber nach, als vorhin die Mäntel so flogen, wie seltsam es ist, wenn der Wind leblose Dinge bewegt,« antwortete Prokop schnell, wie um sich wegen seines Schweigens zu entschuldigen: »Es sieht gar so wunderlich aus, wenn Gegenstände plötzlich zu flattern anheben, die sonst immer tot daliegen. Nicht? – Ich sah einmal auf einem menschenleeren Platz zu, wie große Papierfetzen, – ohne daß ich vom Winde etwas spürte, denn ich stand durch ein Haus gedeckt, – in toller Wut im Kreise herumjagten und einander verfolgten, als hätten sie sich den Tod geschworen. Einen Augenblick später schienen sie sich beruhigt zu haben, aber plötzlich kam wieder eine wahnwitzige Erbitterung über sie, und in sinnlosem Grimm rasten sie umher, drängten sich in einen Winkel zusammen, um von neuem besessen auseinander zu stieben und schließlich hinter einer Ecke zu verschwinden.

Nur eine dicke Zeitung konnte nicht mitkommen; sie blieb auf dem Pflaster liegen und klappte haßerfüllt auf und zu, als sei ihr der Atem ausgegangen und als schnappe sie nach Luft.

Ein dunkler Verdacht stieg damals in mir auf:

was, wenn am Ende wir Lebewesen auch so etwas Ähnliches wären wie solche Papierfetzen? – Ob nicht vielleicht ein unsichtbarer, unbegreiflicher ›Wind‹ auch uns hin und her treibt und unsre Handlungen bestimmt, während wir in unserer Einfalt glauben unter eigenem, freien Willen zu stehen?"


Kosmische Zyklen rufen die Kräfte der Massenseele herab.

#3 RE: Symbolik der Zahl 16 von W.L. 09.10.2021 00:43

In einem Kommentar auf Facebook machte mich eine Teilnehmerin auf das Integratron in Kalifornien aufmerksam. Das Gebäude besitzt einen 16-eckigen Grundriss und eine ebensolche Kuppel.


Wikimedia/Integratron, Kalifornien

Erbaut wurde das Gebäude von George Van Tassel (1910 - 1978), einem Ufologen und Abenteurer, der im Gebäude eine Zeit-Maschine nach Plänen von Nicola Tesla, Georges Lakhovsky und Außerirdischen, bauen wollte. Aus Geldmangel kam es nicht zur Fertigstellung und schließlich wurde die unfertige Maschine vollständig entfernt. Das Gebäude stand lange Zeit leer, wurde aufgekauft und dient heute als Klang- und Meditationsraum für Ausflügler und Touristen.
Quellen:
Eine Zeitmaschine in der Mojave-Wüste
Wikipedia/Integratron

Craig Hodgetts, ein UCLA-Professor und Partner von Hodgetts + Fung Design and Architecture, sagt im Interview mit der freien Journalistin und BBC-Reporterin Jennifer McCartney:

"Es ist eine Art kosmischer oder psychischer Architektur, überlegte Craig Hodgetts, ein UCLA-Professor und Partner von Hodgetts + Fung Design and Architecture, als er nach der anhaltenden Popularität von Van Tassels Kuppel gefragt wurde. Zusammen mit Pyramiden stellte er fest, dass Kuppeln "eine Art physische Präsenz haben, die das Spirituelle verändern soll", und zitierte das Pantheon in Rom sowie die moderneren geodätischen Kuppeln von Buckminster Fuller. Eine Kuppel ist ein platonischer Körper, sie hat Zentralität, sie konzentriert sich auf das Zentrum – sie ist konzeptionell rein."

Hodgetts ist über die Bedeutung der 16-teiligen Geometrie nicht im Bilde und spricht vom Pantheon in Rom, das im Inneren 16 Fenster besitzt. Der Tempeleingang besitzt 16 Säulen, wodurch die Absicht der 16-Teiligkeit manifest wird.

Quelle: Wikimedia

Weder Pyramiden, noch Buckminster Fuller Geometrien sind 16-teilig. Der UCLA-Professor tappt im Dunkeln. Mit dem Pantheon trifft er jedoch ins Schwarze und ergänzt diese Betrachtungen.

Insbesondere die 16-teiligen Grundrisse tragen die Kräfte der Zahl 16 in sich und als Meditationsräume sind sie besonders geeignet. In ihrem Innern ist man sich mit den lebenspendenden Kräften verbunden, während sie nach außen zerstörend wirken.

Notre Dame in Paris
Ein weiteres Gebäude, das eine 16-teilige Geometrie birgt, ist die Kathedrale Notre Dame in Paris. Die Nordrose ist innen 16-teilig, außen 32-teilig.


Nordrose Notre Dame in Paris.

Der 1831 erschienene historischer Roman des französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802–1885), Der Glöckner von Notre Dame spiegelt die klassische Wirkung der Zahl 16 wieder. Ob es Zufall ist, dass dieser Roman, der in das Erbe der Weltliteratur eingegangen ist, gerade in und um diese Kathedrale spielt? 16-teilige gotische Rosen sind äußerst selten. Notre Dame in Paris ist jedenfalls die einzige mir bekannte Kathedrale, die ein solches Fenster enthält.

#4 RE: Symbolik der Zahl 16 von W.L. 13.10.2021 18:02

Die 16 Teile des Menschen
Zitate aus den Upanishads
Altindische Weisheit aus Brâhmanas und Upanishaden, S. 147 f.

Der Mensch besteht aus sechzehn Teilen.
Nach Brihadarânyaka-Upanishad 1,5,22. ist Prajapati (Sanskrit प्रजापति
prajāpatī „Herr der Geschöpfe“
) als das Jahr sechzehnteilig,
seine fünfzehn Teile sind die Nächte, sein sechzehnter ist unveränderlich.
In den Nächten nimmt er zu und nimmt er ab. In der Neumondnacht dringt
er mit diesem sechzehnten Teil in alles, was lebt, ein und wird darauf wieder
am Morgen geboren. Ebenso steht es mit dem Menschen, der solches weis.
Seine Habe sind die fünfzehn, sein Ich der sechzehnte Teil. In Bezug auf seine
Habe nimmt er zu und ab. Sein Ich ist die Nabe, seine Habe der Radkranz.

Die Chandogya-Upanishad erklärt,
wie ein Mensch 15 Tage lang nicht isst und seiner Gedächtniskräfte beraubt
wird und von seinen 16 Teilen nur einer übrig bleibt. Wenn er dann Speise
zu sich nimmt, so gewinnt er, weil ihm das Sechzehntel geblieben, seine
Kräfte wieder.

Wie die Ströme in ihrem Lauf zum Meer, wenn sie das Meer erreichen,
verschwinden, Name und Gestalt von ihnen vergeht und alles nur Meer
heißt, so geschieht es auch, dass diese sechzehn Teile des Beschauers auf
ihrem Wege zum Purusha, wenn sie den Purusha erreichen, verschwinden,
Name und Gestalt von ihnen vergeht und alles »Purusha heißt. Er ist es,
der ohne Teile besteht und unsterblich ist. Hierzu dieser Vers:
»Wie Speichen in der Nabe des Rades, so ruhen in ihm die Teile. Diesen
Purusha sollt ihr erkennen, damit der Tod euch nicht erschüttere.

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