#1 Harmonik und Quantenphysik, Zitate berühmter Physiker von W.L. 05.07.2016 16:14

Zitate aus der Abschiedsvorlesung
gehalten am 27. Januar 2005 von
Harald Böttger Prof. für Theoretische Physik, in Magdeburg, an der Otto-von-Guericke-Universität

Werner Heisenberg:
”Der Gedanke der sinnstiftenden Kraft mathematischer Strukturen tritt zum ersten mal deutlich entgegen in den Lehren der Pythagoräer, und erschließt sich diesem Kreis durch die Entdeckung der mathematischen Bedingtheit der Harmonie. Diese Entdeckung gehört zu den stärksten Impulsen menschlicher Wissenschaft überhaupt, und wer den Blick einmal für die gestaltende Kraft mathematischer Ordnung erkennt, erkennt ihr Wirken in der Natur ... Wenn in einer musikalischen Harmonie ... die mathematische Struktur als Wesenskern erkannt wird, so muß auch die sinnvolle Ordnung in der uns umgebenden Natur ihren Grund in dem mathematischen Kern der Naturgesetze haben ... Letzten Endes beruht ... die ganze mathematische Naturwissenschaft auf dieser Denkweise.“
http://www.uni-magdeburg.de/itp/people/b...nices_nopic.pdf, S.17

”Was wir heutzutage aus der Sprache der Spektren heraushören, ist eine wirkliche Sphärenmusik des Atoms, ein Zusammenklingen ganzzahliger Verhältnisse, eine bei aller Mannigfaltigkeit zunehmende Ordnung und Harmonie... Alle ganzzahligen Gesetze der Spektrallinien und der Atomistik fließen letzten Endes aus der Quantentheorie. Sie ist das geheimnisvolle Organon, auf dem die Natur die Spektralmusik spielt und nach dessen Rhythmus sie den Bau der Atome und Kerne regelt.“
Arnold Sommerfeld, Vorwort zu seinem Buch: Atombau und Spektrallinien“ (1931), S. 57
http://www.uni-magdeburg.de/itp/people/b...nices_nopic.pdf, S.23

Ja, glauben sie denn“, wurde Einstein gefragt, ”daß sich einfach alles auf naturwissenschaftliche Weise wird abbilden lassen können?“ — ”Ja“, meinte Einstein, ”das ist denkbar, aber es hätte doch keinen Sinn. Es wäre eine Abbildung mit inadäquaten Mitteln, so als ob man eine Beethoven-Symphonie als Luftdruckkurve darstellte.“
http://www.uni-magdeburg.de/itp/people/b...nices_nopic.pdf, S.71

--- Weitere Zitate ---
"… seit der berühmten Arbeit von Planck aus dem Jahre 1900 nannte man solche Forderungen Quantenbedingungen. Und diese Bedingungen brachten eben jenes merkwürdige Element von Zahlenmystik in die Atomphysik, von dem vorher schon die Rede war. Gewisse aus der Bahn zu berechnende Größen sollten ganzzahlige Vielfache einer Grundeinheit, nämlich des Planckschen Wirkungsquantums sein. Solche Regeln erinnerten an die Beobachtungen der alten Pythagoreer, nach denen zwei schwingende Saiten dann harmonisch zusammenklingen, wenn bei gleicher Spannung ihre Längen in einem ganzzahligen Verhältnis stehen."
Heisenberg, Werner; Der Teil und das Ganze, Piper, München, 8.Aufl., 2010, S.47

"Die Quantisierung der Energieniveaus bewirkt auch die Gleichförmigkeit der Natur."
Barrow, John D.; Die ‚Natur der Natur, Rohwolt 1996, S.223

Richard Phillips Feynman (1918-1988) amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger des Jahres 1965.
Feynman gilt als einer der großen Physiker des 20. Jahrhunderts, der wesentliche Beiträge zum Verständnis der Quantenfeldtheorien geliefert hat.


Er sagt zur pythagoreische Harmonik Folgendes in seinen Die Feynman lectures:
Pythagoras is said to have discovered the fact that two similar strings under the same tension and differing only in length, when sounded together give an effect that is pleasant to the ear if the lengths of the strings are in the ratio of two small integers. If the lengths are as one is to two, they then correspond to the octave in music. If the lengths are as two is to three, they correspond to the interval between C and G, which is called a fifth. These intervals are generally accepted as “pleasant” sounding chords.

Pythagoras was so impressed by this discovery that he made it the basis of a school—Pythagoreans they were called—which held mystic beliefs in the great powers of numbers. It was believed that something similar would be found out about the planets—or “spheres.” We sometimes hear the expression: “the music of the spheres.” The idea was that there would be some numerical relationships between the orbits of the planets or between other things in nature. People usually think that this is just a kind of superstition held by the Greeks. But is it so different from our own scientific interest in quantitative relationships? Pythagoras’ discovery was the first example, outside geometry, of any numerical relationship in nature. It must have been very surprising to suddenly discover that there was a fact of nature that involved a simple numerical relationship. Simple measurements of lengths gave a prediction about something which had no apparent connection to geometry—the production of pleasant sounds. This discovery led to the extension that perhaps a good tool for understanding nature would be arithmetic and mathematical analysis.

The results of modern science justify that point of view.




Hans-Peter Emil Dürr (1929-2014) deutscher Physiker und Essayist. Dreimal war er im Direktorium des Max-Planck-Instituts für Physik, nämlich 1970–71, 1977–80 und zuletzt nochmals 1987–1992. Von 1958 bis 1976 war Dürr Mitarbeiter von Werner Heisenberg, der einen großen Einfluss auf ihn ausübte. Er war sein engster Mitarbeiter bei Heisenbergs Projekt eines Versuchs der Aufstellung einer vereinheitlichten Feldtheorie der Elementarteilchen.

"Der entscheidende Punkt, an dem die Materie verschwindet und nur die Form bleibt, liegt in der Struktur des Atoms. Wir haben die Atome erforscht, um die Welt in den Griff zu bekommen. Deshalb mussten wir die Materie zerschlagen und dabei ihre Form zerstören. Doch bei der Zerkleinerung entstanden immer kleinere Teile mit neuen Formen. Wir zertrümmerten sie wieder und wieder in der Hoffnung, jegliche Form zu beseitigen. Beim Atom angekommen, meinten wir, endlich am Ziel zu sein. Wir hatten das atomos gefunden, das sich nicht mehr spalten lässt. Reine Materie ohne
Form. Doch dann zeigte Lord Rutherford, dass auch das Atom noch eine Struktur besitzt. Wieder musste man zertrümmern und nachsehen, wie es im Inneren aussieht. Das Atom mit seinem schweren Kern und den ihn umkreisen den leichteren Elektronen gleicht einem Planetensystem, wird jedoch zusammengehalten durch elektrische Kräfte. Aber die mechanistische Erklärung in Analog
ie zu unserem gravitativ zusammengehaltenen Planetensystem misslang, denn das elektrische Atomsystem ist nicht stabil. Es widerspricht sogar den Naturgesetzen, die wir bisher kannten. So blieb uns nur eine Folgerung: Unsere Naturgesetze sind falsch. Im Grunde gibt es die Materie gar nicht, sondern nur eine Art Schwingung. Die Elektronen und der Atomkern sind eigentlich nur schwingungsfiguren, ähnlich der Schwingungsfigur unseres Handy-Gesprächs im elektromagnetischen Feld, nichts Materielles im eigentlichen Sinne. An diesem Punkt hatten wir die Materie verloren."

Hans Peter Dürr in Materie, Bewusstsein und Wirklichkeit

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